ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2010Gesundheitswesen: Verständnis von Gesundheit und Krankheit

KULTUR

Gesundheitswesen: Verständnis von Gesundheit und Krankheit

Dtsch Arztebl 2010; 107(12): A-559 / B-487 / C-479

Kuhn, Joseph

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Gute Bücher verdienen eine zweite Auflage. Wenn sie dabei auch noch erweitert werden, umso besser. Das Buch „Modelle von Gesundheit und Krankheit“ ist so ein Fall. Das Buch scheint Eulen nach Athen zu tragen, indem es ausführlich darlegt, was Gesundheit und Krankheit sind. Weiß das nicht jeder selbst? Wer anfängt, darüber nachzudenken, merkt schnell, dass das nicht stimmt. Meist wird das eine mit dem Verweis auf das andere definiert: Krankheit gilt als „regelwidriger Zustand“, also als Abweichung von der Gesundheit, und Gesundheit sei mehr „als die Abwesenheit von Krankheit“, wie die Welt­gesund­heits­organi­sation einmal formuliert hat. Da geht der Verstand offensichtlich im Kreis herum. Und so manches wurde früher als ernste Krankheit behandelt, von dem man heute nicht einmal mehr den Namen kennt – ebenso wie immer neue Krankheiten erfunden werden. Gestern war die Glatze noch eine Alterserscheinung, heute wird sie medizinisch behandelt. Disease mongering heißt so etwas. Gesundheit und Krankheit mögen gottgegeben sein, das Verständnis dessen, worum es dabei geht, ist es sicher nicht.

Vielleicht ist das der Punkt, an dem man nach Büchern wie dem von Alexa Franke greifen sollte. Die Autorin, Professorin für Rehabilitationspsychologie an der Universität Dortmund, diskutiert in dem didaktisch ausgezeichneten Buch, was Gesundheit ist, was Krankheit ist, was den Begriff der Behinderung kennzeichnet oder was die Besonderheit psychischer Störungen ausmacht. Sie behandelt Krankheitsmodelle vom biomedizinischen Modell über das Risikofaktorenkonzept bis hin zu Konflikttheorien, und sie stellt in gleicher Weise verschiedene Gesundheitsmodelle vor, das Salutogenesemodell ebenso wie das Resilienzmodell. Man erfährt, was solche Modelle mit Verursachungstheorien zu tun haben und wie wir in unserem Alltag uns unsere eigenen Modelle von Gesundheit und Krankheit machen. Gegenüber der ersten Auflage ist ein Kapitel über Gesundheits- und Krankheitsverhalten dazugekommen sowie neue Abschnitte über die Sozialepidemiologie und die Medizingeschichte.

Wie schon in der ersten Auflage, ist auch in der erweiterten Neuauflage jedes Kapitel als Lerneinheit aufgebaut, mit prägnanten Einführungstexten und mit Lehrfragen. Dies macht das Buch zu einem hervorragenden Unterrichtsmaterial für alle gesundheitswissenschaftlichen Fächer, es ist aber genauso anregend für die therapeutische Praxis. Uneingeschränkt zu empfehlen, eine lohnende Lektüre. Joseph Kuhn

Alexa Franke: Modelle von Gesundheit und Krankheit. Lehrbuch Gesundheitswissenschaften. 2. Auflage. Huber, Bern 2010, 272 Seiten, kartoniert, 29,95 Euro
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