ArchivDeutsches Ärzteblatt28-29/1997Sexualstraftäter: Juristisches Problem

SPEKTRUM: Leserbriefe

Sexualstraftäter: Juristisches Problem

Luthe, R.; Mielke, U.; Pülschen, Dietrich

Zu dem Leserbrief "Strafverfolgung von Gutachtern gefordert" von Dr. med. Hartmut Heinlein in Heft 24/1997
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LNSLNS Dr. med. Heinlein fordert die Strafverfolgung von Gutachtern, die - wie im Fall Natalie Astners geschehen sein soll - keine Indikation zur Anwendung des Paragraphen 63 nach StGB stellen und sich zusätzlich noch öffentlich dazu bekennen. Paragraph 63 StGB setzt voraus, daß nach den §§20, 21 StGB exkulpiert oder dekulpiert wird, das heißt entweder hat die Einsichts- oder die Steuerungsfähigkeit zur Tatzeit gefehlt beziehungsweise war erheblich beeinträchtigt. Dies ist im Zweifelsfall zu prüfen (vgl. Luthe, R.: Die zweifelhafte Schuldfähigkeit, 1996) - nur beim Ausschluß oder bei erheblicher Beeinträchtigung als Dauerzustand krankhafter Art kann untergebracht werden. Für die fähigkeitsdefinierte Abgrenzung ist Krankheit als Strukturschaden in der Täterpersönlichkeit eine unabdingbare Voraussetzung.
Das von Dr. med. Heinlein angesprochene und überaus ernst zu nehmende Problem, daß Sexualstraftäter oft allzu große Gelegenheit zur Rückfälligkeit bekommen, beruht darauf, daß aus der "angepaßten Führung" im Vollzug auf eine gute Prognose geschlossen wird; es ist aber zu bedenken, daß sich gerade diese Tätergruppe zumeist schon daher zwangsläufig "gut führt", weil sie am unteren Ende der für sie repressiven anstaltsinternen Häftlingshierarchie liegt. Gerade diese "gute Führung" zeigt, daß die Probanden über die dafür erforderlichen Fähigkeiten im allgemeinen verfügen, da sonst diese Anpassungsleistung nicht möglich wäre.
Das verbleibende juristische Problem läßt indessen an Handlungsbedarf nichts zu wünschen übrig.
Prof. Dr. med. Dr. jur. h. c. R. Luthe, Dr. med. U. Mielke, Dipl.-Psych. Dietrich Pülschen, Institut für Gerichtliche Psychologie und Psychiatrie der Universität des Saarlandes, 66421 Homburg/
Saar
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