ArchivDeutsches Ärzteblatt26/1997Schlaganfall: Heparin oder Aspirin? Trotz Studie mehr Fragen als Antworten

SPEKTRUM: Akut

Schlaganfall: Heparin oder Aspirin? Trotz Studie mehr Fragen als Antworten

Koch, Klaus

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LNSLNS Die "International Stroke Trial" (IST) ist mit insgesamt 19 435 randomisierten Patienten und mehr als 1 000 beteiligten Ärzten an 467 Kliniken in 36 Ländern eine der größten Medikamenten-Studien der Medizingeschichte. Doch trotz der Größe hat die nun publizierte Studie zur Wirksamkeit und Sicherheit der antithrombotischen Therapie unmittelbar nach einem Schlaganfall mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet. Eigentlich sollte die Mega-Studie die bestehenden Unklarheiten zu Wirksamkeit und Sicherheit von Aspirin (300 mg täglich) oder Heparin (5 000 oder 12 500 IU zweimal täglich) in den ersten 14 Tagen nach einem ischämischen Schlaganfall beseitigen. Doch im Hinblick auf die primären Studienziele - Tod nach 14 Tagen und Tod oder Behinderung nach sechs Monaten - schnitt keine der Therapien signifikant besser ab als die unbehandelte Kontrollgruppe (The Lancet Bd. 349, S. 1569, 1997).


Ein eindeutiges (negatives) Resultat war lediglich, daß die Behandlung mit zweimal täglich 12 500 statt 5 000 IU Heparin mit signifikant mehr Hirnblutungen, mehr Folge-Schlaganfällen und mehr Todesfällen assoziiert war (12,6 statt 10,8 Prozent). Bei den so schnell wie möglich mit Aspirin behandelten Patienten gab es lediglich Andeutungen eines positiven Effektes. Erst als zwischen den Patientengruppen bestehende Unterschiede in der Schwere der Schlaganfälle nachträglich berücksichtigt wurden, ließ sich für Aspirin nach sechs Monaten eine, so die Autoren, "kleine aber reale Reduktion von ungefähr 10 Toten oder Folgeinfarkten pro 1 000 Behandelten während der ersten Wochen" errechnen. Daraus leiten sie die Folgerung ab, daß mit der "Aspirintherapie so bald wie möglich nach Auftreten eines ischämischen Infarktes begonnen werden" sollte.

Diese Schlußfolgerung bleibt indes nicht unbestritten. Marie-Germaine Bousser vom Hospital Saint-Antoine in Paris kritisiert in einem ebenfalls in Lancet abgedruckten Kommentar, daß sich diese Folgerung weder auf die primären Studienziele der IST noch alleine auf Daten dieser Studie stützt. In der Tat berufen sich die ISTAutoren auf die Daten einer weiteren Studie, der mit über 21 000 Patienten noch größeren "Chinese Acute Stroke Trial", die bislang allerdings noch nicht publiziert sind. Bousser hofft, daß zukünftig kleinere Studien, in denen die Patienten jedoch besser charakterisiert sind, klarer definieren, für welche Untergruppen welche Therapie nützlich ist. Allerdings sind nach der IST-Studie großartige Hoffungen für die Akuttherapie der Schlaganfall-Patienten mit Aspirin und Heparin wohl nicht mehr gerechtfertigt. Klaus Koch

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