ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/1997Goldstandard bei Kopfschmerzen

POLITIK: Medizinreport

Goldstandard bei Kopfschmerzen

Petersen, Ursula

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LNSLNS Von 165 verschiedenen Kopfschmerz-"Typen" umfassen die Migräne und der Kopfschmerz vom Spannungstyp 92 Prozent. Wissenschaftliche Fachgesellschaften empfehlen zur medikamentösen Therapie der leichten Migräneattacke zunächst ein Mittel gegen Übelkeit wie Metoclopramid und nach einer Pause von 15 Minuten die Einnahme von Acetylsalicylsäure in einer Dosis von einem Gramm. Selbst bei schwereren Formen der Migräne zeigte sich im Vergleich von ASS plus Metoclopramid versus Sumatriptan kein wesentlicher Unterschied in der Wirkung. Wenig bekannt, aber durchaus wirkungsvoll ist die Migräneprophylaxe mit 300 mg ASS oral. Und in der Notfalltherapie erweist sich die intravenöse Gabe von 1 000 mg ASS (Aspisol®) plus Metoclopramid den Serotoninagonisten als ebenbürtig.
ASS wurde jahrelang als "peripheres" Analgetikum im Gegensatz zu "zentral wirkenden" Opioiden bezeichnet. Inzwischen weiß man, daß auch bei ASS ein zentralnervöser Wirkmechanismus auf Rückenmarksebene existiert. Bereits 1 000fach geringere Konzentrationen, wie sie notwendig sind, um einen antinozizeptiven Effekt nach intravenöser (peripherer) Gabe auszulösen, im Liquor spinalis führen zur Verminderung nozizeptiver Reaktionen. Die analgetische Wirkung von ASS erklärt sich eher aus einer multifaktoriellen Wirkung als aus der alleinigen Hemmung der Prostaglandinbildung.
Vorteil von ASS i.v. ist insbesondere, daß das Medikament keine gefäßverengende Wirkung aufweist und damit auch bei Gefäß- und neurologischen Patienten problemlos applizierbar ist. Aufgrund dieser Vorteile wird ASS heute als Medikament der ersten Wahl zur Therapie leichter Migräneattacken eingesetzt. ASS kann somit als Goldstandard in der Therapie primärer Kopfschmerzen angesehen werden, an dem neue Migränemittel gemessen werden müssen. Ursula Petersen

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