ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2010Diabetes: Riskante Therapie kardialer Risikofaktoren

AKTUELL: Akut

Diabetes: Riskante Therapie kardialer Risikofaktoren

Dtsch Arztebl 2010; 107(12): A-524 / B-460 / C-452

Meyer, Rüdiger

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LNSLNS Vor zwei Jahren musste die ACCORD-Studie (Action to Control Cardiovascular Risk in Diabetes) abgebrochen werden, weil die intensive Blutzuckersenkung die Sterblichkeit von Typ-2-Diabetikern erhöhte. Die Ergebnisse (NEJM 2008; 358: 2545–59) beschäftigen seither die Diabetologen, deren zentraler Grundsatz, wonach eine optimale Blutzuckersenkung späteren kardiovaskulären Ereignissen vorbeugt, nachhaltig erschüttert wurde. Weitergeführt wurden zwei Projekte der ACCORD-Studie. Sie untersuchten jeweils an Patienten mit guter Blutzuckerkontrolle im überkreuzenden Design den Wert einer intensiven Blutdruckkontrolle (n = 4 733) und einer optimierten Lipidsenkung (n = 5 518).

Für die Hypertonie-Studie wurde ein Zielwert von 120 mmHg oder weniger angestrebt, was auch gelang. Der mittlere systolische Blutdruck im Interventionsarm betrug 119 mmHg. In der Kontrollgruppe, wo ein Zielwert von 140 mmHg ausgegeben wurde, lag der systolische Blutdruck bei 133,5 mmHg (NEJM 2010; doi: 10.1056/NEJMoa 1001282). Enttäuschend waren die Ergebnisse, weil der primäre Endpunkt, ein Composite aus Schlaganfall, Herzinfarkt oder Herzkreislauftod, durch die intensive Blutdrucksenkung nicht signifikant reduziert wurde (Jahresrate von 1,87 Prozent unter der intensiven Blutdrucksenkung gegenüber 2,09 Prozent unter der Standardtherapie).

Das ergibt eine Hazard Ratio von 0,88 (95-Prozent-Konfidenzintervall 0,73–1,06), also eine tendenzielle Reduktion um zwölf Prozent. Tatsache ist, dass die Sterblichkeit der Patienten unter der intensiven Blutdrucktherapie tendenziell höher war als in der Vergleichsgruppe (Jahresrate 1,28 versus 1,19 Prozent; Hazard Ratio 1,07; 0,85–1,35). Vor allem aber traten signifikant häufiger schwere Nebenwirkungen auf (3,3 versus 1,3 Prozent, p < 0,001).
Hinter den Erwartungen zurück blieb auch die Lipidstudie. Die Patienten waren auf eine Statinmonotherapie oder eine Kombination mit Fenofibrat randomisiert worden, welches ebenfalls eine Hypertriglyzeridämie beeinflusst. Auch die erhoffte positive Wirkung auf den HDL-Wert war erkennbar (NEJM 2010; doi:10.1056/ NEJMoa1001286). Doch auf die Endpunkte der Studie hat sich dies nicht ausgewirkt. Der primäre Endpunkt (der gleiche wie in der Blutdruck-Studie) wurde nur minimal gesenkt (2,2 versus 2,4 Prozent; Hazard Ratio 0,92; 0,79–1,08). Und auch in den sekundären Endpunkten gab es keine Unterschiede. Der primäre Endpunkt trat bei Frauen merkwürdigerweise häufiger auf. Rüdiger Meyer
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