ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2010Neurologische Komplikationen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Winzer et al. (1) berichten über erste Erfahrungen mit der neuen Influenza A (H1N1) im Zeitraum April bis September 2009. Die Autoren betonen, dass ein eher mildes Krankheitsgeschehen vorlag, das selten einer stationären Behandlung bedurfte. Meistens wurden, auch bei Kindern, lediglich typische Grippe-Symptome diagnostiziert.

Ergänzend dazu berichten wir über eine unerwartete Rate neurologischer Komplikationen bei insgesamt sechs hospitalisierten Kindern (Alter: sechs Wochen bis acht Jahre) mit Influenza A-H1N1-Virus-Infektion in Berlin im November 2009. Neben grippalen (und – in einem Fall – zunächst gastrointestinalen) Symptomen traten als Krankheitsmanifestation oder im Verlauf der ersten drei Tage Vigilanzstörungen, Somnolenz, Agitiertheit (zum Teil mit Halluzinationen) und Krampfanfälle (bei zwei Schulkindern, nicht im für Fieberkrämpfe typischen Alter) auf. Ein Patient musste wegen zentraler Atemstörung mit Apnoen/Zyanoseattacken und wechselnder Hyperventilation (pCO2 < 20 mm Hg) maschinell beatmet werden. Bei allen Patienten wurde Influenza-A(H1N1)-RNA im Nasenabstrich und/oder Rachensekret nachgewiesen, nicht jedoch im Liquor (Liquorbefunde [Zellzahl, Protein] alle unauffällig). Zerebrale Magnetresonanztomogramme waren normal, passagere EEG-Veränderungen (Verlangsamung) lagen vor. Schwere pulmonale Komplikationen traten nicht auf. Alle Patienten wurden mit Oseltamivir behandelt, erholten sich vollständig und wurden ohne neurologischen Defizite entlassen.

Ähnlich wie bei saisonaler Influenza (2) können bei Kindern mit neuer Influenza neurologische Symptome auftreten (3), die – bei normalen Liquorbefund und fehlendem Virusnachweis im Liquor – als Enzephalopathie eingestuft werden können. Dementsprechend sollte bei Kindern mit fieberhaftem Infekt und Enzephalitis/Enzephalopathie-Verdacht eine Influenza-A(H1N1)-Diagnostik veranlasst und im Verdachtsfall baldmöglichst eine virostatische Therapie (Oseltamivir) begonnen werden (3). Eltern ambulant behandelter Kinder sollte man auf diese Komplikationsmöglichkeit, die eine sofortige Wiedervorstellung erfordert, hinweisen.
DOI: 10.3238/arztebl.2010.0229a

Dr. med. Philipp Deindl
Dr. med. Verena Varnholt
Otto-Heubner-Centrum für Kinderheilkunde/Jugendmedizin
Charité (CVK)
Augustenburger Platz 1
13353 Berlin
1.
Winzer R, et al.: Early clinical experiences with the new influenza A (H1N1/09) [Erste klinische Erfahrungen mit der Neuen Influenza A (H1N1)]. Dtsch Arztebl Int 2009; 106(47): 770–6. VOLLTEXT
2.
Newland JG, et al.: Neurologic complications in children hospitalized with influenza: characteristics, incidence, and risk factors. J Pediatr 2007; 150(5): 306–10. MEDLINE
3.
Center for Disease Control and Prevention (CDC) (2009). Neurologic complications associated with novel influenza A (H1N1) virus infection in children – Dallas. MMWR Morb Mortal Wkly Rep 2009; 58(28): 773-8. MEDLINE
1. Winzer R, et al.: Early clinical experiences with the new influenza A (H1N1/09) [Erste klinische Erfahrungen mit der Neuen Influenza A (H1N1)]. Dtsch Arztebl Int 2009; 106(47): 770–6. VOLLTEXT
2. Newland JG, et al.: Neurologic complications in children hospitalized with influenza: characteristics, incidence, and risk factors. J Pediatr 2007; 150(5): 306–10. MEDLINE
3. Center for Disease Control and Prevention (CDC) (2009). Neurologic complications associated with novel influenza A (H1N1) virus infection in children – Dallas. MMWR Morb Mortal Wkly Rep 2009; 58(28): 773-8. MEDLINE

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Anzeige