ArchivDeutsches Ärzteblatt28-29/1997Grundsatzurteil des Bundesgerichtshofs

POLITIK: Medizinreport

Grundsatzurteil des Bundesgerichtshofs

Heinz, Thomas W.

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LNSLNS Der 3. Strafsenat des Bundesgerichshofs hat zum Thema Ecstasy Stellung bezogen: Es ging um die Beurteilung der Gefährlichkeit eines der Inhaltsstoffe von Tabletten des Amphetaminderivats Ecstasy (BGH-3StR220/96). Diese Substanz, deren jeweilige Konzentration - wie bei illegalen Drogen üblich - den Konsumenten nicht bekannt ist, kann unter besonderen Umständen zu lebensbedrohlichen Zuständen führen. Hier sind vor allem die noch weitgehend ungeklärten Wechselwirkungen der variierenden und zumeist dem BTMG unterliegenden Inhaltsstoffe zu nennen. Der BGH verweist für 1995 auf 18 und für das laufende Jahr 1996 auf zehn Todesfälle im Rahmen von Ecstasy-Konsum.
Durch die unzureichende Kenntnis der zu erwartenden Nebenwirkungen von Ecstasy kann es schlimmstenfalls zu Herz-Kreislauf-Versagen, Hyperthermie, Schockzuständen, Leberschädigungen, intrazerebralen Blutungen und zerebralen Krampfanfällen kommen. Auch der Gefahr einer von Ecstasy ausgehenden psychischen Abhängigkeitspotenz wurde im vorliegenden richterlichen Entscheid Rechnung getragen. Für das Amphetaminderivat MDE wurde der Grenzwert der sogenannten "geringen Menge" auf 30 Gramm MDE-Base festgelegt, was nach Rücksprache mit dem BGH einer Menge von etwa 500 Ecstasy-Tabletten entsprechen soll. Im vorliegenden Fall war eine Revisionsentscheidung notwendig geworden, da ein Beklagter, der wegen des mehrfachen Handels mit insgesamt 67 000 Ecstasy-Tabletten zu fünf Jahren Haft verurteilt worden war, darauf verwiesen hatte, jeweils nur mit "geringen Mengen" gehandelt zu haben. Thomas W. Heinz

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