ArchivDeutsches Ärzteblatt27/1997Arzneimittel-Richtgrößen: KBV verhandelt über Rahmenvereinbarung

POLITIK: Aktuell

Arzneimittel-Richtgrößen: KBV verhandelt über Rahmenvereinbarung

Glöser, Sabine

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LNSLNS Die kollektiven Arzneimittelbudgets sollen durch arztgruppenspezifische Richtgrößen abgelöst werden. Das sieht das am 1. Juli in Kraft getretene 2. GKV-Neuordnungsgesetz vor. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat dazu ein Konzept erarbeitet. Zur Zeit verhandeln KBV und Kassen noch über die Rahmenbedingungen der Richtgrößenvereinbarung.


Die starre Budgetierung bei der Arzneimittelversorgung wird ein Ende haben: Arztgruppenspezifische Richtgrößen sollen die kollektiven Arzneimittelbudgets ablösen. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) will für alle Kassen einheitliche und quartalsbezogene Richtgrößen vereinbaren. Sie sollen in jedem Quartal eines Jahres gleich hoch und über alle vier Quartale eines Kalenderjahres saldierbar sein. Differenziert werden soll nach Altersklassen und nach dem regionalen Versorgungsbedarf.
Bei der Festlegung der Richtgrößenhöhe, heißt es im Konzept der KBV, sollen die durchschnittlichen Verordnungskosten der jeweiligen Arztgruppe in der betreffenden Region aus zurückliegenden Zeiträumen angemessen berücksichtigt werden. Darüber hinaus soll die Höhe der Richtgröße auf der Basis der Bruttokosten festgelegt werden. Unverzichtbare Voraussetzung für ein praxisindividuelles Management sei es, daß jeder Arzt Informationen über die von ihm veranlaßten Verordnungskosten kontinuierlich und zeitnah erhält.


Berücksichtigung von Praxisbesonderheiten
Zusatzbudgets für bestimmte Krankheitsfälle lehnt der Vorstand der KBV ab: Diese würden zu einer "unangemessenen Verkomplizierung der Richtgrößenanwendung" führen. Statt dessen sollen Wirkstoffe mit gesicherten Indikationen bei schweren oder chronischen Erkrankungen, die keine Anhaltspunkte für eine unwirtschaftliche Ausweitung der Indikationsstellung bieten, nicht in die Richtgrößenbildung einbezogen werden. Praxisbesonderheiten, die einen erhöhten Versorgungsaufwand rechtfertigen, sollen bei Richtgrößenüberschreitungen entsprechend berücksichtigt werden.
Die kollektive Haftung für das Überschreiten einer Budgetobergrenze entfällt: Laut 2. GKVNeuordnungsgesetz wird jeder Kassenarzt überprüft, wenn er seine Richtgröße um 15 Prozent überschreitet. Bei Mehrverordnungen um 25 Prozent wird er regreßpflichtig - es sei denn, er kann die Wirtschaftlichkeit seiner Verordnungen nachweisen. Die KBV begrüßt diese Regelung, hält aber eine einheitliche Prüfungsgrenze für sinnvoller. Unterschreitet der Arzt die Höhe der Richtgrößenvereinbarung, soll ihm der Differenzbetrag nach den Vorstellungen der KBV als Aufwandsentschädigung zugesprochen werden, "die im vertragsärztlichen Honorierungssystem ansonsten nicht abgegolten wird". Die Begründung: Die Sicherstellung einer wirtschaftlichen Arzneimittelverordnung erfordere Anreizsysteme - eine "Bonusregelung" sei dies jedoch nicht. Heilmittel sollten nach Auffassung der KBV nicht in die Richtgrößenvereinbarung aufgenommen werden, da eine arztbezogene Datentransparenz fehle. Zur Steuerung der Heilmittelverordnung werde der Bundesausschuß der Ärzte und Krankenkassen einen Indikationskatalog erarbeiten. Bevor die Kassenärztlichen Vereinigungen und die Kassen regionale Verträge über die Richtgrößen abschließen können, müssen sich die KBV und die Spitzenverbände der Krankenkassen auf Bundesebene noch über die Rahmenbedingungen einigen. Die Verhandlungen dazu stehen kurz vor dem Abschluß. Dr. Sabine Glöser

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