Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Die drei Zuschriften spiegeln wider, wie schwierig es selbst in Kollegenkreisen ist, dieses Thema Evidenz-basiert zu diskutieren. Der Glaube an Antioxidanzien ist tief verwurzelt. Es klingt ja auch so plausibel: Radikale und oxidativer Stress – das muss doch schädlich sein; Antioxidanzien – das muss doch gesund sein. Fundierte wissenschaftliche Studien zeigen jedoch, dass supplementierte Antioxidanzien für die Gesamtbevölkerung wirkungslos, in einigen Fällen (Vitamin E, oder β-Carotin bei Rauchern) sogar schädlich sind. Wie Kollege Altwein richtig schreibt, gilt dieses Risiko auch für Multivitamin-Präparate im Zusammenhang mit Prostatakarzinomen. Einige redoxaktive Substanzen, wie sie zum Beispiel in dem von Kollege Altwein und uns erwähnten Rotwein vorkommen (Resveratrol), könnten durchaus gesundheitsfördernd sein, jedoch nicht über antioxidative Wirkungen, sondern zum Beispiel über die Beeinflussung von Genexpressionen.

Die Kritik an den Metaanalysen zu Vitamin E war uns bekannt. Daher zitierten wir mit Dotan et al. (2009; Referenz 8 in unserem Artikel [1]) auch eine neuere Analyse, die mit einem anderen statistischen Modell operiert und zum gleichen Ergebnis kommt, nämlich dass eine generelle Supplementierung mit Vitamin E eher schadet als nützt.

Es gibt keine kommerziellen diagnostischen Assays, die reproduzierbar und mit akzeptabler Variabilität „oxidativen Stress“ messen können. Auch korrelieren die Messergebnisse dieser Assays (zum Beispiel Plasma-Lipidperoxide und Malondialdehyd) oft nicht miteinander (2). Oxidativer Stress ist kein einheitliches, den ganzen Körper betreffendes Phänomen. Es erscheint nahezu naiv anzunehmen, man könne durch die Einnahme von Antioxidanzien im gesamten Körper Radikale entgiften und quasi das Redoxpotenzial aller Körperzellen absenken. Unabhängig davon vermitteln Radikale und andere reaktive Sauerstoffverbindungen essenzielle Körperfunktionen.

Dem Begriff „alpha-Tocopherol-Monomanie“ stimmen wir zu, auch der Aussage, dass die Natur das optimal organisiert hat. Wir vertreten daher die Meinung, dass man dieses natürliche Gleichgewicht besser nicht durch antioxidative Supplemente aus dem Lot bringt.
DOI: 10.3238/arztebl.2010.0225b

Dr. rer nat. Kirstin Wingler
Monash University
Department of Pharmacology
Centre for Vascular Health
Melbourne (Clayton)
VIC 3800
Australien

Prof. Dr. med. Harald H. H. W. Schmidt
Universiteit Maastricht
Department of Pharmacology
Universiteitssingel 50
6200 MD Maastricht
Niederlande
E-Mail: h.schmidt@farmaco.unimaas.nl

Interessenkonflikt
Dr. Wingler war bis 2006 Angestellte der vasopharm GmbH, welche Inhibitoren für NADPH-Oxidasen entwickelt. Prof. Schmidt erhielt Forschungsmittel von Bayer Schering und Servier. Außerdem übte er eine Beratertätigkeit für Bayer Schering aus.
1.
Wingler K, Schmidt H: Good stress, bad stress—the delicate balance in the vasculature [Guter Stress, schlechter Stress: Die feine Balance in Blutgefäßen]. Dtsch Arztebl Int 2009; 106(42): 677–84. VOLLTEXT
2.
Dotan Y, Lichtenberg D, Pinchuk I: Lipid peroxidation cannot be used as a universal criterion of oxidative stress. Prog Lipid Res 2004; 43: 200–27. MEDLINE
1. Wingler K, Schmidt H: Good stress, bad stress—the delicate balance in the vasculature [Guter Stress, schlechter Stress: Die feine Balance in Blutgefäßen]. Dtsch Arztebl Int 2009; 106(42): 677–84. VOLLTEXT
2. Dotan Y, Lichtenberg D, Pinchuk I: Lipid peroxidation cannot be used as a universal criterion of oxidative stress. Prog Lipid Res 2004; 43: 200–27. MEDLINE

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Anzeige