ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2010Klare wissenschaftliche Analyse
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS In dieser klaren wissenschaftlichen Analyse (1) wird belegt, dass Antioxidanzien die angestrebte Wirksamkeit nicht haben. Wegen möglicher negativer Effekte sollte vor einer regelmäßigen Einnahme von antioxidativen Nahrungsergänzungsmitteln die aktuelle Studienlage beachtet werden. Als Beispiel für schädigende Effekte dient die Multivitamin-Studie der American Association of Retired People bei Prostatakarzinom (PK): Von 295 344 Männern, die im Mittel 5 Jahre regelmäßig untersucht wurden, entwickelten 10 241 ein Pk; 1 476 in fortgeschrittenen Stadium. Wurden > 7 Multivitamintabletten pro Woche eingenommen, dann stieg das relative Risiko (RR) des fortgeschrittenen PK um 32 %; eine Beziehung zum lokalen PK zeigte sich aber nicht. Die Einnahme von > 7 Multivitamintabletten pro Woche steigerte die Inzidenz des PK im Vergleich zum Verzicht auf Multivitaminpräparate von 113,4 auf 143,8 pro 100 000 Personen-Jahre.

Wurde täglich 200 µg Selen zusätzlich zu > 7 Multivitamintabletten pro Woche eingenommen, dann stieg das RR des PK linear: 1,01 bei ein- bis sechstägiger, 1,23 bei siebentägiger und 1,39 bei > siebentägiger Einnahme (2). Möglicherweise haben „reactive oxygen species“ (ROS) die Aufgabe, vorgeschädigte – auch präkanzeröse – Zellen zu reduzieren. Auch eine PK-Prävention ist weder mit Selen (200 µg/d) allein, noch in Kombination mit Vitamin E (400 IU/d) möglich. Dies wurde in der prospektiven, randomisierten SELECT-Studie an 35 533 Männern nachgewiesen (3).

Bemerkenswert ist die gesundheitliche Wirkung von Rotwein – jenseits des „französischen Paradoxons“. Eine seiner bioaktiven Substanzen ist das Stilben Resveratrol (Rotwein enthält eine etwa 30-mal höhere Konzentration als Erdnüsse), das die Stickoxid-Produktion stimuliert, die NADPH-Oxidase und den wichtigen Transskriptionsfaktor NF-kappa B hemmt. Es resultiert eine Herunterregulation des prostataspezifischen Antigens (PSA) (4). Entsprechend konnte in einer Fall-Kontroll-Studie gezeigt werden, dass Rotwein selbst zur Primärprävention geeignet ist.
DOI: 10.3238/arztebl.2010.0225a

Prof. Dr. Jens E. Altwein
Urologische Abteilung
Chirurgische Klinik München – Bogenhausen
Denninger Straße 44
81679 München
E-Mail: Altwein.Muenchen@t-online.de

Interessenkonflikt
Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.
1.
Wingler K, Schmidt H: Good stress, bad stress—the delicate balance in the vasculature [Guter Stress, schlechter Stress: Die feine Balance in Blutgefäßen]. Dtsch Arztebl Int 2009; 106(42): 677–84. VOLLTEXT
2.
Lawson KA, Wright ME, Subar A, et al.: Multivitamin use and risk of prostate cancer in the NIH-AARP Diet and Health Study. J Natl Cancer Inst 2007; 16: 754–64. MEDLINE
3.
Lippman SA, Klein EA, Goodman PJ, et al.: Effect of selenium and vitamin E on risk of prostate cancer and other cancers: The Selenium and Vitamin E Cancer Prevention Trial (SELECT). JAMA 2009; 301: 39–51. MEDLINE
4.
Aggarwal BB, Bhardiway A, Aggarwal RS, et al.: Role of resveratrol in prevention and therapy of cancer: preclinical and clinical studies. Anticancer Res 2004; 24: 2783–840. MEDLINE
1. Wingler K, Schmidt H: Good stress, bad stress—the delicate balance in the vasculature [Guter Stress, schlechter Stress: Die feine Balance in Blutgefäßen]. Dtsch Arztebl Int 2009; 106(42): 677–84. VOLLTEXT
2. Lawson KA, Wright ME, Subar A, et al.: Multivitamin use and risk of prostate cancer in the NIH-AARP Diet and Health Study. J Natl Cancer Inst 2007; 16: 754–64. MEDLINE
3. Lippman SA, Klein EA, Goodman PJ, et al.: Effect of selenium and vitamin E on risk of prostate cancer and other cancers: The Selenium and Vitamin E Cancer Prevention Trial (SELECT). JAMA 2009; 301: 39–51. MEDLINE
4. Aggarwal BB, Bhardiway A, Aggarwal RS, et al.: Role of resveratrol in prevention and therapy of cancer: preclinical and clinical studies. Anticancer Res 2004; 24: 2783–840. MEDLINE

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Anzeige