ArchivDeutsches Ärzteblatt30/1997Mitteilungen: Heilmittel- und Hilfsmittel-Richtlinien Änderung des Abschnittes E. Sehhilfen

BEKANNTGABEN DER HERAUSGEBER: Kassenärztliche Bundesvereinigung

Mitteilungen: Heilmittel- und Hilfsmittel-Richtlinien Änderung des Abschnittes E. Sehhilfen

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LNSLNS Bei der nachstehenden Änderung der Heilmittel- und Hilfsmittel-Richtlinien des Bundes­aus­schusses der Ärzte und Krankenkassen handelt es sich um eine Anpassung des Abschnittes E. Sehhilfen an die neu in das Hilfsmittelverzeichnis aufgenommene Produktgruppe 25 - Sehhilfen. Des weiteren sind die gesetzliche Neuregelung zum Ausschluß von Brillenfassungen aus der Leistungspflicht der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung sowie die Bildschirmarbeitsplatz-Verordnung berücksichtigt. Auch betont die Neufassung dieses Abschnittes der Richtlinien die augenärztliche Verordnungskompetenz im Bereich der Sehhilfen.


Produktgruppe 25 - Sehhilfen zum Hilfsmittelverzeichnis
Gemäß § 128 SGB V erstellen die Spitzenverbände der Krankenkassen ein Hilfsmittelverzeichnis, in dem die von der Leistungspflicht umfaßten Hilfsmittel aufgeführt sind. Nur die darin verzeichneten Produkte können zu Lasten der Kran­ken­ver­siche­rung verordnet werden. Das Hilfsmittelverzeichnis gliedert sich in einzelne Produktgruppen. Im Rahmen der neu erstellten Produktgruppe 25 - Sehhilfen wurde die Angleichung bestimmter Regelungen in den Heilmittel- und Hilfsmittel-Richtlinien notwendig.
Die nachfolgend erläuterten wesentlichen Änderungen des Abschnittes E. Sehhilfen sind in der Reihenfolge gemäß den entsprechenden Passagen der Richtlinien wiedergegeben.


Bildschirmarbeitsplatz-Verordnung
Am 20. Dezember 1996 ist die Bildschirmarbeitsplatz-Verordnung in Kraft getreten. Danach sind den Beschäftigten für ihre Arbeit an Bildschirmgeräten im erforderlichen Umfang spezielle Sehhilfen durch den Arbeitgeber zur Verfügung zu stellen. In Anbetracht der Auslegung dieser Verordnung fällt die gesonderte Brillenversorgung für die spezielle Situation an Bildschirmarbeitsplätzen nicht mehr in die Zuständigkeit der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung. Aus diesem Grunde entfällt die bisherige Nr. 55.3.3 der Richtlinien über die zusätzliche Verordnung einer Brille für die Tätigkeit an Bildschirmgeräten.
Der Ausgleich der bestehenden Fehlsichtigkeit der Versicherten wird dadurch nicht in Frage gestellt, da jedem Versicherten für die Korrektur seiner Fehlsichtigkeit im Fern- wie im Nahbereich eine Versorgung mit Brillengläsern ermöglicht wird. Darüber hinaus ist auch eine Versorgung mit Trifokalgläsern bei bestehender eingeengter Akkommodationsbreite möglich, wenn diese den Wert von 1,5 dpt nicht erreicht.


Bifokalgläser
Ausdrücklich angeführt unter der Nr. 56.1 wird erstmals die Verordnungsfähigkeit von bifokalen Brillengläsern mit extra großem Nahteil zur Behandlung des akkommodativen Strabismus bei Kindern und Jugendlichen.


Kantenfiltergläser
Unter den Nrn. 57.1 m) und n) des Abschnittes über Lichtschutzgläser sind die Bestimmungen zu Kantenfiltergläsern neu gefaßt. So können Kantenfiltergläser bis 400 nm als UV-Schutz verordnet werden bei Aphakie (Linsenlosigkeit) oder wenn nach Staroperation die implantierte Intraokularlinse keinen oder einen nicht ausreichenden UV-Absorber aufweist. Die Mehrzahl der Kunstlinsen allerdings verfügt heute über einen derartigen UV-Schutz.
Weiterhin verordnungsfähig ist diese Kantenfiltertönung (400 nm) im Rahmen einer Photochemotherapie.
Kantenfiltertönungen, die die Transmission kurzwelligen sichtbaren Lichtes unterbinden (Wirkungsbereich bei 540, 560, 580 oder 660 nm), können neuerdings verordnet werden für Patienten mit dystrophischen Netzhauterkrankungen, wie beispielsweise einer Retinopathia pigmentosa, um die Blendung zu mindern und die Kontrastwahrnehmung zu erhöhen. Dabei handelt es sich nur um die angeborenen dystrophischen Netzhauterkrankungen, nicht hingegen um die senile Makuladegeneration.


