ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2010Börsebius: Nichts für Angsthasen

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Börsebius: Nichts für Angsthasen

Dtsch Arztebl 2010; 107(13): A-617 / B-536 / C-528

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LNSLNS War es das schon für dieses Jahr? Nachdem sich der deutsche Aktienindex DAX in den ersten zehn Wochen ganz prächtig gehalten hat, zeigte er zum Quartalsende doch ziemliche Abnutzungserscheinungen. Mal wurde die Marke von 6 000 Indexpunkten erklommen, um dann aber auch zwischendurch genauso schnell wieder unterschritten zu werden. Das andauernde Hin und Herr geht den Marktteilnehmern sichtlich und ziemlich auf die Nerven, macht sie regelrecht kirre. Hilfe von den Fachleuten ist nur in mäßiger Form zu erwarten, denn die Experten sind sich derzeit ziemlich uneins, ob schwache Tage nur eine – zu nutzende – Verschnaufpause auf dem weiteren Weg nach oben bedeuten oder ob es derzeit eher angeraten scheint, die Beute in die Scheuer zu fahren.

Wie immer, wenn die Sicht der Dinge nicht einfach ist, hilft vielleicht ein Blick auf die Fakten. Die störenden Aspekte, die regelmäßig zu fallenden Kursen führen, liegen auf der Hand: die zerrütteten Staatsfinanzen und vor allem die heißen Diskussionen darüber, ob dem klammen Gauner Griechenland geholfen werden soll oder muss. Und wenn ja: Wer gibt wie viel aus seiner Schatulle ab? Je nachdem, wie ordnungspolitische und stabilitätswahrende Aspekte unter die Räder zu geraten drohen, reagieren von Fall zu Fall die Finanzmärkte mit mehr oder geringerem Entsetzen, will heißen, mit stark fallenden Kursen oder eben nur mit moderaten Abschlägen.

Aber: Es wird immer deutlicher, dass es nicht zum Staatsbankrott Griechenlands kommen wird, zu verheerend wären dessen Folgen. Die Zukunft der Märkte wird meines Erachtens vielmehr von der Notenbankpolitik bestimmt, also von der Frage, wie lange noch die extrem niedrigen Zinsen Bestand haben werden. Zwar glaube ich auch weiterhin daran, dass wir es mit einem durchaus beträchtlichen Inflationsszenario zu tun haben, aber eben erst dann, wenn die laxe Geldpolitik beendet sein wird. Danach sieht es aus konjunkturpolitischen Gründen aber – noch – nicht aus. Bis auf weiteres bleiben demnach die Zinsen tief.

Die Rallye am Aktienmarkt wird sich vermutlich also fortsetzen, zumal von Unternehmensseite auch eher gute Gewinnmeldungen zu erwarten sind. Allerdings dürften sich immer wieder Angstverkäufe dann einstellen, wenn es schlechte Nachrichten von klammen Schuldnerstaaten geben sollte. Kurzum, Nervenschwache sollten derzeit Aktien eher meiden. Indes, wenn andere Angst haben, können Mutige, denen ja bekanntlich die Welt gehört, durchaus eine gute Ernte einfahren.
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