ArchivDeutsches Ärzteblatt25/1997Bekanntmachungen: Diabetes-Vereinbarung

BEKANNTGABEN DER HERAUSGEBER: Bundes­ärzte­kammer

Bekanntmachungen: Diabetes-Vereinbarung

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LNSLNS Die Kassenärztliche Bundesvereinigung, K.d.ö.R., Köln, - einerseits - und der Verband der Angestellten-Krankenkassen e.V., Siegburg, sowie der AEV-Arbeiter-Ersatzkassen-Verband e.V., Siegburg, - andererseits - vereinbaren, die Anlage 8 zum Arzt-/Ersatzkassenvertrag (Diabetes-Vereinbarung) wie folgt neu zu fassen:


Präambel
Unter Beachtung der Deklaration von St. Vincent ergeben sich bei der Behandlung und Betreuung von Diabetes-Patienten konkrete Anforderungen an die ärztliche Qualifikation, die Qualitätssicherung sowie Kriterien zur Beurteilung der Ergebnisqualität.
Die Vertragspartner wollen vor diesem Hintergrund ein flächendeckendes Programm zur Diabetikerschulung fördern und umsetzen, mit dem eine Reduzierung der Diabetes-Komplikationen sowie eine Erhöhung der Lebensqualität der Betroffenen erreicht werden kann.
Die Partner dieses Vertrages wollen damit einen Beitrag leisten, eine vorteilhafte gesundheitliche Behandlung und Betreuung zum Wohle der gesamten Bevölkerung zu garantieren.
Wesentliche Bedeutung bei der Betreuung von Diabetikern besitzt die Schulung der Patienten durch qualifiziertes ärztliches und nicht-ärztliches Personal. Verbesserte strukturierte Schulungen mit unterschiedlichen Lerninhalten für die einzelnen Diabetes-Typen und Behandlungsgruppen sollen eine bessere Therapie- und Lebensqualität der Patienten bewirken.


§ 1 Allgemeines
(1) Für die Patientengruppen der Typ-II-Diabetiker ohne Insulinbehandlung und der Typ-II-Diabetiker mit Insulinbehandlung vereinbaren die Vertragspartner, je ein strukturiertes Schulungsprogramm in die vertragsärztliche Versorgung einzuführen. Damit wird das bereits bestehende Schulungsprogramm für Typ-IIDiabetiker weiterentwickelt.
(2) Eine Wiederholung der Schulungen kommt insbesondere bei einem über einen längeren Zeitraum schlecht einzustellenden Diabetes in Betracht.


§ 2
Qualifikation zur Durchführung der Schulungen
(1) Die Schulungen nach § 1 können durch Vertragsärzte und zugelassene Einrichtungen nach § 311 Abs. 2 SGB V erfolgen, die eine entsprechende ärztliche Qualifikation und eine Qualifikation des Praxispersonals durch die Teilnahme an entsprechenden Seminarveranstaltungen erworben haben und nachweisen können.
Die Qualifikationsveranstaltungen sollen sich auf folgende Inhalte beziehen:
1. Pathophysiologie des Diabetes mellitus (Ärzte und Praxispersonal),
2. Allgemeiner Hintergrund, Therapiestrategien und Effektivität der Programme (Ärzte und Praxispersonal),
3. Erarbeitung und Diskussion der Unterrichtseinheiten (Ärzte und Praxispersonal),
4. Lehrverhaltenstraining und Pädagogik der strukturierten Schulungen (Praxispersonal),
5. Allgemeine medizinische und pädagogische Diskussion (Ärzte und Praxispersonal),
6. Methoden der Ergebniskontrolle (Ärzte und Praxispersonal).
(2) Für die Erarbeitung der in den Punkten 1, 2, 3, 5 und 6 genannten Inhalte ist mindestens eine ganztägige Veranstaltung notwendig (z. B. Samstag). Das Lehrverhaltenstraining und die Unterrichtung des Praxispersonals in der Pädagogik der strukturierten Schulungen (Punkt 4) soll sich nach Möglichkeit auf drei halbe Tage erstrecken (z. B. Mittwochnachmittag und Donnerstag ganztägig).
(3) Die Organisation der Unterrichtung der Ärzte und des Praxispersonals entsprechend den genannten Vorgaben übernimmt das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in der Bundesrepublik Deutschland (ZI) in Abstimmung mit den Kassenärztlichen Vereinigungen. Die Auswahl der für die Unterrichtung der Ärzte und ggf. des Praxispersonals geeigneten Fachleute obliegt dem ZI. Die erforderliche Qualifikation der Ärzte und ggf. des Praxispersonals kann nur in solchen Kursen erworben werden, deren Leiter vom ZI ausgewählt wurden.
(4) Zur Teilnahme am Seminar zum Programm für Typ-II-Diabetiker mit Insulinbehandlung sind nur Vertragsärzte, zugelassene Einrichtungen und Praxispersonal berechtigt, die bereits eine Qualifikation zum Programm für Typ-II-Diabetiker ohne Insulinbehandlung erworben haben.
(5) Maßnahmen nach dieser Vereinbarung kann nur durchführen und abrechnen, wer die erforderlichen Qualifikationsvoraussetzungen erfüllt. Die Erfüllung der Voraussetzungen ist gegenüber der zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung nachzuweisen.


