ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2010Rotavirusimpfung: Weniger Hospitalisierungen

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Rotavirusimpfung: Weniger Hospitalisierungen

Dtsch Arztebl 2010; 107(12): A-562

Leinmüller, Renate

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LNSLNS Durch die Aufnahme der Schluckimpfung in ein landesweites Impfprogramm kann die Zahl rotavirusbedingter Gastroenteritiden erheblich gesenkt werden. Dies belegen Analysen aus Österreich und Australien.

Seit Juli 2007 ist die Rotavirusimpfung in Österreich Teil des Kinderimpfprogramms. Innerhalb der ersten 18 Monate sank die Hospitalisierungsrate in der Zielpopulation um 74 Prozent, wie eine Kooperationsstudie von Pädiatern an elf Kliniken ausweist (Paediatric Infectious Disease Journal online 2010, doi: 10.1097/IFN. 0b013e3181c18434). Nunmehr wurde in Österreich – als erstes europäisches Land – eine generelle Impfempfehlung von Säuglingen zur Prophylaxe der Rotavirus-Gastroenteritis ausgesprochen.

Positive Empfehlung der Welt­gesund­heits­organi­sation
Kinder mit dieser Form der Gastroenteritis werden fünfmal häufiger hospitalisiert, jedes 50. Kind wird mit dieser Diagnose eingewiesen. Jährlich seien nach aktuellen Schätzungen 22 000 stationäre Behandlungen bei Kindern unter vier Jahren notwendig, erklärte Markus Rose vom Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin der Universität Frankfurt/M. Mit einem nationalen Impfprogramm könnten diese Zahlen massiv gesenkt werden, wie er anhand der österreichischen Zahlen aufzeigte:

Bei Kindern unter 90 Tagen reduzierte sich die Hospitalisierungsrate um 42 Prozent, in der Altersgruppe von 90 Tagen bis zwei Jahren um 74 Prozent. In Zahlen ausgedrückt: Anstelle von 2 066 mussten nur noch 631 je 100 000 unter Einjährigen stationär aufgenommen werden, bei den Ein- bis Zweijährigen sank die Rate von 1 822 auf 1 456 je 100 000.

Ähnliche Erfolge sind nach Angaben des Referenten im Staat Queensland in Australien dokumentiert: Durch die öffentliche Impfkampagne wurde bei Kindern unter zwei Jahren eine 80-prozentige Durchimpfung erreicht, die Hospitalisierungsfälle nahmen innerhalb von zwei Jahren um 57 Prozent ab.

In den USA, wo die Pädiater seit 2006 eine Impfempfehlung geben, wurde Rose zufolge ein Rückgang der Krankenhausaufnahmen um 85 Prozent und eine um 87 Prozent verminderte Zahl von Fehltagen der Eltern verzeichnet.

Die Welt­gesund­heits­organi­sation hat eine generelle Empfehlung für die Aufnahme der Rotavirus-Impfung in die Kinderimpfprogramme ausgesprochen. In Europa ist dies in Finnland, Belgien, Österreich und Luxemburg umgesetzt, in Deutschland nur in Sachsen, Brandenburg und Thüringen. Von der Ständigen Impfkommission gibt es bisher keine allgemeine Impfempfehlung – obwohl sich die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin seit 2006 dafür ausspricht.

Wie Rose weiter erklärte, ist die Schluckimpfung mit dem gentechnisch reassortierten pentavalenten Impfstoff (RotaTec®) gut in die Kinderimpfprogramme zu integrieren. In drei Dosen verabreicht, bewirkt er einen breiten Impfschutz bis zum vierten Lebensjahr. Die Schluckimpfung ist nach seinen Worten weltweit in 25 Millionen Dosen angewandt worden, ohne Hinweise auf eine erhöhte Zahl von Invaginationen binnen 21 Tagen nach Verabreichung. Auch Frühgeborene sind nach einer Studie mit circa 2 000 Säuglingen mit guter Wirksamkeit zu impfen.

Nach drei Fallberichten kann die Lebendimpfung bei Kindern mit schwerer angeborener kombinierter Immunschwäche (SCID, Inzidenz 1 : 100 000) eine schwere Diarrhö auslösen. Diese Komplikation ist kaum vermeidbar, da diese Anlage nicht in den ersten Lebensmonaten – und damit zum Zeitpunkt der Impfung – zu erkennen ist. Angesichts der niedrigen Inzidenz und des massiv erhöhten Risikos bei einer Infektion mit dem Wildtyp der Rotaviren ist dies für Rose jedoch kein Argument gegen eine Impfung.

Angesichts der guten Verträglichkeit, der langfristigen Wirkung und dem schnellen Erfolg einer flächendeckenden Impfung sprach sich der Referent dafür aus, die Rotavirusimpfung auch in Deutschland breit zu implementieren.
Dr. rer. nat. Renate Leinmüller
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