ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2010Filmkalender: Im Kino andere Welten entdecken

KULTUR

Filmkalender: Im Kino andere Welten entdecken

Dtsch Arztebl 2010; 107(12): A-560 / B-488 / C-480

Schuchart, Sabine

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LNSLNS Wunderschöne Bilder und herausragende Schauspielerleistungen – das Deutsche Ärzteblatt stellt alle vier Wochen eine Auswahl sehenswerter Neustarts vor.

Drama
Ab 25. März:
Foto: Prokino
Foto: Prokino
Precious – Das Leben ist kostbar
Die überragenden Darsteller dieses US-Publikumserfolgs wurden mit vielen Preisen ausgezeichnet: Ein Oscar 2010 für die eher zufällige Entdeckung Gabourey Sidibe, die in dem Sozialdrama ungemein glaubwürdig die 17-jährige Protagonistin Clareece Precious Jones (Bild) aus einem Slum in Harlem verkörpert. Ein weiterer Oscar sowie ein Golden Globe für Schauspielerin Mo’Nique als deren vom Leben enttäuschte Mutter: Ihre übergewichtige Tochter misshandelt sie psychisch und physisch und sieht zu, wie diese vom Vater vergewaltigt wird. Erst als eine Lehrerin das kreative Potenzial der 16-Jährigen entdeckt, die sich in Tagträume flüchtet und weder lesen noch schreiben kann, zeichnet sich ein Hoffnungsstreif ab. In den Nebenrollen überzeugen die Musiker Lenny Kravitz als Krankenpfleger und Mariah Carey als Sozialarbeiterin.
USA 2010, 110 Min.

Ab 1. April:
Lourdes
Die Österreicherin Jessica Hausner hat sich mit einem dokumentarisch anmutenden Spielfilm über den Ort spiritueller Heilungen auf schwieriges Terrain gewagt. Sie meistert dies, weil sie nicht urteilt, sondern beobachtet: In nüchternen Bildern fängt sie den Trubel an dieser durch und durch kommerzialisierten Wallfahrtsstätte ein. Mit klarem Blick schildert sie die Pilger und ihre Begleiter, die Priester und Schwestern mit ihren Emotionen. Im Zentrum steht Christine (Sylvie Testud), eine junge Frau im Rollstuhl, die an multipler Sklerose leidet und sich nach Freiheit sehnt. Nach Lourdes fährt sie ohne jede Erwartung – und erlebt, obwohl nicht fromm, ein Wunder.
Deutschland u. a. 2009, 99 Min.

Ab 8. April:
A Single Man
Los Angeles, 1962: George Falconer (Colin Firth) ist ein in die Jahre gekommener britischer Professor, der an der Universität Literatur unterrichtet: Seine Schüler wissen nicht, dass ihr Lehrer ein Homosexueller ist, der gezielt auf Distanz geht. Als George vom Unfalltod seines Geliebten Jim erfährt, ist er völlig verloren: Er versinkt in Trauer und denkt an Suizid. Mit seiner Freundin (Julianne Moore) – die ebenfalls Sinnfragen bewegen – lässt er sich durch die Nacht treiben, bis er betrunken auf einen seiner Schüler trifft.
Die erste Regiearbeit des Modeschöpfers Tom Ford basiert auf einem Buch von Christopher Isherwood: In wunderschönen Bildern porträtiert er einen Menschen, der seine Verzweiflung und Einsamkeit hinter der intellektuellen Fassade versteckt.
USA 2009, 99 Min.

Ab 15. April:
Coco Chanel & Igor Stravinsky
Ein halbes Jahr, nachdem Audrey Tautou die junge Modeschöpferin voller Charme, aber auch etwas brav verkörperte, verleiht ihr Anna Mouglalis nun ganz andere Charakterzüge: Unnahbar, kühl und streng, verdreht sie dem introvertierten Komponisten Igor Stravinsky (Mads Mikkelsen) den Kopf, der damit seine Ehe mit Catherine (Yelena Morozova) ruiniert. Die perfekte Besetzung der Hauptrollen sorgt dafür, dass die Amour fou zwischen den beiden kreativen Genies über zwei Stunden spannungsvoll und berührend bleibt. Außerdem ist der Film ein ästhetischer Genuss mit Bildern von Chanels Villa, ihrem Geschäft und vielen Originalkostümen.
Frankreich 2009,120 Min. (FSK: 6)

Dokumentation
Ab 25. März:
Im Haus meines Vaters
Im größten Heiligtum der Christenheit, der Grabeskirche in Jerusalem, leben sechs christliche Konfessionen Tür an Tür: griechisch-orthodoxe Christen, römisch-lateinische Franziskaner, syrische und armenische Christen, äthiopische Abessinier und ägyptische Kopten. Eine muslimische Familie verwahrt den Schlüssel. In seinem prämierten Film erkundet Hajo Schomerus (*1970) die Geschichte der Kirche und das Leben der Bewohner.
Deutschland/Schweiz 2010, 89 Min.
Sabine Schuchart


DVD-Tipp
Oscar 2010: Bester Dokumentarfilm
Das Küstenstädtchen Taiji, 700 Kilometer südlich von Tokio, ist ein Ort des Grauens: Delfinjäger kesseln in der abgelegenen Bucht pro Jahr 23 000 Delfine ein, um sie weltweit an Delfinarien oder an japanische Feinschmecker zu verkaufen. Ric O’Barry ist einer der wenigen, der davon weiß.
In spektakulären Undercoveraktionen – im Kampf gegen Polizei, lokale Behörden und die Fischer von Taiji – gelang es dem Delfinexperten mit einem Spezialistenteam, das brutale Gemetzel in der Bucht zu filmen und auf das Milliardengeschäft mit den Meeressäugern aufmerksam zu machen. Der Ökothriller wurde gerade mit dem Oscar als beste Dokumentation ausgezeichnet. Am 4. März erschien die DVD, ab 22. Oktober kommen die aufwühlenden Bilder ins deutsche Kino.

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„Die Bucht – The Cove“, circa 88 Min., FSK: 6, USA 2009, 14,95 Euro; Bezug über Internet, Buch- oder Fachhandel

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