§ 3
Anforderungen an die Schulungsprogramme
(1) Es können nur solche Schulungsprogramme verwendet werden, die sich nach einer ausreichenden Erprobung aufgrund einer wissenschaftlichen Evaluation als effektiv erwiesen haben.
(2) Voraussetzung für die Anwendung eines Schulungsprogramms nach dieser Vereinbarung ist eine nach Prüfung erfolgte Anerkennung des Programms durch das ZI. Die Vertragspartner sind über die anerkannten Schulungsprogramme zu informieren.
(3) An die inhaltliche Gestaltung der Programme zur Schulung von Patienten mit Typ-II-Diabetes mellitus sind folgende Anforderungen zu stellen:
1. Programm für Typ-II-Diabetiker ohne Insulinbehandlung
1.1 Das strukturierte Therapie- und Schulungsprogramm für Typ-II-Diabetiker ohne Insulinbehandlung umfaßt vier Unterrichtseinheiten bei einer Teilnehmerzahl von bis zu vier Patienten. Der Abstand zwischen den einzelnen Unterrichtseinheiten sollte zwei Wochen nicht überschreiten.
1.2 Für den Inhalt der einzelnen Unterrichtseinheiten gelten folgende Empfehlungen:
Verständnis für Diabetes, die Beschwerden und Langzeitfolgen durch zu hohen Blutzucker, Symptome und Prävention der Hypoglykämie, eigene Stoffwechselkontrolle durch den Patienten (Urinzuckermessung: Methode, Zeitpunkt und Häufigkeit), Durchführung einer Reduktionskost für übergewichtige Patienten, Auslaßversuch der oralen Antidiabetika, Kost bei schlanken und schlank gewordenen Diabetikern, Anleitung zur körperlichen Bewegung, Prävention von Fußkomplikationen einschließlich richtiger Fußpflege, Folgeschäden des Diabetes und notwendige Kontrolluntersuchungen.
2. Schulungsprogramm für Typ-II-Diabetiker mit Insulinbehandlung
2.1 Das Therapie- und Schulungsprogramm für Typ-II-Diabetiker mit Insulinbehandlung umfaßt fünf Unterrichtseinheiten bei einer Teilnehmerzahl von bis zu vier Patienten, die im Laufe von vier Wochen erteilt werden.
2.2 Für den Inhalt der einzelnen Unterrichtseinheiten gelten folgende Empfehlungen:
Verständnis für Diabetes, die Beschwerden und Langzeitfolgen durch zu hohen Blutzucker, Symptome und Prävention der Hypoglykämie, Erlernen des korrekten Umgangs mit Insulin, wie z. B. Methoden, Zeitpunkt und Häufigkeit der Injektion des Insulins, eigene Stoffwechselkontrolle durch den Patienten (Blutzucker- bzw. Urinzuckermessung: Methoden, Zeitpunkt und Häufigkeit), Anpassung der Insulindosis durch den Patienten, Abstimmung der Kost auf die Insulintherapie, Berücksichtigung außergewöhnlicher körperlicher Belastung, Prävention von Fußkomplikationen einschließlich richtiger Fußpflege, Folgeschäden des Diabetes und notwendige Kontrolluntersuchungen.


§ 4
Abrechnung
(1) Für die programmierte ärztliche Schulung von Typ-II-Diabetikern ohne Insulinbehandlung ist die Abrechnungsnummer 8013, von Typ-II-Diabetikern mit Insulinbehandlung die Abrechnungsnummer 8014 je Teilnehmer und Sitzung berechnungsfähig.
(2) Mit der Abrechnung wird bestätigt, daß die nach § 3 anerkannten strukturierten Therapie- und Schulungsprogramme für Typ-II-Diabetiker ohne Insulinbehandlung bzw. für Typ-II-Diabetiker mit Insulinbehandlung durchgeführt und die in den Programmen empfohlene Teilnehmer- und Sitzungszahl beachtet werden.


§ 5
Verbrauchsmaterial für Patienten
Die Kosten für das beim Patienten verbleibende, zwischen den Vertragspartnern abgestimmte Verbrauchsmaterial werden von den Ersatzkassen getragen. Es ist je Patient ein Pauschalbetrag in Höhe von DM 15,00 (Abrechnungsnummer 8015) abrechnungsfähig. Das Verbrauchsmaterial umfaßt auch die Ausstattung der Patienten mit einem Diabetes-Paß. Die Abrechnung der Kosten erfolgt auf dem Abrechnungsschein.


§ 6
Gemeinsames Gremium
Die Vertragspartner werden gemeinsam prüfen, ob die mit dieser Vereinbarung verbundenen Zielsetzungen erreicht werden. Zu diesem Zweck richten sie unter Beteiligung des ZI ein gemeinsames Gremium ein, das die Umsetzung dieser Vereinbarung begleitet.


§ 7
Inkrafttreten, Übergangsregelung, Kündigung
(1) Die Vereinbarung tritt am 1. 7. 1997 in Kraft. Die Diabetes-Vereinbarung vom 18. 6. 1991 endet am 30. 6. 1997. Strukturelle Regelungen auf Landesebene, die über den Inhalt dieser Vereinbarung hinausgehen, bleiben insoweit unberührt.
(2) Ärzte, die bereits vor Inkrafttreten dieses Vertrages zur Durchführung von Schulungsprogrammen für TypII-Diabetiker gemäß der Diabetes-Vereinbarung vom 18. 6. 1991 berechtigt waren, sind zur Durchführung von Schulungen für nicht insulinpflichtige Typ-II-Diabetiker weiterhin berechtigt.
(3) Die Vereinbarung kann von jedem der Vertragspartner mit einer Frist von drei Monaten zum Ende eines Kalenderhalbjahres gekündigt werden.

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