ArchivDeutsches Ärzteblatt28-29/1997Gefahren durch das Turmwurmvirus

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Gefahren durch das Turmwurmvirus

Axardo

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LNSLNS Der Schiefe Turm zu Pisa neigt sich mit einer Geschwindigkeit von zwei Millimetern pro Jahr. Alle herbeigeholten Experten mußten ratlos kapitulieren. Im Umfeld des Schiefen Turms herrscht bereits eine akute Steinschlaggefahr. Inzwischen kam es zu einem "Häng-Over" von 4,86 Metern. Der Schiefe Turm zu Pisa wurde 1173 erbaut und ist 56 Meter hoch. Seit 1990 ist er gesperrt.
Nun neigt sich auch der 1972 anläßlich der Olympischen Spiele eingeweihte Fernsehturm zu München erheblich. Er mußte gestützt und von einer Kompanie der Gebirgsjäger aus Garmisch "Mit Seil und Haken" gesichert werden. Die Bewohner des Olympischen Dorfes wurden vorsorglich evakuiert.
Zum Glück konnte die Ursache der Schiefitäten rasch geklärt werden: einer human- und veterinärmedizinischen Forschergruppe der Universität München gelang es nämlich, ein Turmwurmvirus (TWV) zu identifizieren, das die unter den Türmen hausenden Würmer (verme die Torre) befällt. Die infizierten Würmer spielen plötzlich verrückt und fangen an, wahn-witzig nach einer Seite hin zu graben, so daß die Türme auf die schiefe Ebene geraten.
Das Virus besitzt nur DNA oder RNA in der formbestimmenden Lipoproteinhülle und verfügt nicht über Stoffwechselenzyme für biologische Synthesen; es kann sich daher nicht durch Teilung vermehren, sondern wird ausschließlich von seiner Nukleinsäure reproduziert. Außerhalb der Turmwürmer existiert das TWV als komplettes, infektiöses Partikelchen (20 nm); genannt Virion.
Erfreulicherweise gelang es erfahrenen Virologen rasch, eine aktive und passive Impfung zu entwickeln, die in der Lage sind, das TWV restlos auszuschalten.
Großes Interesse an der Impfaktion bekundete auch der extra eingeflogene Oberbürgermeister von Pisa, Signore Luciano di Torre, der seinen Schiefen Turm endlich wieder zugänglich machen möchte. Verständlicherweise will er seinen Turm jedoch nur begrenzt begradigen lassen, um nicht die Touristenattraktion zu verlieren. Hier ist beim Impfen ein besonderes Fingerspitzengefühl nötig, um den optimalen Neigungswinkel zu erzielen.
Axardo
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