ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/1997Rückenschmerzen: Nicht unkommentiert hinnehmbar

SPEKTRUM: Leserbriefe

Rückenschmerzen: Nicht unkommentiert hinnehmbar

Hettfleisch, Jürgen

Zu den "Empfehlungen zur Therapie von Rückenschmerzen" durch die Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft, Beilage in Heft 22/1997:
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LNSLNS Hier werden nicht nur medikamentöse Behandlungsstrategien nahegelegt, sondern auch Indikationen für Maßnahmen aus dem Bereich der therapeutischen Lokalanästhesie, der Physikalischen Therapie und insbesondere der Manualtherapie aufgeführt.
Für die Manuelle Therapie beispielsweise wird behauptet: "Manipulationen an der Wirbelsäule . . . sind nur bei akuten Rückenschmerzen (innerhalb der ersten sechs Wochen) indiziert." Dies kann so nicht stehenbleiben. Die Manualtherapie besitzt speziell in der Behandlung von chronischen vertebragenen Schmerzbildern - bei Vorliegen entsprechender funktioneller Störungen - eine herausragende Rolle. Nicht zuletzt deshalb ist sie Bestandteil im Behandlungskonzept chronisch Schmerzkranker und als solche auch in der SchmerztherapieVereinbarung zwischen KBV und VdAK berücksichtigt.
An anderer Stelle wird gefordert, daß Patienten mit computer- oder kernspintomographisch nachgewiesener Raumforderung im Spinalkanal (Bandscheibenvorfall) grundsätzlich in einer Klinik vorzustellen seien. Niedergelassene Orthopäden sind jedoch sehr wohl in der Lage zu entscheiden, welche Fälle ambulant geführt werden können und wann besser stationär zu behandeln ist.
Es muß daher die Frage erlaubt sein, ob an der Ausarbeitung dieser "Empfehlungen" der Arznei­mittel­kommission von seiten der organisierten Manualtherapeuten beziehungsweise Standesvertreter für Physikalische Therapie und/oder konservative Orthopädie überhaupt mitgearbeitet worden ist. Dem Impressum des Schriftstückes ist diesbezüglich nichts zu entnehmen. Falls nicht, so handelt es sich bei diesen Empfehlungen in den Bereichen, die über die pharmakologischen Behandlungsmaßnahmen bei Rückenschmerzen hinausgehen, um die möglicherweise fundierte Privatmeinung von Kollegen, die in Physikalischer Therapie und Manualtherapie nicht weitergebildet und somit auch nicht fachkompetent sind.
Hieraus eine öffentliche Empfehlung abzuleiten, die allen Ärzten Deutschlands zugeschickt wird, ist - abgesehen von der unsachlichen Beurteilung der Manualtherapie und anderer Teilbereiche der konservativen Orthopädie - nicht zuletzt aus forensischen Gründen nicht haltbar und darf von den einschlägigen Fachgesellschaften in dieser Form nicht unkommentiert hingenommen werden.
Dr. med. Jürgen Hettfleisch, Darmstädter Straße 29, 64331 Welterstadt


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