ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2010Kreditvergabe: Öffentliche Fördermittel nutzen

WIRTSCHAFT

Kreditvergabe: Öffentliche Fördermittel nutzen

Dtsch Arztebl 2010; 107(11): A-509 / B-445 / C-437

Flintrop, Jens

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LNSLNS Die Kassenärztliche Bundesvereinigung und die KfW-Bankengruppe haben eine Kampagne gestartet, mit der sie Ärzte auf zinsgünstige öffentliche Förderprogramme aufmerksam machen wollen.

Wegen der unsicheren Honorarentwicklung scheuen viele Ärzte seit Jahren das Risiko, in ihre Praxis zu investieren. So gaben in einer Befragung der Gesellschaft für Konsumforschung mehr als die Hälfte der Ärzte an, im ersten Halbjahr 2008 keine Investitionen in die Praxis getätigt zu haben. „Wir haben einen erheblichen Investitionsstau in unseren Praxen“, konstatiert Dr. med. Andreas Köhler, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). „Dabei erfordert gerade auch die fortlaufende Modernisierung unserer Qualitätssicherungsmaßnahmen, dass die Ärzte neue technische Geräte anschaffen.“ Aktuelles Beispiel sei die Qualitätssicherung für Ultraschalluntersuchungen. Damit werden die Ärzte verpflichtet, die Apparatevoraussetzungen an den Stand der Technik anzupassen. Köhler: „Ultraschallgeräte, die älter als zehn Jahre sind, dürfen in Kürze nicht mehr verwendet werden.“ Den Investitionsstau in den Arztpraxen schätzt die KBV auf 2,5 Milliarden Euro.

Um diesen abzubauen und die Modernisierung der Arztpraxen voranzutreiben, haben die KBV, die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) und die KfW-Bankengruppe die bundesweite Informationskampagne „Niederlassung, Nachfolge, Neuanschaffung – Moderne Investitionsförderung für Arztpraxen“ gestartet. Ziel ist es, den Ärzten und Psychotherapeuten betriebswirtschaftliches Wissen zu vermitteln und Finanzierungsmöglichkeiten und Finanzierungshilfen aufzuzeigen. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei den öffentlichen Förderprogrammen der staatlichen Förderbank KfW. „Wie jeder andere mittelständische Unternehmer benötigt auch der niedergelassene Arzt zum Erwerb einer Praxis oder zur Modernisierung frisches Kapital“, betont Köhler. Ärzte wüssten jedoch meist nur wenig über Investitionsprogramme oder darüber, welche Kreditkonditionen für sie günstig seien. Im Mittelpunkt der Kampagne stehen deshalb Informationsveranstaltungen in den KVen (die Termine können deren Internetauftritt entnommen werden).

Die KfW ist die Förderbank des Bundes und der Länder. Ihre Förderprogramme sehen in der Regel günstigere Kreditkonditionen vor, als sie die Banken und Sparkassen und auch die Apotheker- und Ärztebank den Ärzten offerieren (können). Jedoch sind die herkömmlichen Banken zwingend in die Beantragung dieser Kreditmittel einzubinden („Hausbankprinzip“), weil die KfW kein eigenes Filialnetz betreibt. Was die Information über die öffentlich geförderten Finanzierungsalternativen der KfW betrifft, bieten die Hausbanken jedoch ein uneinheitliches Bild. Letztlich hängt es vom Bankberater ab, ob und in welchem Umfang der Arzt über die KfW-Angebote in Kenntnis gesetzt wird. „Niederlassungs- und investitionswillige Ärzte sollten ihre Bank deshalb gezielt auf die öffentlichen Förderalternativen ansprechen“, empfiehlt der KBV-Vorstandschef.

Je nachdem, für welche wirtschaftliche Situation eine Arztpraxis einen Finanzierungsbedarf ausgemacht hat, hat die KfW-Bankengruppe unterschiedliche Angebote im Programm:

Finanzspritze. Für Ärzte, die ihre Praxis auf den aktuellen Stand der Technik bringen wollen und dafür in ein neues Röntgen- oder Ultraschallgerät, die Renovierung des Wartezimmers oder eine moderne EDV-Anlage investieren wollen, bietet sich der „KfW-Unternehmerkredit“ an. Bis zu einem Gesamtwert von zehn Millionen Euro verspricht die KfW einen günstigen Zinssatz, der sich allerdings nach der Bonität des Arztes richtet. Die Anlaufzeit ist tilgungsfrei, Sondertilgungen sind möglich.

Hilfe in unsicheren Zeiten. Ärzte, die bei ihrer Bank wegen der Finanzkrise auf eine gewisse Zurückhaltung bei der Bewilligung eines neues Kredits stoßen, können von den Möglichkeiten aus den Konjunkturprogrammen der Bundesregierung profitieren. Im Rahmen des „KfW-Sonderprogramms“ wird die Hausbank zu großen Teilen von der Haftung freigestellt, die KfW nimmt ihr also einen wesentlichen Teil des Kreditrisikos ab. Das Geld kann in Investitionen fließen, aber auch genutzt werden, um Betriebsmittel zu finanzieren – die Miete oder auch die Löhne der Arzthelferinnen.

Eigenkapital stärken. Auch Arztpraxen, die wegen einer dünnen Eigenkapitaldecke Probleme haben, Kredite für Investitionen bewilligt zu bekommen, bietet die KfW Hilfe. Mit dem Programm „Kapital für Arbeit und Investitionen“ kann der Arzt die Eigenkapitalausstattung seiner Praxis stärken und so seine Bonität verbessern. Dieses Programm besteht zur Hälfte aus einem klassischen Darlehen und zur anderen Hälfte aus einem eigenkapitalähnlichen Darlehen.
Jens Flintrop
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