Nicht verordnungsfähig:


Neu aufgenommen:
In Ergänzung des bisherigen Katalogs der nicht verordnungsfähigen Brillengläser unter der Nr. 58 der Richtlinien sind nunmehr angeführt
- asphärischer Brillenglasschliff (ausgenommen die asphärische Gestaltung organischer Lenticular-/Stargläser),
- hochbrechendes organisches Glasmaterial,
- hochbrechende Mineralgläser (ausgenommen für den Versorgungsbereich der Myopie ab -15 dpt bis zu einem Brechungsindex von 1,7),
- hochbrechendes Lenticularglas,
- Brillengläser für die Tätigkeit an Bildschirmarbeitsplätzen
(Mit der Aufnahme dieser Position unter der Nr. 58.10 wird der eingangs bereits erwähnten Bildschirmarbeitsplatz-Verordnung Rechnung getragen),
- Brillenfassungen, ausgenommen Systemträger für Fernrohrlupenbrillen und im Sinne von Körperersatzstücken (Mit der Aufnahme dieser Position unter der Nr. 58.11 wird der gesetzlichen Neuregelung entsprochen, wonach Brillenfassungen ab 1. Januar 1997 als Leistung der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung ausgeschlossen sind).


Hochbrechende Gläser
Für die hochbrechenden Gläser gilt, daß für ihre Wahl vorrangig kosmetische Gründe maßgebend sind. Höherbrechende Brillengläser liefern keine bessere Abbildung, weisen aber den Nachteil auf, durch erhöhte Farbzerstreuung (niedrige Abbe’sche Zahl) Farbsäume in der Peripherie zu bilden. Die höhere Dichte der Gläser macht sie schwerer, insofern ist trotz ihrer geringeren Dicke die Gewichtsersparnis im Verhältnis geringer.
Die Gewichtserleichterung wird ganz vorrangig durch die Wahl von Kunststoffgläsern anstatt Mineralgläsern erzielt.
Nachdem Kunststoffgläser aber immer dicker als mineralische Gläser sind, wird bei Korrekturgläsern für hochgradig Myope die Randdicke eines Kunststoffglases so ausgeprägt, daß für diesen besonderen Versorgungsbereich hochgradig Myoper ab -15 dpt hochbrechendes Mineralglas, allerdings nur bis zum Brechungsindex von 1,7, verordnungsfähig ist.


Gleitsichtgläser
Der Verordnungsausschluß für Gleitsichtgläser galt auch bisher nicht bei Ergänzung zur Kontaktlinse bei Aphakie bis zum 60. Lebensjahr. Gleiches gilt nunmehr auch bei Pseudophakie. Grund hierfür ist, daß die überwiegende Mehrzahl implantierter Linsen (Pseudophakie) nur die Fehlsichtigkeit für die Ferne ausgleicht und über keinen Nahzusatz verfügt.
Gläser und Folien mit prismatischer Wirkung
Für die Verordnung von Gläsern und Folien mit prismatischer Wirkung wird nunmehr eine vorausgehende umfassende orthoptisch-pleoptische Diagnostik gefordert. Grund hierfür ist, daß an die Qualität der Prismenverordnung künftig wesentlich höhere Anforderungen gestellt werden. Darüber hinaus beziehen sich die für ihre Verordnungsfähigkeit vorauszusetzenden Indikationen nicht auf den Ausgleich von Fehlsichtigkeit (ausschließlich Kurzsichtigkeit, Übersichtigkeit und Stabsichtigkeit), sondern auf krankhafte Störungen der beidäugigen Zusammenarbeit. Die diesbezüglichen Indikationen können nur durch eine differenzierte augenärztliche Untersuchung gestellt werden.


Kontaktlinsen


Aniseikonie
Im Bereich der Indikationsstellung für die Versorgung mit Kontaktlinsen ist unter der Nr. 59.1 h) die Aniseikonie nunmehr nach anerkannten reproduzierbaren Bestimmungsmethoden zu sichern und im Ergebnis zu dokumentieren.
Das Wort "Aniseikonie" bedeutet "ungleiche Bilder". Eine Aniseikonie liegt vor, wenn subjektiv mit beiden Augen unterschiedlich große oder unterschiedlich geformte Netzhautbilder wahrgenommen werden. Die Aniseikonien stören das räumliche Sehen. Sie fallen im allgemeinen erst auf, wenn sie Beträge über 5 Prozent annehmen, obwohl die Augen in der Lage sind, bereits Bildgrößenunterschiede von 0,1 bis 0,25 Prozent wahrzunehmen. Auf der anderen Seite werden höhergradige Aniseikonien oftmals gut toleriert. Um möglichem Mißbrauch bei der Diagnosestellung entgegenzuwirken, wurde die Regelung über die Bestimmung der Aniseikonie und ihre Dokumentation aufgenommen.


Kontaktlinsenmaterialien
Aktualisiert wurde der Abschnitt 59.2 über Kontaktlinsenmaterialien in Anpassung an die Materialdifferenzierung im Rahmen der Produktgruppe 25 - Sehhilfen zum Hilfsmittelverzeichnis.


Austauschsysteme/Weichlinsen
Erstmals namentlich angeführt werden die Austauschsysteme als Kontaktlinsen begrenzter Tragedauer für den definierten Indikationsbereich der Notwendigkeit zur Weichlinsenversorgung bei vermehrter Neigung zu Eiweißablagerungen (Jelly bumps).


Nicht verordnungsfähig:
Neu aufgenommen wurde die Nr. 59.6 zu Indikationen, bei denen Kontaktlinsen nicht zu Lasten der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung verordnungsfähig sind. Neben der schon bisher geltenden Ausschlußregelung für Reinigungs- und Pflegemittel sind hier angeführt:
- Kontaktlinsen für die Interimsversorgung nach corneachirurgischen refraktionskorrigierendem Eingriff,
- farbige Kontaktlinsen,
- sog. One-day-Linsen.

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