ArchivDeutsches Ärzteblatt25/1997Therapie traumatischer Armplexusläsionen

MEDIZIN: Diskussion

Therapie traumatischer Armplexusläsionen

Jürgens-Becker, Anne; Germann, G.

Zu dem Beitrag von Dr. med. Anne Jürgens-Becker,Dr. med. Götz Penkert und Prof. Dr. med. Dr. h.c. Madjid Samii in Heft 49/1996
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LNSLNS Hand- und Plastische Chirurgie gefordert
Der Beitrag von A. Jürgens-Becker et al. impliziert, daß eine primäre Therapie der traumatischen Armplexusläsion durch "spezialisierte neurochirurgische Abteilungen" durchgeführt werden sollte. Diese Aussage ist sicher in der bestehenden Form zu eindimensional und wird dem komplexen Problem der Armplexusläsion nicht gerecht.
Vielfach handelt es sich bei diesen Verletzungen nicht um chirurgisch reparierbare oder rekonstruierbare Nervenläsionen, und die therapeutischen Alternativen zur Verbesserung der Funktion und damit auch der Lebensqualität des Patienten liegen in sogenannten motorischen Ersatzoperationen oder auch im Ausnahmefall in Arthroplastiken von Schulter-, Ellenbogen- und Handgelenken.
Diese Gründe lassen eine primärchirurgische Therapie in plastisch-chirurgischen Abteilungen beziehungsweise spezialisierten Handchirurgien als wesentlich sinnvoller erscheinen. In diesen Abteilungen ist nicht nur das mikrochirurgische "Know-how" vorhanden, um primäre Nervenrekonstruktionen und Nervenkoaptationen durchzuführen, sondern gleichzeitig das gesamte Spektrum motorischer Ersatzoperationen verfügbar. Der Wert dieses Konzeptes wird um so deutlicher, wenn man die wesentlichen Pionierarbeiten zur Plexuschirurgie betrachtet, die aus Hand- und Plastischen Chirurgien stammen.


Literatur
1. Bunnel S: Restoring flexion paralytic elbow. J Bone Jt Surg 1951; 33 A: 566-571.
2. Leffert RD: Brachial plexus injuries. New York: Churchill Livingstone, 1995; 193-210.
3. Millesi H: Brachial plexus injuries. Management and results. Clinics in Plastic Surgery 1984; II (I): 115120.
4. Tsai TM, Kalisman M, Burns J, Kleinert HE: Restoration of elbow flexion by pectoralis major and pectoralis minor transfer. J Hand Surg (Am) 1983; 7: 186-190.


Prof. Dr. med. G. Germann
Abteilung für Verbrennungen, Plastische und Handchirurgie der Berufsgenossenschaftlichen
Unfallklinik Ludwigshafen
67071 Ludwigshafen


Schlußwort
Offensichtlich stört Herrn Kollegen Germann das Wort "neurochirurgische" Abteilung. Wenn man aber von "spezialisierter neurochirurgische Abteilung" spricht, soll damit gemeint sein, daß es sich um eine Abteilung handelt, die sich speziell mit der Nervenchirurgie des Plexus brachialis beschäftigt. Es ist nicht mehr zeitgemäß, bestimmte Erkrankungen als die Domäne nur eines Fachgebietes zu betrachten. Vielmehr sollten alle notwendigen Fächer herangezogen werden, um eine Erkrankung so optimal wie möglich versorgen zu können. Aus unserer Sicht gibt es leider sehr wenige Neurochirurgen, Orthopäden, Plastische und Handchirurgen, die sich mit der speziellen Problematik der Plexuschirurgie in größerem Umfang beschäftigen. Es wäre wünschenswert, wenn spezialisierte Abteilungen aller drei genannten Fachbereiche mit ihrem Knowhow zur Verfügung stehen würden, um diesen vom Schicksal sehr getroffenen Patienten helfen zu können.
Die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen den oben genannten Fachbereichen hat uns hier in Hannover geholfen, unsere Konzepte deutlich zu verbessern. Daraus resultierend wissen wir heute, daß jeder Patient mit einer Plexus-brachialis-Schädigung innerhalb der ersten sechs Monate große Chancen hat, durch nervenchirurgische Maßnahmen gewisse Funktionen wieder zu erreichen, wobei plastisch-chirurgische und orthopädische Maßnahmen dann komplementär eingesetzt werden können.


Prof. Dr. med. Dr. h.c. Madjid Samii
Dr. med. Anne Jürgens-Becker
Neurochirurgische Klinik
Krankenhaus Nordstadt
Haltenhofstraße 41
30167 Hannover

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