ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2010Ambulante Versorgung: Gute Bilanz mit Rissen

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Ambulante Versorgung: Gute Bilanz mit Rissen

Dtsch Arztebl 2010; 107(12): A-532

Maus, Josef

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LNSLNS Die KV Baden-Württemberg will die Gemeinden stärker in das Werben um junge Ärzte einbinden.

Die ambulante Versorgung in Baden-Württemberg kann immer noch auf einen hohen Standard verweisen. Dies geht aus dem Versorgungsbericht 2009 der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Baden-Württemberg hervor, den das für die Sicherstellung zuständige Vorstandsmitglied, Dr. med. Gisela Dahl, in Stuttgart vorstellte. „Mit unserem flächendeckenden, dichten Netz an wohnortnah zugelassenen Haus- und Fachärzten gehören wir nach wie vor zur Spitze in Deutschland“, sagte die Allgemeinärztin. Aktuell gewährleisten 8 013 Haus- und Kinderärzte, 7 619 Fachärzte sowie 2 793 Psychologische Psychotherapeuten die ambulante Versorgung. Nahezu alle Planungsbezirke in Baden-Württemberg gelten nach den Kriterien der kassenärztlichen Bedarfsplanung als überversorgt.

Gleichwohl sieht Dahl Anzeichen dafür, „dass in Zukunft nicht mehr überall Nachbesetzungen gewährleistet werden können“. Auch das Musterländle kann den allgemeinen Trend offenbar nicht abwehren: „Schon heute ist vor allem im ländlichen Raum festzustellen, dass immer mehr Hausärzte, die ihre Praxis übergeben wollen, keinen Nachfolger mehr finden.“ Viele Ärzte arbeiten deshalb auch im Pensionsalter weiter oder schließen ihre Praxis ganz. „Diese Entwicklung macht uns große Sorgen“, bekannte Dahl.

Die KV sucht Schulterschluss
Baden-Württemberg geht es da nicht anders als den meisten Bundesländern. Der Ärztemangel stellt die KVen zusehends vor Sicherstellungsprobleme. Honorarmisere, Regressrisiken bei der Verordnung von Arzneimitteln sowie ausufernde Bürokratie lauten hier wie da die Schlagworte. Der Beruf insgesamt hat an Attraktivität verloren, die Niederlassung in ländlichen Regionen erst recht. Weil auch in Baden-Württemberg die Altersstruktur der niedergelassenen Ärzte ungünstig ist und weniger junge Ärzte die Gründung oder Übernahme einer Praxis anstreben, muss die KV handeln. „Die Sicherstellung gehört zu den Kernaufgaben der Kassenärztlichen Vereinigung“, betonte Dahl. Angesichts der allgemeinen Entwicklung stellt der KV-Vorstand jedoch fest, „dass die ärztliche Versorgung gerade auch im ländlichen Raum als gesellschaftliche Aufgabe verstanden werden muss“.

„Ansiedlungsziel“ junge Ärzte
Konkret bedeutet das für die KV Baden-Württemberg, dass man ein Frühwarnsystem für bald frei werdende Arztsitze aufbauen möchte, an dem auch die Gemeinden beteiligt werden sollen. „Gemeinsam wollen wir überlegen, wie wir den jeweiligen Arztsitz nachbesetzen können“, erläuterte Dahl, die dabei auch an kommunale Hilfen denkt. So wie sich die Gemeinden seit Jahren um die Ansiedlung von Gewerbebetrieben kümmerten, so sollten sie sich auch um die Niederlassung von jungen Ärzten bemühen. Die KV selbst werde ihren Teil dazu beitragen, dass sich die Rahmenbedingungen für Ärzte verbesserten. Ein Beispiel ist die Einrichtung von Notfallpraxen in der Nähe von Krankenhäusern, um die niederlassungswilligen Ärzte zumindest an den Wochenenden etwas entlasten zu können. Erste Erfahrungen damit gibt es bereits – und sie seien positiv, berichtete Dahl.

Weitere Überlegungen gelten der Ausbildung des ärztlichen Nachwuchses. Bereits im Medizinstudium müsse die mögliche Tätigkeit als niedergelassener Arzt stärker in den Fokus rücken. Besonders der Stellenwert der Allgemeinmedizin müsse erhöht werden.
Josef Maus
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