ArchivDeutsches Ärzteblatt28-29/1997Analoge Bewertungen in der GOÄ

BEKANNTGABEN DER HERAUSGEBER: Bundes­ärzte­kammer

Analoge Bewertungen in der GOÄ

Kleinken, B.

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LNSLNS Die Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) enthält in § 6 Abs. 2 die Grundlage dafür, daß der Arzt - anders als im vertragsärztlichen Bereich, in dem nur im EBM enthaltene Leistungen berechenbar sind - eine nicht in der GOÄ enthaltene Leistung analog einer anderen, in der GOÄ enthaltenen Leistung abrechnen kann. Dies berücksichtigt, daß der rasch fortschreitende medizinische Fortschritt in der GOÄ nicht kurzfristig widergespiegelt werden kann, aber auch, daß es schon bei Verfassung des Gebührenverzeichnisses nicht möglich ist, den ärztlichen Alltag in all seinen Facetten zu erfassen.
§ 6 Abs. 2: "Selbständige ärztliche Leistungen, die in das Gebührenverzeichnis nicht aufgenommen sind, können entsprechend einer nach Art, Kosten- und Zeitaufwand gleichwertigen Leistung des Gebührenverzeichnisses berechnet werden."
Der Vorstand der Bundes­ärzte­kammer hat schon zur GOÄ von 1982 "Grundsätze analoger Bewertungen" beschlossen, auf deren Basis im nachfolgenden das Verfahren bei analogen Bewertungen dargestellt wird.


Selbständigkeit der Leistung
Die Leistung muß selbständig sein. Unselbständige Teilschritte einer anderen Leistung oder Leistungen, die nur eine Modifikation einer in der GOÄ enthaltenen Leistung darstellen, sind nicht analog abrechenbar.
So ist zum Beispiel keine Analogbewertung für die besonders lange Dauer der Ausführung einer Leistung möglich. Zum Beispiel bleibt eine Beratung von 30 Minuten eine Beratung und nur nach Nr. 3 abrechenbar (und nicht nach Nr. 31 - homöopathische Folgeanamnese - analog). Für die Berücksichtigung des Umfangs einer Leistung ist in der GOÄ in § 5 der Steigerungsfaktor zutreffend, gegebenenfalls kommt auch eine Abdingung nach § 2 in Betracht.


Abgriffverfahren
Wenn eine analoge Abrechnung in Frage kommt, muß eine GOÄ-Position gewählt werden, die in der technischen Durchführung, im Zeitaufwand, im Schwierigkeitsgrad und in den Kosten der erbrachten Leistung möglichst nahe kommt. Beim Analogabgriff hat eine GOÄ-Position aus demselben Leistungsabschnitt Vorrang, da hier in der Regel die Vergleichbarkeit am offensichtlichsten ist. Legitim ist aber auch der Abgriff aus einem anderen Kapitel der GOÄ als dem "primär zuständigen". Möglich ist auch der analoge Abgriff durch eine Summation mehrerer GOÄ-Positionen.

Analoge Abrechnung bereits bekannter Leistungen
Ärztliche Leistungen, die zum Zeitpunkt des Inkrafttretens der GOÄ bereits allgemein anerkannt waren, sind zwar im Grundsatz von einer Analogbewertung nicht ausgeschlossen; in solchen Fällen muß jedoch besonders sorgfältig geprüft werden, ob nicht diese Leistungen bisher als Bestandteil einer anderen, im Gebührenverzeichnis enthaltenen Leistung angesehen wurden oder lediglich abweichende Modalitäten gegenüber einer im Gebührenverzeichnis befindlichen Leistung darstellen.


In der GOÄ fehlende EBM-Leistungen
Da der EBM häufiger aktualisiert wird als die GOÄ, sucht man oft vergebens EBM-Leistungen in der GOÄ. In diesem Fall muß jedoch sorgfältig geprüft werden, ob die oben genannten Voraussetzungen erfüllt sind. Oft handelt es sich nur um die Modifikation einer in der GOÄ enthaltenen Leistung. Da der EBM keinen Steigerungsfaktor kennt, sind im EBM auch Modifikationen einer Leistung als selbständige Positionen enthalten, besonders häufig in Form von Zuschlägen.


Gleichwertigkeit der Leistungen
Da nach § 6 Abs. 2 eine "gleichwertige" Leistung des Gebührenverzeichnisses analog herangezogen werden muß, bleiben auch die "Rahmenbedingungen" der abgegriffenen Leistung bei Analogabrechnung erhalten. Zum Beispiel ist eine abgegriffene Ziffer mit kleinem Gebührenrahmen auch bei analoger Abrechnung ohne Begründung nur bis 1,8fach steigerungsfähig. Ebenso werden Vorgaben bei Mindestzeiten, Leistungsausschlüssen und Begrenzung der Abrechnungsfähigkeit in einem bestimmten Zeitraum übernommen.


Rechnungserstellung bei analoger Bewertung
Nach § 12 Abs. 4 GOÄ muß die gewählte Position entweder mit dem Zusatz "analog" oder "entsprechend" gekennzeichnet werden und die erbrachte Leistung kurz, aber eindeutig beschrieben werden. Die Nummer und die Bezeichnung der analog abgerechneten Leistung muß angegeben werden ("Platzhalter" siehe nachfolgend "Numerierung im Analogverzeichnis der Bundes­ärzte­kammer").


