ArchivDeutsches Ärzteblatt28-29/1997Hinweise für eine strukturierte Anamneseerhebung: beziehungsweise Untersuchung zum Hörvermögen bei Kindern

MEDIZIN: Zur Fortbildung

Hinweise für eine strukturierte Anamneseerhebung: beziehungsweise Untersuchung zum Hörvermögen bei Kindern

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LNSLNS U 3: 4. bis 6. Lebenswoche
1. Erschrickt das Kind, oder ändert es sein Verhalten bei plötzlichen lauten Geräuschen?
2. Zeigt das Kind mimische Reaktionen, werden der Aureopalpebralreflex oder Bewegungsreflexe bei plötzlichen lauten Geräuschen ausgelöst?
3. Beruhigt sich das Kind bei Zuspruch durch seine Bezugsperson?
4. Sucht das Kind mit den Augen die Schallquelle bei vertrauten Geräuschen (zum Beispiel Stimme der Mutter)?
5. Beginnt das Kind mit der ersten Lallperiode?
Beachte, auch bei späteren Untersuchungen: Ein auffälliges visuelles Verhalten muß als Hinweis auf eine eventuelle Hörstörung gewertet werden!
U 4: 3. bis 4. Lebensmonat
1. Bewegt das Kind den Kopf in Richtung der Schallquelle?
2. Lauscht das Kind auf Singen und Papierknistern?
3. Hört das Kind beim Ertönen von Musik oder beim Zuspruch der vertrauten Bezugsperson mit dem Schreien auf?
4. Wacht das Kind bei unbekannten Geräuschen auf?
5. Nimmt das Kind stimmlichen Kontakt mit Erwachsenen auf, lacht es stimmhaft?
Beachte: Säuglinge reagieren in diesem Lebensalter bereits mit Ablenk- und Orientierungsreaktionen. Alle Geräusche zur orientierenden Hörprüfung müssen deshalb außerhalb des Gesichtsfeldes des Kindes produziert werden.
U 5: 6. bis 7. Lebensmonat
1. Lallt das Kind vier oder mehr verständliche Laute, darunter auch erste Zweisilber?
2. Reagiert es eindeutig auf Zurufe?
3. Gebraucht es bewußt die Stimme, um auf sich aufmerksam zu machen?
4. Lokalisiert es gezielt seitlich liegende Schallquellen?
5. Lauscht es gezielt auf Musik?
6. Produziert das Kind Lallmonologe als Ausdruck der Zufriedenheit während des Alleinseins?
U 6: 10. bis 12. Lebensmonat
1. Versteht das Kind Verbote ("nein - nein") auch ohne entsprechende, begleitende Gestik?
2. Sucht das Kind eine Schallquelle mit leiser Musik?
3. Reagiert es auf leise Zusprache aus einem Meter Entfernung?
4. Spricht es (mit 12 Monaten) verständlich zwei Wörter (kontextbezogene Lautfolgen)?
U 7: 21. bis 24. Lebensmonat
Kann das Kind auf geflüsterte oder leise gesprochene Anweisung Körperteile zeigen?
Kann das Kind flüsternd ins Ohr gsprochene kleine Anweisungen sinnvoll befolgen (Worte nachsprechen, kleine Dinge holen, Tür schließen und anderes)?
U 8: 3 1/2. bis 4. Lebensjahr
1. Versteht das Kind sicher Anweisungen, auch wenn es dabei dem Sprecher nicht auf den Mund sehen kann?
2. Werden sprachliche Äußerungen insgesamt vom Kind sicher verstanden?
3. Kann sich das Kind beim Spielen oder Erzählen gut konzentrieren, oder läßt die Aufmerksamkeit schnell nach?
4. Kann sich das Kind mit seinen Spielkameraden sprachlich ausreichend verständigen, oder ist es isoliert?
5. Fragt das Kind häufig beim Erzählen oder Vorlesen nach?
6. Stellt sich das Kind das Radio oder den Kassettenrecorder ungewöhnlich laut?


Es gibt eine Reihe von Vorschlägen zur strukturierten Anamneseerhebung, unter anderem einen sehr ähnlichen wie den hier vorgestellten vom Berufsverband der Kinderärzte Deutschlands.

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