ArchivDeutsches Ärzteblatt27/1997Epilepsiebehandlung mit Lamotrigin: Jetzt auch für die Monotherapie

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Epilepsiebehandlung mit Lamotrigin: Jetzt auch für die Monotherapie

Hoc, Siegfried

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LNSLNS Seit Mitte 1993 ist das Antikonvulsivum Lamotrigin (Lamictal®) zur adjuvanten Therapie von Epilepsie zugelassen. Die Substanz hemmt die präsynaptische Freisetzung von Glutamat. Dieser wichtige exzitatorisch wirkende Neurotransmitter wird im epileptischen Anfall im Überschuß ausgeschüttet. Bisher war Lamotrigin zugelassen als zusätzliche Medikation für die zwei Drittel der Fälle, in denen die Standardtherapie nur unzureichende Erfolge brachte.
Durch die zusätzliche Gabe von Lamotrigin zu der Medikation mit Carbamazepin, Phenytoin, Valproinsäure oder anderen Antikonvulsiva konnte die Kontrolle der Epilepsie bei einem großen Teil der Patienten deutlich verbessert werden. Die Verträglichkeit der Substanz erwies sich als sehr gut. In Einzelfällen konnte aufgrund der Lamictal®-Gaben auf einen geplanten chirurgischen Eingriff verzichtet werden.


Für Kinder ab zwölf Jahren
Infolge seines Wirkprofils hat sich Lamictal® einen erstrangigen Platz in der Epilepsie-Therapie erobert, wie Dr. Jürgen Bauer (Bonn) auf einer Veranstaltung der Firmen Glaxo Wellcome und Desitin in Berlin ausführte. Nicht nur fokale und sekundäre generalisierte Grand-mal-Anfälle werden günstig beeinflußt, sondern auch problematisch zu behandelnde Anfälle mit Sturz und non-konvulsive Status epileptici. Nun wurde die Zulassung von Lamotrigin zur Monotherapie für Erwachsene und Kinder ab zwölf Jahren erweitert. Damit eröffnen sich neue Perspektiven in der Erstbehandlung von fokalen und sekundär generalisierten epileptischen Anfällen. Da bei Kindern häufig mehrere Anfallsformen gleichzeitig auftreten, profitieren diese Patienten besonders von dem breiten Wirkungsspektrum des Glutamat-Hemmers. Alle klinischen Studien zeigten übereinstimmend, daß Lamotrigin über die antiepileptische Wirkung hinaus sowohl zu einer Verbesserung der kognitiven Leistungen und damit zur Lernfähigkeit führt als auch die motorischen Funktionen und das allgemeine Befinden verbessert. Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern wurden auf ein erträgliches Maß reduziert.


Breites Wirkspektrum
Prof. Hartmut Siemens (Berlin) berichtete über eine plazebokontrollierte Studie mit rund 170 Kindern, die das Lennox-Gastaut-Syndrom aufwiesen. Bei einem Drittel der Kinder mit dieser therapeutisch schwer zu beeinflussenden myoklonisch-astatischen Anfallsform konnte durch die zusätzliche Gabe von Lamotrigin eine mehr als 50prozentige Reduktion der Anfälle erreicht werden, wenn das Medikament drei Monate lang verabreicht wurde. Eine Toleranzentwicklung konnte in keiner Langzeitstudie registriert werden. Selbst nach mehreren Jahren der kontinuierlichen Anwendung von Lamotrigin bleibt die erzielte Anfallsreduktion erhalten.
Dr. Walter Christe (Berlin) verwies auf zwei doppelblind angelegte Parallelgruppenstudien, deren Ergebnisse die Wirksamkeit von Lamotrigin in der Monotherapie bestätigten. Bei über 440 zuvor unbehandelten Patienten mit fokalen oder generalisierten tonisch-klonischen Anfällen erwies sich die Substanz als mindestens ebenso wirksam wie Carbamazepin oder Phenytoin, muß aber deutlich weniger hoch dosiert werden: 100 bis 200 mg/Tag Lamotrigin sind in der Monotherapie meistens ausreichend.
Als Zusatztherapie gegeben, kommt man mit noch viel weniger Wirkstoff aus. Die Vorteile einer LamotriginMonotherapie liegen in dem breiten Wirkspektrum, der großen therapeutischen Breite, dem seltenen Auftreten von ZNS-Nebenwirkungen, der fehlenden Interaktion mit oralen Kontrazeptiva und der langen Eliminationshalbwertszeit, die eine tägliche Ein- oder Zweimalgabe erlaubt. Siegfried Hoc

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