ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2010Unabhängige Patientenberatung: Zöller macht Dampf

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Unabhängige Patientenberatung: Zöller macht Dampf

Osterloh, Falk

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Falk OsterlohRedakteur für Gesundheits- und Sozialpolitik in Berlin
Falk Osterloh
Redakteur für Gesundheits- und Sozialpolitik in Berlin
Wolfgang Zöller hat viel vor. Ein Patientenrechtegesetz will der neue Patientenbeauftragte der Bundesregierung auf den Weg bringen, dazu noch ein Fehlermelderegister – was innerhalb der Ärzteschaft angesichts der schon bestehenden Meldesysteme für einige Irritation gesorgt hat – und außerdem eine unabhängige Patientenberatung für alle.

Letzteres wird seit knapp zehn Jahren in dem Modellverbund Unabhängige Patientenberatung Deutschland gGmbH (UPD) erprobt. Bundesweit stehen 66 Mitarbeiter in 22 regionalen Beratungsstellen für Patientenfragen zur Verfügung. In jeder Filiale gibt es einen Spezialisten für psychosoziale, für rechtliche und für gesundheitlich-medizinische Fragen. Am meisten interessierten sich die Versicherten in den vergangenen Jahren dabei für Leistungen der Kostenträger, rechtliche Aspekte, Krankheitsbilder, Therapiemöglichkeiten und Behandlungsalternativen. Insbesondere wenn es um Fragen zur Gesundheit geht, sollten sich aber sowohl die Berater als auch die Patienten vor Augen halten: Unabhängige medizinische Informationen zu Diagnose und Therapie kann und darf es nur vom Arzt des Vertrauens geben.

Bis zum Ende des Jahres bezahlt noch der GKV-Spitzenverband die UPD. Bis dahin muss sich der Bundestag entschieden haben, wie es mit der unabhängigen Patientenberatung weitergehen soll. Zöller hat sich bereits entschieden. Weitere Modellprojekte seien unnötig, betont der CSU-Politiker. Die unabhängige Patientenberatung müsse nun schnell in die Regelversorgung überführt werden. Bezahlen soll sie entweder, wie bisher, der GKV-Spitzenverband. Dann müsse sich aber auch die private Kran­ken­ver­siche­rung beteiligen, weil auch Privatversicherte die Beratung genutzt hätten. Oder die Steuerzahler müssten es übernehmen. Das sei mit Blick auf die leeren Staatskassen jedoch eher unwahrscheinlich.

2009 haben knapp 80 000 Versicherte die UPD genutzt. Das sind etwa 0,1 Prozent aller Versicherten. Die Kosten für das Projekt beliefen sich in diesem Jahr auf circa fünf Millionen Euro, knapp 0,003 Prozent der Gesamtausgaben von gesetzlicher und privater Kran­ken­ver­siche­rung. Man kann nun argumentieren, das Geld wäre in der Patientenversorgung besser angelegt. Man kann aber ebenso befinden, dass derzeit für weniger Sinnvolles mehr Geld ausgegeben wird. Finanziell zumindest scheinen die Versichertengelder hier effizient eingesetzt. Doch wie steht es um die Effektivität? Dar-über ist leider nichts bekannt. Zwar werden die Mitarbeiter durch Schulungen und Fachdokumentationen fortgebildet. Auch sind Kooperationspartner wie das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin involviert. Dennoch weiß bislang niemand, ob den Versicherten ihre Beratung überhaupt etwas gebracht hat. Zumindest ein Beschwerdetelefon soll nun in Kürze eingerichtet werden, wenn Patienten mit der Beratung unzufrieden waren.

Zöller zumindest wird dieses Projekt weiter vorantreiben. Wenn man die Verve betrachtet, mit der er seine Arbeit angeht, scheint der 67-Jährige in seinem neuen Amt eine – vielleicht letzte – Gelegenheit zu sehen, etwas zu bewegen. Für die Versicherten. Und für sich selbst. Deshalb ist zu erwarten, dass er sein ganzes politisches Gewicht als langjähriger gesundheitspolitischer Experte der CSU im Bundestag einsetzen wird, um die von ihm formulierten Vorhaben auch in die Tat umzusetzen. Vom Patientenbeauftragten der Bundesregierung wird in den nächsten Jahren noch einiges zu hören sein.
Falk Osterloh
Redakteur für Gesundheits- und Sozialpolitik in Berlin
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