ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2010Medizinische Versorgungszentren als Praxisnachfolger: Besonderheiten beachten

BERUF

Medizinische Versorgungszentren als Praxisnachfolger: Besonderheiten beachten

Dtsch Arztebl 2010; 107(10): [106]

Kuhlen, Rainer

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Erwirbt ein Medizinisches Versorgungszentrum einen Vertragsarztsitz, so wird dieser stets zu dessen Sitz „gezogen“.

Der Zusammenschluss von Ärzten in Form von Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) ist seit einigen Jahren erlaubt. Zunehmend wird inzwischen Gebrauch von dieser Möglichkeit gemacht.

Im Gegensatz zu der klassischen Konstellation, dass ein Vertragsarzt seine Zulassung auf einen anderen Vertragsarzt überträgt, gibt es für den Fall, dass ein solches Medizinisches Versorgungszentrum in diesen Vorgang einbezogen ist, Besonderheiten, die berücksichtigt werden müssen, damit es nicht zu „bösen Überraschungen“ kommt.

Sofern ein MVZ in eine Nachbesetzung involviert ist, sind regelmäßig zwei Varianten denkbar, nach denen vorgegangen werden kann:

Bei der ersten Variante wird ein „normales“ Nachbesetzungsverfahren durchgeführt. Möglich ist, dass das MVZ als Bewerber zur Nachfolge auf den ausgeschriebenen Vertragsarztsitz agiert. Im Rahmen des Nachbesetzungsverfahrens muss das MVZ zwingend einen Arzt benennen, der den Vertragsarztsitz übernimmt. In vielen Kassenärztlichen Vereinigungen ist es so, dass der Vertragsarztsitz des Praxisabgebers automatisch zum Sitz des MVZ „gezogen“ wird. Soll die ärztliche Tätigkeit jedoch an dem Ort fortgeführt werden, an dem der Praxisabgeber seinen Vertragsarztsitz innehatte, hat das MVZ einen Antrag auf Genehmigung einer Zweigpraxis gemäß § 24 Abs. 3 der Ärzte-Zulassungsverordnung zu stellen.

Nachteil dieser Variante ist die Tatsache, dass bei Durchführung des Nachbesetzungsverfahrens immer weitere Bewerber auftreten können, die gegebenenfalls besser qualifiziert sind, vom Praxisabgeber aber als Nachfolger unerwünscht sind.

Die Durchführung eines mit einer Ausschreibung verbundenen Nachbesetzungsverfahrens kann vermieden werden, indem der Praxisübergeber seinen Vertragsarztsitz an den Ort des MVZ verlegt und dann gemäß § 103 Abs. 4 b Sozialgesetzbuch V auf seine Zulassung verzichtet, um sich beim MVZ anstellen zu lassen. So ist sichergestellt, dass das MVZ auch tatsächlich den Sitz des Praxisabgebers bekommt und andere Mitbewerber nicht für Komplikationen sorgen können.

Festzuhalten ist, dass sofern ein MVZ in den Vorgang einer Praxisübergabe involviert ist, der „erworbene“ Sitz stets zum Vertragsarztsitz des MVZ „gezogen“ wird. Keinesfalls ist es so, dass das MVZ – wie bei der klassischen Konstellation, in der die Zulassung eines Vertragsarztes auf einen anderen Vertragsarzt übergeht – den Vertragsarztsitz des Praxisabgebers an dessen Vertragsarztsitz fortführen kann. Viele Zulassungsausschüsse begründen diese Vorgehensweise damit, dass auch das MVZ einen „hauptberuflichen“ Vertragsarztsitz hat und das MVZ – wie im Übrigen auch der Vertragsarzt – nicht zwei hauptberufliche Vertragsarztsitze aufweisen kann.

Sofern also ein MVZ den Vertragsarztsitz eines Praxisabgebers an dessen Vertragsarztsitz fortführen will, geht dies nur über die Gründung einer Zweigpraxis, die genehmigungspflichtig ist. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass der Zulassungsausschuss die Genehmigung einer Zweigpraxis mit Nebenbestimmungen, etwa zeitliche Befristung der Genehmigung oder Beschränkung der wöchentlichen Arbeitszeit, versehen kann. Diese Problematik besteht aber bei beiden Varianten der Nachfolgeregelung.

RA Rainer Kuhlen, Mönchengladbach
E-Mail: rainer.kuhlen@erckens.de
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema