ArchivDeutsches Ärzteblatt30/1997Experimente: Internationale Ächtung

SPEKTRUM: Leserbriefe

Experimente: Internationale Ächtung

Schreiber, Werner

Zu der Meldung in Heft 23/1997: "Clinton entschuldigt sich für medizinisches Experiment":
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LNSLNS Zwischen 1932 und 1972 wurden in den USA männliche Patienten schwarzer Hautfarbe, die an Syphilis erkrankt waren, für eine Studie zur Beobachtung über den unbeeinflußten Verlauf dieser Geschlechtskrankheit angeworben. Sie erhielten freie Verpflegung und Unterkunft, aber keine Behandlung, obwohl zu dieser Zeit Neosalvarsan und ab 1943 Penicillin zur Therapie zur Verfügung standen. So starben von den 399 Patienten 128 an der Krankheit, 40 Frauen hatten sich infiziert, und 19 Kinder wurden mit Syphilis geboren. Ein völlig überflüssiges Experiment mit Menschen, denn schon von 1891 bis 1910 hatten norwegische Ärzte in "The Oslo Study of the natural Course of Untreated Syphilis", als es noch keine wirksame Therapie gab, den Verlauf dieser Treponemen- Infektion an 1 978 Kranken dokumentiert, 1929 um 473 Patienten erweitert und 1955 auf 500 Seiten, 83 Statistiken veröffentlicht. Diese Ergebnisse sind in allen Fachbüchern und Fachzeitschriften publiziert worden. Experimente mit Menschen sind 1946 bis 1948 vom Internationalen Gerichtshof in Nürnberg, auf Betreiben der USA, verurteilt worden, und an den schuldigen deutschen Tätern ist die Todesstrafe vollstreckt worden, zur Abschreckung.
Ungeachtet der internationalen Ächtung und der Todesurteile setzte man in Tuskegee/Alabama die grausamen Experimente fort, wobei etwa jeder dritte Patient starb, obwohl seit 1943 Penicillin als wirksames Therapeutikum verfügbar war. Die Verantwortlichen für die Planung und Durchführung dieser Experimente mit Menschen sind weder angeklagt noch bestraft worden. Vergangenheitsbewältigung amerikanisch.
Dr. med. Werner Schreiber, Blücherstraße 60, 95030 Hof


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