ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2010Gendiagnostik: Ausdruck von Inkompetenz
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Es mag Gründe geben, die dieses Gesetz notwendig erscheinen ließen. Für mich als Frauenarzt sind diese Gründe nicht erkennbar.

Erkennbar ist allerdings, dass mit diesem Gesetz eine neuerliche Bürokratiebombe gezündet wurde, die unsere Arbeit massiv erschwert, die Patientinnen aber mindestens verunsichert, wenn nicht zu -Depressionen veranlasst.

Darüber hinaus ist das Gesetz ein Ausdruck von Inkompetenz und Inkonsequenz. Es wird dem Pränataldiagnostiker, der Ungeborene per Ultraschall auf mögliche Fehler untersucht, unterstellt, er mache eine „genetische Untersuchung“. – Das ist definitiv falsch.

Es wird völlig sinnlos ein sogenannter Basisultraschall so dargestellt und bewertet, als müsse man bei Durchführung desselben darauf verzichten, irgendwelche Auffälligkeiten des Feten, wie zum Beispiel eine auffällige Nackentransparenz, zu entdecken, da man sonst den völlig überzogenen, ja monströsen Aufklärungspflichten vor einer „genetischen Untersuchung“ – laut Gesetz – unterworfen ist.

Hat man diese Zeit und Nerven raubende Aufklärung tatsächlich geleistet, dokumentiert und sich die Einwilligung der Schwangeren endlich unterschreiben lassen, dann kann laut Gesetz die Patientin „diese Einwilligung jederzeit ohne Angabe von Gründen widerrufen“!

Ich stelle mir im Vergleich vor, ich führe mit meinem Auto zu einer Werkstatt, bäte den Techniker dort, mir ad hoc sämtliche per Inspektion möglicherweise erkennbaren Fehler, deren Konsequenzen ohne und mit Reparatur zu schildern, bevor er sich daran macht, tatsächlich die Inspektion durchzuführen . . . Wenn der Techniker mit seiner Untersuchung des Fahrzeugs fertig ist, widerrufe ich meine Einwilligung zu dieser Inspektion – und fahre von dannen.

Das kann doch nicht wahr sein! Besonders erschreckend an diesem Gesetz ist, wie glatt es durchgekommen ist . . .
Horst F. R. Weber, 49074 Osnabrück
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