ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2010Tuberkulose: Keine Entwarnung trotz rückläufiger Zahlen

AKTUELL: Akut

Tuberkulose: Keine Entwarnung trotz rückläufiger Zahlen

Dtsch Arztebl 2010; 107(13): A-578 / B-506 / C-498

Richter-Kuhlmann, Eva

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LNSLNS Der in den letzten Jahren beobachtete rückläufige Trend der Tuberkulose (Tbc) in Deutschland setzt sich weiter fort. Aktuellen Daten des Robert-Koch-Instituts (RKI) zufolge wurden im Jahr 2008 nur 4 500 Fälle gegenüber 5 000 im Jahr 2007 registriert. Dies entspricht einer Inzidenz von 5,5 Neuerkrankungen pro 100 000 Einwohner (RKI 2010: Bericht zur Epidemiologie der Tbc in Deutschland für 2008). Von einer Entwarnung kann jedoch auch in Europa keine Rede sein: So haben England und Schweden erstmals wieder einen Anstieg der Tbc-Neuerkrankungen gemeldet.

Auch hierzulande sei die Tuberkulose trotz der rückläufigen Zahlen ein ernst zu nehmendes Public-Health-Problem und bedürfe einer ständigen Aufmerksamkeit und verbesserter Kontrolle, bestätigte Dr. med. Bonita Brodhun vom RKI. An eine Tuberkulose denken müssten Ärztinnen und Ärzte vor allem bei ausländischen Staatsbürgern. Bei ihnen sei die Inzidenz 5,3-mal so hoch wie in der deutschen Bevölkerung. Betroffen wären vor allem in der Türkei oder in Nachfolgestaaten der Sowjetunion geborene Menschen.

„Die Tuberkulose ist weltweit die am häufigsten zum Tode führende heilbare bakterielle Infektionskrankheit“, betonte Prof. Dr. med. Robert Loddenkemper vom Zentralkomitee zur Bekämpfung der Tuberkulose beim internationalen Symposium des Koch-Metschnikow-Forums in Berlin. Obgleich viele Fortschritte zu verzeichnen seien, bereite die Ausbreitung multiresistenter Tuberkuloseerreger (MDR-TB, Resistenz mindestens gegenüber Isoniazid und Rifampicin) sowie das zunehmende Auftreten von HIV-Tuberkulose-Koinfektionen in Osteuropa große Sorgen.

Nahezu ein Viertel aller Tuberkulose-Neuinfektionen würden derzeit in Russland durch multiresistente Erreger verursacht. „Weltweit müssen wir von einer halben Million MDR-Tuberkulosefälle sowie von 25 000 neuen extensiv resistenten Tuberkulosen (XDR-TB) jährlich ausgehen“, berichtete Loddenkemper. 58 Länder hätten bereits Fälle von XDR-TB gemeldet (zusätzliche Resistenz gegenüber einem Zweitrangmedikament). „Um die TB in den Griff zu bekommen, sind effektive Impfstrategien, intensive Forschung, ein verbesserter Infektionsschutz, Medikamente mit kürzeren Therapiezeiten sowie umfassende globale Kontrollprogramme notwendig“, forderte Loddenkemper.

Die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) geht von jährlich 9,2 Millionen neuen Tuberkuloseerkrankungen und 1,7 Millionen Todesfällen aus. Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann
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