ArchivDeutsches Ärzteblatt25/1997Kunstausstellungen in Berlin: Bilder des Jahrhunderts

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Kunstausstellungen in Berlin: Bilder des Jahrhunderts

Kohler, Marion

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LNSLNS Als eine monumentale Jahrhundertschau präsentiert sich die Kunstausstellung "Die Epoche der Moderne - Kunst im 20. Jahrhundert", die bis zum 27. Juli im Berliner Martin-Gropius-Bau zu sehen sein wird. Ziel der Exposition ist es, die Stationen der Moderne mit bekannten Meisterwerken Revue passieren zu lassen. Gut 400 Werke von 130 Künstlern tragen zu einer Schau der Superlative bei. "Die Epoche der Moderne" - ein Museum auf Zeit, das jedoch nicht lexikalisch aufgebaut ist. Kein enzyklopädischer Überblick wird geliefert, sondern Momentaufnahmen sollen die westliche Moderne auf neuartige Weise durch überraschende Künstler- und Werkkonstellationen beleuchten. Die Ausstellung macht den Vorschlag, das Jahrhundert so zu lesen, als wäre es von vier Hauptwegen durchzogen: Die übergreifenden Begriffspaare "Realität - Deformation", "Abstraktion - Spiritualität", "Sprache - Material" und "Traum - Mythos" charakterisieren das 20. Jahrhundert mit all seinen inhärenten Widersprüchen und porösen Öffnungen.
Der erste dieser Rundgänge - "Realität - Deformation" - beginnt mit Pablo Picasso und stellt die figurative und expressive Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit vor. Künstler wie Braque, Delaunay und Marc, die das kohärente Bild aufbrachen, sind hier zu sehen. "Sprache - Material" ist der Leitgedanke des zweiten Weges; Marcel Duchamp und seine Ready-mades führen ihn ein. Von Magrittes Sprachbildern, Hausmanns und Ernsts dadaistischen Collagen gelangt man zu Kabakows Rauminstallation, Hills Videoskulptur und einem Environment von Kelley in die Gegenwart. Der Rundgang "Abstraktion - Spiritualität" setzt mit den beiden bedeutsamsten der frühen abstrakten Bilder Wassily Kandinskys ein, die seit Jahrzehnten in Deutschland nicht mehr ausgestellt waren: "Komposition VI" und "Komposition VII". Vorbei an russischen Konstruktivisten, Mondrians strengen geometrischen Abstraktionen, der amerikanischen Abstraktion der Nachkriegszeit (Pollock, Newman, Reinhardt) findet sich ein metaphorischer Abschluß im entmaterialisierten Licht-Bild Turrells. Am Beginn des letzten Weges stehen Giorgio de Chirico und dessen Bilder versteinerter, magischer Welten, die das Thema "Traum - Mythos" repräsentieren. Das Haus der Kulturen der Welt in Berlin kommentiert das Beharren auf "West-Kunst" mit einer Gegenausstellung, die Werke von 30 Künstlern aus den sogenannten Dritte-Welt-Ländern präsentiert.
Marion Kohler, Berlin
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