ArchivDÄ-TitelSupplement: ReisemagazinSUPPLEMENT: Reisemagazin 1/2010Reisen auf dem Frachter: Mit den Containern um die Welt

SUPPLEMENT: Reisemagazin

Reisen auf dem Frachter: Mit den Containern um die Welt

Dtsch Arztebl 2010; 107(13): [18]

Nolte-Schuster, Birgit

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Fotos: Birgit Nolte-Schuster
Fotos: Birgit Nolte-Schuster
„Frachtschiffe warten nicht auf ihre Passagiere“: Die Ware bestimmt das Ziel, das Be- und Entladen den Rhythmus an Bord und an Land.

Auckland, Containerterminal, 22 Uhr: Die „Cap Cleveland“ hat vor einer halben Stunde am Pier festgemacht. Im gelben Licht der Hafenbeleuchtung laufen die Kräne auf den Verladebrücken hin und her und befördern einen Container nach dem anderen aus dem Rumpf des Frachtschiffs. „Gehen Sie hinter mir unbedingt entlang der gelben Linie“, hatte Grant Turner, der Agent der örtlichen Schifffahrtsagentur empfohlen, wohl wissend, dass das Terrain während der Ladetätigkeiten einem Ameisenhaufen gleicht. Doch so gibt es keine Probleme, zwischen den zügig an- und abfahrenden Containertransportern hindurch unbeschadet die Gangway zu erreichen. „Landgang“ wird die Zugangsbrücke zum Schiff auch genannt, doch in Zeiten, in denen die Containerschiffe in der Regel nur einen halben Tag im Hafen liegen, sind diese Möglichkeiten für die Crew begrenzt.

Port Chalmers
Port Chalmers
Der erste Besuch gilt der Offiziersmesse, wo auch die Passagiere ihre Mahlzeiten einnehmen. Nur beim näheren Hinsehen lassen Details wie festgeschraubte Tische mit Antirutschauflagen stürmische Überfahrten erahnen. Im Fitnessraum gleich um die Ecke finden sportlich Ambitionierte ihren Ausgleich. Doch die Notwendigkeit körperlicher Ertüchtigung rückt in Anbetracht des täglichen Treppenmarathons zwischen den acht Stockwerken von der Brücke bis zur Messe eher in den Hintergrund. Es gibt keinen Fahrstuhl, aber viel zu entdecken. Der beste Platz für einen Überblick ist sicherlich die Brücke. Schon beim Auslaufen aus dem Hafen bietet sich ein beeindruckendes Panorama.

Sydney, Museumshafen
Sydney, Museumshafen
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„Setzen Sie sich ruhig“, sagt Kapitän George Tsivtsivadze. Fast ein wenig ehrfürchtig verharrt man anfangs auf dem Sessel vor dem Radarschirm, verfolgt die Anzeige auf dem Kontrollschirm, vergleicht sie mit den Gegebenheiten draußen auf dem Meer und gibt sich dabei dem unmerklichen Schwanken des Schiffskörpers hin. 235 Meter Länge misst das drei Jahre alte Frachtschiff der Hamburger Reederei Thomas Schulte, und mit seinen 32 Metern Breite passt es gerade noch durch den Panamakanal, der in einigen Wochen auf dem 63-tägigen Rundkurs nach Philadelphia liegt. Doch jetzt geht es erst einmal Richtung Australien, und während uns der sonore Schiffsdiesel kraftvoll mit 21 Knoten durch das blaugrüne Wasser der Tasmanischen See schiebt, entschwindet das Leuchtfeuer des Maria-van-Diemen-Kaps in der Ferne.

Nach drei kontemplativen Tagen auf See erreichen wir den Hafen von Sydney. Die günstige Liegezeit ermöglicht einen Landgang, und die Seefahrermission bietet einen kostenfreien Transfer vom Hafen bis zum Missionshaus in der City. Zu Fuß kann man bequem durch das Geschäftszentrum und zur Oper gehen, und es bleibt auch noch Zeit für einen Cappuccino am alten Hafen. Doch nicht nur die heraufziehenden dunklen Wolken in der schwülwarmen Nachmittagsluft setzen dem Abstecher in die geschäftige Urbanität ein Ende. Auch die Worte des Kapitäns, dass „Frachtschiffe nicht auf ihre Passagiere warten“, lassen eine zeitige Rückkehr auf das Schiff sinnvoll erscheinen.

Auckland: der Lotse auf dem Weg zur Cap Cleveland
Auckland: der Lotse auf dem Weg zur Cap Cleveland
Nach einem Stopp in Melbourne nimmt die Cap Cleveland Kurs zurück nach Auckland. Wir haben den 40. Breitengrad auf der Südhalbkugel passiert. Der Wind hat auf Stärke 5 aufgefrischt und treibt immer wieder Nebelschwaden über das Vordeck. Erst als wir nach fast vier Tagen die Südspitze Neuseelands umrunden, bessert sich das Wetter. Vier Häfen an der Ostküste stehen noch auf dem Fahrplan: Port Chalmers und die an Schottland erinnernde Otago-Halbinsel im Süden, das auf dem Geröllfeld eines Vulkans erbaute Timaru, das ganz im Stil des Art déco gehaltene Napier und schließlich der auf der Nordinsel gelegene Naturhafen Tauranga. Dr. Birgit Nolte-Schuster


Informationen:
www.hamburgsued-reiseagentur.de

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