ArchivDeutsches Ärzteblatt30/1997Gerichtsmedizinisches Institut Düsseldorf: Wenn der Tod nicht natürlich war

VARIA: Feuilleton

Gerichtsmedizinisches Institut Düsseldorf: Wenn der Tod nicht natürlich war

Klinkhammer, Gisela; MS

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LNSLNS Wenn Quincy im Spätabendprogramm wieder einen Fall erfolgreich abschließt, war sein Metier - die Gerichtsmedizin - oft sehr anschaulich, sauber und fast sogar ästhetisch ins Bild gerückt. Die Realität sieht nüchterner aus. Im Institut für Rechtsmedizin in Düsseldorf werden jährlich rund 500 Leichen obduziert. Das Besondere an diesem Institut: die interessantesten Fälle der letzten 50 Jahre sind in einer Sammlung ausgestellt. Allein 400 Präparate dokumentie- ren die verschiedensten Möglichkeiten eines unnatürlichen Todes.


Ein unnatürlicher Tod muß nicht unbedingt durch eine Straftat verursacht werden. Unachtsamkeit, Suizid oder Unfall sind weitaus häufiger die Ursache als ein Morddelikt. Oft bedarf es in so einem Zusammenhang der Identifikation einer Leiche oder ihrer Reste. Bei der Klärung solcher Fälle ist die Polizei auf die Hilfe der Gerichtsmedizinischen beziehungsweise der Rechtsmedizinischen Institute angewiesen. Wie breit die Spanne der Sterbeursachen ist und wie sie diagnostizierbar sind, wird in der Ausstellung anschaulich dargestellt. Nach Antritt von Prof. Dr. med. Wolfgang Bonte im Jahr 1985 wurde die Institutssammlung grundlegend modifiziert. Neben den Präparaten der reinen Lehrsammlung wurden Einzelfalldarstellungen ungewöhnlicher Todesfälle in die Sammlung integriert. Des weiteren wurden die einzelnen Fachbereiche in schriftlicher und fotografischer Form erweitert, um dadurch ein größeres Informations- und Lehrangebot zu erreichen. Neben den Knochen-, Flüssigkeits- und Gelatinepräparaten werden seit diesem Jahr auch gefriergetrocknete Präparate gezeigt. Als Anschauungsmaterial dienende Röntgenaufnahmen von Falldarstellungen bereichern das Lehrangebot für den Bereich der forensischen Medizin. "Eine vergleichbare Sammlung wie diese gibt es sonst nur in Göttingen", stellt Bonte nicht ganz ohne Stolz fest. Die meisten Lehrstühle verzichten schon seit Jahren auf solche Sammlungen mit aufwendig hergestellten Exponaten und begnügen sich mit umfangreichem Fotomaterial. Doch trotz moderner Abbildungstechniken sind nach Ansicht von Bonte Präparate nach wie vor in ihrer Anschaulichkeit nicht zu übertreffen. Die ältesten Stücke stammen aus den 50er Jahren. Bereits Lungenflügel von Ungeborenen stehen in den Schränken; die Staatsanwaltschaft vermutete beispielsweise illegalen Schwangerschaftsabbruch. So findet sich auch eine Anzahl von Abtreibungsinstrumenten unter den Stücken, durch die Kind und manchmal auch die Mutter starben.
Dokumentationen diverser Tötungsdelikte durch Schuß- oder Stechwaffen, Hammer oder auch Schrubber gehören zum Standardrepertoire. Die Ausstellung richtet sich neben Medizin- auch an Jurastudenten, Polizeischulen, Gerichtsreferendare und interessierte Ärzte. Außerdem ist sie seit 1996 im Rahmen des "Tages der Forschung" der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf einmal im Jahr der Öffentlichkeit zugänglich. Mit rund 400 Besuchern gehörte sie an diesem Tag zu einer der meistbesuchten Institutionen und fand durchweg nur positiven Zuspruch.
Weitere Informationen: Institut für Rechtsmedizin (Gebäude 14.84), Prof. Dr. med. Wolfgang Bonte, Universitätsstraße 1, 40225 Düsseldorf. Kli/MS
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