ArchivDeutsches Ärzteblatt27/1997Der Kino-Sommer: Saurier statt Schwimmbad

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Der Kino-Sommer: Saurier statt Schwimmbad

Oßwald, Dieter

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LNSLNS Das Filmgeschäft floriert famos. Da legt die Branche, im Unterschied zu früher, keine ferien- und freibadbedingte Sommerpause mehr ein, sondern setzt auf eine heiße Kinosaison - die teuren Multiplexe wollen ausgelastet sein. Wie im Vorjahr gibt es erneut die gemeinsame Werbeaktion "Sommerhit: Kino", die mit Preisrätseln, Hemdchen und Käppies für das Zelluloid trommelt. Entscheidender als solcher Schnickschnack ist freilich die Qualität der Ware - und die kommt verstärkt zugleich mit den US-Starts auf heimische Leinwände. Ob Action oder Kunst, das Sommerprogramm ist prall gefüllt wie lange nicht. Allen voran die Fortsetzungen lukrativer Kassenknüller: von "Speed 2" über "Free Willy 3" bis "Batman 4". Die Urviecher des Steven Spielberg trampeln gleichfalls weiter: mit "Lost World" setzt sich der profitable Reptilien-Reigen von "Jurassic Park" fort: Saurier statt Schwimmbad heißt es im August, in seiner Heimat jedenfalls haben die Dinos wieder Dollars in superlativer Höhe eingebracht. Nach zehnjähriger Pause gehen auch die "9 1/2 Wochen" in die Verlängerung, diesmal ohne Kim Basinger, aber noch immer mit Mickey Rourke. Auch der "Fisch namens Wanda" geht in die zweite Runde: Ulk-Brite John Cleese als schrulliger Zoobesitzer, der einen alten Tiergarten aufmöbeln muß - wobei er in komisch peinliche Situationen gerät.
Gefährlicher hingegen "Anaconda", ein klassisches Urwaldabenteuer mit tricktechnischer Riesenschlange. Ganz tief in die digitale Trickkiste greift "Vulcano", kaum hat Pierce Brosnan im Lavaspektakel "Dante’s Peak" seine Feuerprobe bestanden, wird nun ganz Los Angeles vom großen Ascheregen bedroht. Noch mehr Katastrophen: im "Feuersturm" wird das alte Waldbrandthema neu entfacht, derweil in "Flut" der große Regen für Untergangsstimmung und Abkühlung sorgt. Das heimische Fantasy-Gewerbe setzt lieber auf Vergangenheit: in Babelsberg entstand "Prinz Eisenherz", eine neue Verfilmung des klassischen Ritterstoffes. Fast klassisch schon der neue deutsche Gefängnisfilm. Nach "Bunte Hunde", "Männerpension" oder "14 Tage lebenslänglich" erzählt Katja von Garnier, vier Jahre nach ihrem Riesenhit "Abgeschminkt", in "Bandits" von vier singenden Knast-Frauen, die aus dem Gefängnis fliehen. Dieter Oßwald
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