ArchivDeutsches Ärzteblatt27/1997Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie: Gesundheitsreform weist in richtige Richtung

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Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie: Gesundheitsreform weist in richtige Richtung

Korzilius, Heike

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LNSLNS Als Schritt in die richtige Richtung hat der Vorsitzende des Bundesverbandes der Pharmazeutischen Industrie (BPI), Prof. Dr. med. Hans Rüdiger Vogel, die dritte Stufe der Gesundheitsreform gewertet. Auf der Haupt­ver­samm­lung seines Verbandes Mitte Juni in Bonn bezeichnete er die Ablösung der Arzneimittelbudgets durch arztgruppenspezifische Richtgrößen als wesentliches Element der Neuordnungsgesetze zur Gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung. Die neue Regelung verhindere, daß Patienten aus Kostengründen Medikamente vorenthalten würden oder es zu drastischen und therapeutisch unerklärlichen Schwankungen im ärztlichen Verordnungsverhalten komme.


Keine Ausgrenzung von Arzneimitteln
Der BPI begrüßte, daß die geplanten Richtgrößen keinen Indikationsbezug haben und somit eine Ausgrenzung bestimmter Arzneimittel aus dem gesetzlichen Leistungskatalog über die Richtgrößen nicht möglich sei. Kritik übte Vogel an der Haltung der Krankenkassen. Deren teilweise "monströsen und perfektionistischen Vorstellungen" zur Ermittlung von Richtgrößen dienten dazu, das Konzept in Frage zu stellen und zu demonstrieren, daß Richtgrößen nicht gefunden und schon gar nicht vom Arzt gehandhabt werden könnten.
Daß die Einführung dieses neuen Instruments, wie Kritiker behaupteten, ein Geschenk an die Pharmaindustrie sei, bestritt Vogel. Auch Richtgrößen, deren Volumen Krankenkassen und Kassenärztliche Vereinigungen aushandelten, nähmen nicht den Druck von den Arzneiverordnungen.
Als weiteres positives Element der beiden Neuordnungsgesetze wertete der BPI die erhöhte Selbstbeteiligung der Versicherten. Diese zusätzlichen Finanzmittel vermieden Rationierungen und Leistungsausgrenzungen. Die Staffelung der Zuzahlungen nach Packungsgröße hält der BPI-Vorsitzende Vogel jedoch für "verunglückt". Er befürchtet, daß Therapietreue und Therapieerfolg darunter leiden könnten. Einer Emnid-Umfrage zufolge, die der Verband im Mai in Auftrag gegeben hatte, wollen es 44 Prozent aller Patienten nach der Erhöhung der Zuzahlung von ihrer Krankheit abhängig machen, ob sie ihr Rezept einlösen oder nicht. Für Vogel ist dies die Konsequenz einer wenig sinnvollen Selbstbeteiligungsregelung. Er rechnete vor, daß künftig rund 21 Prozent aller verordneten Arzneimittel mit einem Gesamtwert von 1,3 Milliarden DM von den Versicherten selbst bezahlt werden müßten. Jede dritte Kleinpackung koste weniger als der niedrigste Zuzahlungsbetrag von neun DM, darunter rezeptpflichtige Arzneimittel wie Antibiotika oder Herzmedikamente. Der BPI-Vorsitzende plädierte daher erneut für eine einheitliche prozentuale Selbstbeteiligung. Sie habe den Vorteil, daß der Versicherte vom Zuzahlungsbetrag auf den Preis des Arzneimittels schließen könne und die Kassen sich finanziell auch an preiswerten Medikamenten beteiligten.
Wirschaftlich hat sich nach Ansicht des BPI die Lage auf dem deutschen Arzneimittelmarkt im April entspannt. Nachdem die Umsätze in den Apotheken im Januar um 0,1 Prozent, im Februar um 2,9 Prozent und im März um 5,6 Prozent zuückgegangen waren, konnte im April erstmals wieder ein Plus von 8,6 Prozent verzeichnet werden. Der Umsatz der ersten vier Monate des Jahres erreichte mit 8,5 Milliarden DM das Niveau des Vorjahres. Der Verband schränkte jedoch ein, daß in den Zunahmen Vorzieheffekte im Hinblick auf die anstehenden Zuzahlungserhöhungen enthalten sein könnten. HK

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