GELDANLAGE

Börsebius: Dauerpanik

Dtsch Arztebl 2010; 107(11): A-510 / B-446 / C-438

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LNSLNS Wenn es eines Beweises für die Existenz der guten alten Zeiten bedürfte, kämen einem offene Immobilienfonds in den Sinn. Früher konnten Anleger mit diesem konservativen Instrument gut schlafen und gleichwohl über Jahrzehnte einträgliche Renditen kassieren.

Das ist längst vorbei. Und wie. Heute sind etliche Anleger, die in offene Immobilienfonds investiert haben, von einer Art Dauerpanik befallen, schlicht aus dem Grund, weil sie aus den Papieren nicht mehr herauskommen. Tausende von Sparern wissen mittlerweile nicht, wann und wie sie wieder an Geld gelangen, und sind hochgradig nervös. Vor allem eben auch deswegen, weil natürlich nach wie vor offene Immobilienfonds von Bankern gerne als krisensicheres „Omapapier“ verkauft werden.

Und wir reden hier beileibe nicht über Einzelfälle oder Bagatellsummen. Mittlerweile sind mehr als neun Milliarden Euro blockiert, und es sind durchweg namhafte Adressen, die derzeit keine Anteile zurücknehmen, darunter sind AXA-Immoselect, DEGI Europa, DEGI International, Morgan Stanley P2 Value, TMW-Immobilien-Weltfonds und der Kanam-US-Grundinvest. Manche dieser Fonds sind schon seit Oktober 2008 geschlossen, teils machten sie nach einer zwischenzeitlichen Öffnung die Schotten wieder dicht.

Wie kam das alles? Ende 2008 hatten im Zuge der Finanzkrise vornehmlich Großinvestoren in Panik ihre Gelder aus den Immobilienfonds abgezogen und setzten die Fondsgesellschaften zwangsläufig unter Liquiditätsnöte.

Zur Frage, wie es denn nun mit den blockierten Geldern weitergehe, halten sich die Chefs ziemlich bedeckt. Als AXA den Immoselect im letzten November bereits zum zweiten Mal dichtmachte, kündigte das Management an, Strategie und Struktur ihres Fonds zu checken und über das Ergebnis „umgehend“ zu informieren. Das ist jetzt über ein Vierteljahr her und ein Armutszeugnis für die AXA-IM.

Das Problem liegt auf der Hand. Ist ein Fonds eingefroren, bleiben Käufer aus. Damit ist die Fondsgesellschaft nach wie vor knapp bei Kasse. Also bleibt nur der Ausweg, Immobilien zu verkaufen, um die Barschaft aufzubessern. Der Pferdefuß liegt darin, dass viele Immobilien mit zu hohen Bewertungen in der Bilanz stehen, also bei weitem nicht die Preise erzielen, die mit den Anteilspreisen korrespondieren. Mit anderen Worten, die derzeitigen Rücknahmepreise etlicher Fonds (auf der Basis der erzielbaren Immobilienwerte) sind zwischen zehn und 20 Prozent zu hoch.

Dass diese Vermutung nicht aus der Luft gegriffen ist, ergibt sich aus der Tatsache, dass die Fonds in den letzten Monaten bei weitem nicht die Objekte verkauft haben, die sie hätten losschlagen müssen, um ihre Geldprobleme in den Griff zu bekommen. Möglicherweise wären dann die Wertverluste einfach zu groß gewesen. Jetzt wird halt die Taktik des Mauerns und Abwartens gewählt, die Wirtschaft wird sich schon bald erholen und damit dann auch der Grundstücksmarkt. Wenn das mal gutgeht.
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