ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2010Wehrbericht: Robbe wirft Sanitätsführung Versagen vor

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Wehrbericht: Robbe wirft Sanitätsführung Versagen vor

Dtsch Arztebl 2010; 107(12): A-522 / B-458 / C-450

Hibbeler, Birgit; ddp

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„Den Sanitätsdienst vor die Wand gefahren“: Der Wehrbeauftragte Robbe sparte nicht mit Kritik. Foto: action press
„Den Sanitätsdienst vor die Wand gefahren“: Der Wehrbeauftragte Robbe sparte nicht mit Kritik. Foto: action press
Der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages, Reinhold Robbe (SPD), hat Generaloberstabsarzt Dr. med. Kurt-Bernhard Nakath scharf kritisiert. Die Mängel in der medizinischen Versorgung der Soldaten seien auch auf „ein klares Versagen“ des Inspekteurs des Sanitätsdienstes zurückzuführen. „Es gibt nicht wenige Experten der Bundeswehr, die ganz offen davon sprechen, dass dieser Inspekteur die Sanität regelrecht vor die Wand gefahren habe“, bemängelte Robbe, der am 16. März seinen Jahresbericht vorlegte. Von Nakath gebe es zu den Vorwürfen derzeit keine Stellungnahme, teilte das Bundesverteidigungsministerium auf Anfrage mit.

Robbes Bericht zufolge gibt es bei der Bundeswehr erhebliche Missstände – insbesondere beim Sanitätsdienst. „Die Realität in den deutschen Streitkräften ist gekennzeichnet durch unübersichtliche Führungsverantwortung, zu viel überflüssige Bürokratie, Reibungsverluste, hervorgerufen durch die Trennung von Truppe und Truppenverwaltung, sowie veraltete Personal- und Materialplanung“, sagte Robbe zum Abschluss seiner fünfjährigen Amtszeit.

Beim zentralen Sanitätsdienst habe sich die Situation in den vergangenen Jahren „dramatisch verschlechtert“. Zunehmender Personalmangel und Arbeitsüberlastung kennzeichneten die Lage im Inland. Eine gute medizinische Versorgung der Soldaten könne hier nur noch mit Hilfe ziviler Ressourcen sichergestellt werden. Bei Auslandseinsätzen fehlten Rettungsmediziner, Chirurgen und Anästhesisten. Personalengpässe gebe es auch bei der Augenheilkunde und den Zahnärzten.

Nach Robbes Angaben fehlen der Bundeswehr derzeit 600 Ärzte – bei circa 3 000 Dienstposten insgesamt. „In der Truppe“, so lautet das vernichtende Urteil im Jahresbericht, „hört man oft die resignierende Feststellung: Die Zahl der Einsätze steigt, die der Bundeswehrärzte sinkt.“ Und mit sinkender Sanitätsversorgung sinke auch die Moral der Truppe, sagte Robbe. BH/ddp
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