Analogverzeichnis der Bundes­ärzte­kammer
Um Ärzten, Patienten und Kostenträgern Hilfestellung bei der Analogabrechnung zu geben, veröffentlicht die Bundes­ärzte­kammer ein "Verzeichnis der Analogen Bewertungen der Bundes­ärzte­kammer", welches nachstehend wiedergegeben ist.
Das Analogverzeichnis der Bundes­ärzte­kammer greift Positionen auf, die entweder bei der Bundes­ärzte­kammer besonders häufig angefragt werden oder von besonderer qualitativer Bedeutung sind.
Da das Analogverzeichnis der Bundes­ärzte­kammer ausgiebig mit Sachverständigen beraten und vor Veröffentlichung mit dem Bundesministerium für Gesundheit, dem Bundesinnenministerium und dem Verband der privaten Kran­ken­ver­siche­rungen abgestimmt wird, ist es, ohne daß es die Rechtsverbindlichkeit des Verordnungstextes oder der höherinstanzlichen Rechtsprechung hat, faktisch die GOÄ ergänzend. Nach dem Analogverzeichnis der Bundes­ärzte­kammer abgerechnete Positionen werden praktisch von allen Kostenträgern akzeptiert. Ein Arzt, der zu einer im Analogverzeichnis der Bundes­ärzte­kammer enthaltenen Position eine andere Analogabrechnung vornimmt, hat in der Diskussion oder gar vor Gericht wegen des dahinterstehenden Sachverstandes nur schwerlich Aussicht auf Erfolg.


Numerierung im Analogverzeichnis der Bundes­ärzte­kammer
Im Analogverzeichnis der Bundes­ärzte­kammer werden sogenannte "Platzhalternummern" verwendet. Diese sollen die Leistung dem fachlichen Zusammenhang zuordnen und wurden meist vom Verordnungsgeber bei der Novellierung der GOÄ übernommen. Da das Analogverzeichnis der BÄK allgemein auch unter Kostenträgern bekannt ist, ist die Verwendung der "Platzhalter" bei der Rechnungserstellung möglich, nicht jedoch in der GOÄ (§ 12 Abs. 4) vorgesehen oder gar zwingend.


Das Analogverzeichnis der Bundes­ärzte­kammer ist nicht abschließend
Mit der Novellierung der GOÄ zum 1. 1. 1996 wurden die im Analogverzeichnis der Bundes­ärzte­kammer bis Ende 1995 enthaltenen Positionen in die GOÄ übernommen. Der Bedarf an analogen Bewertungen bleibt aber weiterhin. Die verschiedentlich von Kostenträgern vertretene Auffassung, daß mit der GOÄ-Novellierung und der Übernahme der von der Bundes­ärzte­kammer empfohlenen Analogpositionen analoge Bewertungen überflüssig seien, ist nicht zutreffend. Der medizinische Fortschritt hält sich weder an Novellierungszeiträume der GOÄ noch an Erscheinungstermine der Ergänzungen des Analogverzeichnisses der Bundes­ärzte­kammer.
Hinzu kommt, daß das Analogverzeichnis der BÄK niemals abschließend ist, weil
- der Beratungsgang im Gebührenordnungsausschuß und Vorstand der Bundes­ärzte­kammer sowie das oben dargestellte Verfahren der Abstimmung mit den Kostenträgern nur sukzessive erfolgen kann,
- in das Analogverzeichnis nicht alle Vorschläge aufgenommen werden. So enthält das Analogverzeichnis zum Beispiel keine Positionen für Leistungen der sogenannten "Außenseitermedizin" oder Leistungen von allzu speziellem Charakter.
Das Recht des Arztes auf eigene analoge Bewertung bleibt also (unter Berücksichtigung der obigen Kriterien) sowohl mit der "neuen" GOÄ als auch mit dem Erscheinen des Analogverzeichnisses der Bundes­ärzte­kammer bestehen. Möglich ist allerdings, daß Kostenträger in ihren vertraglichen Bestimmungen beziehungsweise Beihilferegelungen die Kostenerstattung gegenüber dem Patienten für Analogabrechnungen, die nicht im Analogverzeichnis der Bundes­ärzte­kammer enthalten sind, ablehnen können.


Starterliste
Das nachstehend wiedergegebene Verzeichnis erfüllt zunächst die Funktion einer "Starterliste" und wird, so wie der Beratungsgang mit Sachverständigen, die Beschlußfassung im Ausschuß "Gebührenordnung" und Vorstand der Bundes­ärzte­kammer und die Abstimmung mit den Kostenträgern voranschreiten, ergänzt werden. Wir bitten, auf entsprechende Ergänzungen im Deutschen Ärzteblatt zu achten.
Das Analogverzeichnis der Bundes­ärzte­kammer wird im Deutschen Gesundheitsnetz eingestellt werden. Die jeweils aktuellen Fassungen werden bei Neuauflagen oder Ergänzungslieferungen auch in die GOÄ-Ausgabe des Deutschen Ärzte-Verlages und in den "Kommentar zur Gebührenordnung für Ärzte" (Deutscher ÄrzteVerlag) aufgenommen. Dr. med. B. Kleinken

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