ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2010Mitteilungen: Hintergründe und Inhalte der Richtlinien-Novelle substitutionsgestützte Behandlung Opiatabhängiger

BEKANNTGABEN DER HERAUSGEBER: Bundes­ärzte­kammer

Mitteilungen: Hintergründe und Inhalte der Richtlinien-Novelle substitutionsgestützte Behandlung Opiatabhängiger

Dtsch Arztebl 2010; 107(11): A-511 / B-447 / C-439

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LNSLNS Die Bundes­ärzte­kammer wurde mit der Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung (BtMVV) 2001 beauftragt, den allgemein anerkannten Stand der medizinischen Wissenschaft zur Substitution Opiatabhängiger in eigenen Richtlinien festzulegen. Diese sollten gemäß § 5 Abs. 11 BtMVV insbesondere folgende Aspekte konkretisieren:
medizinisch allgemein anerkannte Ausschlussgründe für eine Substitution (§ 5 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1),
erforderliche psychiatrische, psychotherapeutische oder psychosoziale Behandlungs- und Betreuungsmaßnahmen (§ 5 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2),
Durchführung von Beigebrauchskontrollen (§ 5 Abs. 2
Satz 1 Nr. 4c),
Festlegung der substitutionsfähigen Arzneien (§ 5 Abs. 4 Satz 4),
Bewertung des bisherigen Erfolges der Behandlung
(§ 5 Abs. 8 Satz 1),
Standards für die Dokumentation der durchgeführten Substitution (§ 5 Abs. 10).
Die Bundes­ärzte­kammer hat daraufhin am 22. März 2002 erstmalig „Richtlinien zur Durchführung der substitutionsgestützten Behandlung Opiatabhängiger“ vorgelegt, die für alle substituierenden Ärzte in Deutschland Gültigkeit besitzen. Die Ärztekammern haben darüber hinaus gemäß § 5 Abs. 2, 6. Mindestanforderungen an eine suchttherapeutische Qualifikation formuliert und entsprechende Weiterbildungsangebote aufgebaut.
Änderungen der juristischen Rahmenbedingungen, insbesondere die vom Bundestag am 15. Juli 2009 verabschiedete Möglichkeit einer Substitution schwerst Opiatabhängiger mit Diamorphin, sowie Veränderungen der therapeutischen und wissenschaftlichen Erkenntnislage insgesamt machten inzwischen eine Überarbeitung der Substitutions-Richtlinien der Bundes­ärzte­kammer erforderlich.
Die vorliegenden, am 19. Februar 2010 vom Vorstand der Bundes­ärzte­kammer verabschiedeten novellierten Richtlinien zielen darauf ab, dem substituierenden Arzt ein höheres Maß an individueller therapiebezogener Entscheidungsfreiheit innerhalb der vorgegebenen betäubungsmittelrechtlichen Bestimmungen zu ermöglichen. Inhaltlich wurden sie an den aktuellen Stand der medizinischen Wissenschaft angepasst.
Die einzelnen Änderungen beziehen sich insbesondere auf die Indikationsgebiete für eine substitutionsgestützte Behandlung und konkretisieren die Voraussetzungen für eine begleitende psychosoziale Betreuung sowie für eine Take-home-Verordnung. Darüber hinaus regeln sie die Frequenz erforderlicher Arzt-Patienten-Kontakte und begleitender Untersuchungen und formulieren Kriterien für die Beendigung und den Abbruch einer Behandlung. Sie geben dem substituierenden Arzt Hinweise zur internen Qualitätssicherung und regeln die externe Qualitätssicherung durch die Ärztekammern. Die zwischenzeitlich erfolgten rechtlichen Änderungen zur Vertretung im Urlaubs- oder Krankheitsfall, zur Wochenend- und Feiertagsverschreibung sowie zur Substitution mit Diamorphin wurden in die Richtlinien integriert.
Die Bundes­ärzte­kammer erhofft sich von der durchgeführten Novellierung, dass sie die Bereitschaft der Ärzteschaft zur Teilnahme an diesem schwierigen Versorgungssegment erhöht, die Überlebensmöglichkeiten und die Gesundheit betroffener Opiatabhängiger verbessert und gleichzeitig ein hohes Maß an Betäubungsmittelsicherheit gewährleistet.
Prof. Dr. med. Frieder Hessenauer
Vorsitzender des Ausschusses „Sucht und Drogen“ der Bundes­ärzte­kammer
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