ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2010Börsebius: Muttis Euro

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Börsebius: Muttis Euro

Dtsch Arztebl 2010; 107(12): A-564 / B-492 / C-484

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LNSLNS Wenn die Kabinettskollegen unsere Bundesangela als Mutti titulieren und die Kanzlerin sich wohl auch darin gefällt, als Mutter der Nation auf den Bühnen Europas omnipräsent als Quasifürallebürgererziehungsberechtigte zu agieren und auch für die Sorgen und Nöte anderer Schmuddelkinder (Griechenland) fürsorglich parat zu stehen, ist das ja ganz putzig.

Nicht mehr so lustig sieht es dann schon aus, wenn Angela Merkel doziert, das Vertrauen in den Euro könne nur dann wiedergewonnen werden, wenn „Griechenland seine Hausaufgaben macht“. Das sagte sie als Kommentar zum Generalstreik der Griechen und ist einfach inhaltlich grottenfalsch, also nicht die Notwendigkeit der Hausaufgaben, daran besteht ja gar kein Zweifel, sondern an der Verknüpfung der Merkel’schen Mahnung stimmt so einiges nicht.

Das Vertrauen in den Euro kann nämlich gar nicht wiedergewonnen werden, es war (bis jetzt) in der Tat gar nicht abhanden gekommen. Bei einem Kurs von rund 1,35 Dollar für den Euro ist diese Behauptung ziemlich absurd und wird auch durch ständige Repetitionen nicht richtiger. Korrekter wäre die Aussage, dass der Euro auf dem gegenwärtigen Niveau eher noch überbewertet ist.

Wenn Vertrauen wirklich verloren geht, dann doch nur in den Gestaltungswillen der Politiker, sowohl durch Strukturmaßnahmen eine Wiederholung der Finanzkrise zu verhindern als auch die überbordende Verschuldung abzubauen. Genau hier liegt viel Dreck und Kehricht in den Ecken unserer eigenen republikanischen Haustür, doch niemand mag hier gründlich fegen. Wir haben eben den zweitgrößten Schuldenzuwachs in der Geschichte der Bundesrepublik zu verzeichnen, sind bis über alle Ohren im Soll (1 690 Milliarden Euro), und erst ab 2011 soll die Schuldenbremse wirken. Was für ein Saustall.

Der Gipfel der Fehlsteuerung ist aber der geplante Europäische Währungsfonds (EWF). Hier handelt es sich wirklich um einen Frontalangriff auf den Euro. Aus der Stabilitätsgemeinschaft der Euroländer würde ganz schnell ein Schuldenclub. Wenn der heute zu Recht geltende Haftungsausschluss in der Währungsunion wegfiele, würden auf einen Schlag höhere Zinsen für alle Staatsanleihen zu bezahlen sein, also auch und erst recht für die deutschen. Der EWF ist sowieso ein ziemlich dreister Angriff auf die Unabhängigkeit der Europäischen Zentralbank.

Es darf einfach nicht sein, dass sich jeder ungeniert bedient. Lauter Böcke als Gärtner. Das muss verhindert werden. Mit aller Macht. Mutti, hilf.


Börsebius-Telefonberatung „rund ums Geld“
Wie an jedem 1. Samstag des Monats, können Sie auch am 3. April 2010 (Ostersamstag) in der Zeit von 9 bis 13 Uhr Börsebius (Diplom-Ökonom Reinhold Rombach) anrufen (0221 985480-17). Die kostenlose -Telefonberatung ist ein spezieller Service des Deutschen Ärzteblattes für seine Leser.
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