ArchivDeutsches Ärzteblatt30/1997Fernsehkritik: Menschenversuche aus Liebe

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Fernsehkritik: Menschenversuche aus Liebe

Janzarik, Hilde

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LNSLNS Der Arzt, der nicht regelmäßig fernsieht, lehnte sich angesichts des in dem angekündigten Fernsehfilm "Jagd auf CM24" (ARD, 18. Juni) beschriebenen Plots mit einem gewissen boshaften Interesse zurück, um mitzuerleben, wie der Regisseur sich aus dieser von vornherein verfahrenen Situation ziehen werde. Es konnte nicht gutgehen:
Ein Biochemiker, der ein ihn selbst überzeugendes Mittel gegen Krebs entwickelt hat, füllt diese bisher ungeprüfte Substanz nach Augenmaß in ein Reagenzglas, nimmt sie mit in seine Privatwohnung und spritzt sie dort intravenös einer ihn darum flehentlich bittenden krebskranken jungen Frau. Menschenversuche? Menschenversuche! Und aus Liebe natürlich. Die Patientin atmet nach Erhalt der Injektion nicht befreit auf, sondern hört zu atmen auf: einzige glaubwürdige Szene des Films. Später wird sie auf der Intensivstation einer Universität ganz einfach in toto gestohlen, schon wieder weniger wahrscheinlich.
Das ganze Filmprojekt (Drehbuch: Fred Breinersdorf) hat 2,5 Millionen DM gekostet. Wir hatten hier keinen Science-fiction-Film vor uns, sondern eine pseudorealistische Darstellung von inhaltlichen Unwahrheiten, die bewußt und gegen besseres Wissen angepriesen werden. Eine Belanglosigkeit? Eine Unbeholfenheit? Das offenkundig nach merkantilen Zielen und landläufigen Tendenzen ausgerichtete Machwerk (der jugendlich besessene Forscher, der selbstverständlich bereits Professor ist; die attraktive, todkranke Patientin; die böse Pharmaindustrie) kann nicht als harmlos angesehen werden. Dr. Hilde Janzarik
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