ArchivDeutsches Ärzteblatt27/1997Kreiskrankenhaus Marienhöhe Würselen: Heilen mit Farbe

VARIA: Feuilleton

Kreiskrankenhaus Marienhöhe Würselen: Heilen mit Farbe

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LNSLNS Daß der Mensch auf Farben reagiert, ist keine neue Erkenntnis. Von alters her gilt in der Farbensymbolik, zum Beispiel in der Liturgie des westlichen Christentums, Weiß für die Herren-, Marien- und Heiligenfeste, Rot für das Pfingstfest und die Feste der Märtyrer und Apostel, Violett für die Advents- und Fastenzeit, Schwarz für den Karfreitag und Tage der Trauer, und Grün symbolisiert die Tage, denen keine festliche Bedeutung eigen ist.
Von viel jüngerem "Alter" ist der Sammelbegriff "Farbklima", der die psychologische Wirkung der farblichen Gestaltung eines Ortes auf die Stimmung und das Verhalten des Menschens umfaßt. Wenig verbreitet noch ist die "Farbtherapie", also das Bemühen, in Arbeits- und sonstigen Räumen, auch in Wohnungen, Kindergärten und Krankenhäusern, bestimmte Farben und Farbkombinationen therapeutisch einzusetzen, ausgehend von der Erkenntnis, daß "kalte" Farben wie Blau, Grün und Violett beruhigend auf den Menschen wirken, während ihn "warme" Farben wie Rot, Gelb und Orange anregen.
Der Schweizer Wissenschaftler Dr. Max Lüscher hat den nach ihm benannten "Lüscher-Test" in den ersten Nachkriegsjahren als 29jähriger entwickelt. Im Grunde geht es um die Erkenntnis, daß jede Farbe eine ganz konkrete Bedeutung für den Menschen hat und ganz bestimmte Wirkungen auf den Menschen ausübt. "Heilen mit Farbe", lehrte der Wissenschaftler. Gesellt sich zur Farbe die Form, so entsteht etwas, das den Menschen noch intensiver beeinflußt, positiv wie möglicherweise auch negativ. Von dem französischen Romantiker Eugène Delacroix wissen wir, daß ein bestimmter Effekt, der aus gewissen Gruppierungen von Farben und Formen entsteht, "die Musik eines Bildes" genannt werden könnte. Farbe und Form ergeben das Bild, das auf den Menschen, auf das menschliche Unterbewußte, wirkt.
Dieses theoretische Wissen in die Praxis umzusetzen ist Aufgabe eines nicht alltäglichen Projektes, zu dem sich das Kreiskrankenhaus "Marienhöhe" in Würselen entschlossen hat. Die Aufgabenstellung lautete: Patientenfreundliche Gestaltung von Eingangs-, Flur- und Wartebereichen der Ambulanzen eines Kreiskrankenhauses, schwerpunktmäßig durch das Mittel "Farbe". Und zur Zielsetzung bestimmte der Auftraggeber: Angestrebt wird zur künstlerischen Darstellung der Einbezug von Farbtherapie ebenso wie das Bemühen um Raumbezug/Raumwirkung und nicht zuletzt um inhaltlichen Bezug/ Logos/Symbole/Zeichen zur Verständigung.
Der Auftrag wurde der Diplom-Designerin Carmen Berck für das Kreiskrankenhaus "Marienhöhe" Würselen erteilt. Sie sollte Farbe, Form und Bildinhalte so miteinander verbinden, daß von den Bildern eine positive, eine mögliche heilende Wirkung ausgeht. Der Auftrag erstreckte sich auf die Empfangshalle des Kreiskrankenhauses sowie auf die Radiologie, (Unfall-)Chirurgie, Orthopädie, Innere Medizin und EKG. Die Ambulanzen dieser Abteilungen sind karreeförmig im Parterregeschoß um einen Innenhof gruppiert; in unmittelbarem Anschluß an den Eingangsbereich.
In einem ersten Schritt stehen bei der Ausgestaltung die eher öffentlichen Räume, die Ambulanzen, im Mittelpunkt. Patienten, die stationär behandelt werden, nutzen die Möglichkeit des Rundganges durch die kreisförmig angelegten Flure - besonders in den Abendstunden. Die Gestaltung der Räume und Flächen durch adäquate Bildformen soll diese Patienten positiv beeinflussen. Die Patienten, vor allem diejenigen, die das Bett noch nicht verlassen können, in der beschriebenen Form noch wirksamer erreichen zu können müßte das Ziel eines zweiten Schrittes sein. Dabei könnte die Aufgabenstellung lauten: sich um das seelische Befinden des Patienten in besonders eindringlicher, effektiver Weise zu kümmern.
Die bereits gemachten Erfahrungen lehren, daß mit den Mitteln von Farbe und Form mit kleinem Einsatz große Wirkung erzielt werden kann. Dabei ist hervorzuheben, daß alle Gestaltungsmaßnahmen erst nach gemeinsamer Abstimmung beziehungsweise Erarbeitung mit den Chefärzten und Mitarbeitern der jeweiligen Abteilungen umgesetzt wurden und werden. Während der Arbeiten am ersten "Schritt" des Projektes konnte beobachtet werden, daß die Reaktion der Betrachter überaus positiv war.
Informationen: Carmen Berck, Neustr. 87, 52134 Herzogenrath, Tel 0 24 06/50 98, Fax 0 24 06/75 49 EB
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