ArchivDeutsches Ärzteblatt28-29/1997Studentenjob und Rentenversicherung: Die „Pflicht“ bietet Vorteile

VARIA: Wirtschaft - Versicherungen

Studentenjob und Rentenversicherung: Die „Pflicht“ bietet Vorteile

Buner, Wiebke

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LNSLNS Studenten, die mindestens 15 Wochenstunden jobben oder mehr als 610 (neue Länder: 520) DM monatlich verdienen, sind neuerdings verpflichtet, Beiträge an die Rentenversicherung abzuführen. Dies gilt für alle Arbeitsverhältnisse, die nach dem 30. September 1996 begonnen haben oder in Zukunft vereinbart werden.
Schon ist zu hören, daß Studenten nicht mehr bereit sind, während der Vorlesungszeit zu arbeiten. Grund: Sie befürchten, ein im Vergleich zum künftigen Einkommen geringer Arbeitsverdienst monatlich mindere ihre spätere Rente, weil der "Durchschnitt" sinke.
Das ist ein Irrglaube. Die Zahlung von Rentenpflichtbeiträgen kann Vorteile bringen. Begründung: Zeiten der Schulausbildung steigern nur noch maximal drei Jahre beitragsfrei die Rente. Diese drei Jahre sind aber schon zum großen Teil mit der Zeit bis zum Abitur abgedeckt. Das anschließende Studium findet sich also in der späteren Rente kaum noch wieder. Die Folge: Auf dem Rentenkonto entsteht eine "Lücke", die auf zweifache Weise geschlossen werden kann:
1 Es werden freiwillige Beiträge entrichtet. Der Nachteil: Sie müssen voll aus der eigenen Tasche finanziert werden. 1997 beträgt der monatliche Mindestbeitrag 123,83 DM, der höchste 1 664,60 DM.
1 Der Student zahlt von seinem Arbeitsverdienst Pflichtbeträge. Der Vorteil: Der Beitrag macht zum Beispiel bei 1 000 DM brutto im Monat 203 DM aus, die Hälfte (= 101,50 DM) trägt der Arbeitgeber.
Während die freiwilligen Beiträge mit ihrem Wert aufgrund der Einzahlung (bei 123,83 DM pro Monat also mit dem geringsten Wert) angesetzt werden, gilt für die Pflichtbeträge die Sonderregel, daß sie - soweit in den ersten drei Berufsjahren entrichtet - aufgestockt werden: auf 75 Prozent des Durchschnittseinkommens des
(Ex-)Studenten während seines gesamten Versicherungslebens, höchstens 75 Prozent des Durchschnittsverdienstes aller Rentenversicherten.
Ein Student, der drei Jahre lang 1 000 DM monatlich verdient, erwirbt daraus zwar nur eine Rente von 31 DM, doch erhöht sich dieser Wert bis auf 105 DM - je nach den künftig gezahlten Beiträgen. Die Zahlung von freiwilligen Mindestbeiträgen für drei Jahre bringt dagegen nur 19 DM Monatsrente - bei höherem "Einsatz" des Studenten.
Ohne Zahlung von Pflicht- oder freiwilligen Beiträgen würde auch der "Gesamtleistungswert" negativ beeinflußt. Je höher die Beitragssumme - einschließlich geringer Beiträge -, desto höher der Wert. Nicht belegte Zeiten mindern dagegen den Durchschnittswert.
Fazit: Die Rentenpflichtversicherung nutzt den Studenten. Das gilt auch für diejenigen, die ihr Arbeitsverhältnis vor Oktober 1996 begonnen haben und deshalb rentenversicherungsfrei gestellt wurden. Sie können - für die Zukunft - die Pflichtversicherung wählen. Ihr Arbeitgeber muß dem folgen, hat also kein "Vetorecht". WB
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