ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/1997Amöbenruhr und Amöbenleberabszeß: Fehler unterlaufen

MEDIZIN: Diskussion

Amöbenruhr und Amöbenleberabszeß: Fehler unterlaufen

Schmauz, Rolf

Zu dem Beitrag von Dr. med. Jan van Lunzen Priv.-Doz. Dr. med. Egbert Tannich Priv.-Doz. Dr. med. Gerd-Dieter Burchard in Heft 51 - 52/1996
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LNSLNS Den Autoren sind meines Erachtens in ihrem Artikel, der neue Aspekte der Pathogenese und diagnostischer Methoden im Labor vorstellt, bei der Darstellung der Pathologie Fehler unterlaufen. Zu dem in einer Grafik abgebildeten Algorithmus zur Diagnostik von Entamoeba histolytica bei asymptomatischen Patienten und der daraus gefolgerten Therapie ergeben sich für mich Vorbehalte. Ferner möchte ich fragen, wo in der Diagnostik die neuen immunhistochemischen und molekularbiologischen Nachweisverfahren Anwendung finden könnten.
Es ist nicht richtig zu schreiben,
¿ "die Amöbenkolitis sei makroskopisch gekennzeichnet durch Ulzerationen . . . ". Bei Amöbencolitis können auch weniger ausgeprägte Veränderungen auftreten, nämlich nur Ödem und als nächstes Stadium Erosionen der Schleimhaut.
À "Mikroskopisch erkenne man . . . Der Gewebsdefekt sei gekennzeichnet durch eine Infiltration der Lamina propria und reiche meist bis in die Muscularis mucosae". Bei einem Gewebsdefekt können allenfalls dessen Ränder entzündlich infiltriert sein, nicht aber der Gewebsdefekt selber. Nur wenn es sich um Erosionen handelt, ist er auf die Schleimhaut beschränkt und reicht nicht tiefer als bis zur M. mucosae. Ulzerationen reichen bis in die Submucosa und tiefer.
Á "In seltenen Fällen komme es zu einer chronischen granulomatösen Entzündungsreaktion, die als Tumor imponiert (Amöbom)". Eine granulomatöse Entzündung wird bei Amöbeninfektionen nicht beobachtet, das als Tumor imponierende Amöbom besteht aus entzündlichem Granulationsgewebe.
 Die Autoren versäumen es hervorzuheben, daß E. histolytica nicht nur in der Leber, sondern allgemein und insbesondere auch im Kolon eine Gewebszerstörung herbeiführt, indem sich eine Gewebsnekrose entwickelt.
Ist es wirklich vertretbar, wie in der Grafik dargestellt, bei Nachweis von E. dispar nicht zu behandeln? Warum diesen Einzeller, der ungewöhnlich ist, nicht beseitigen, auch wenn er apathogen ist? Inwieweit ist eine geringe Pathogenität sicher ausgeschlossen?
Schließlich sei noch angemerkt, daß Immunhistochemie und PCR auch in der feingeweblichen Diagnostik Verwendung finden können. Nicht immer lassen sich die Trophozoiten von E. histolytica von Histiozyten oder histiozytenähnlichen Zellen unterscheiden. Bei Obduktionsmaterial führt die Autolyse noch zusätzlich zu Veränderungen an der Darmschleimhaut, die einer Nekrose wie bei invasiver Amöbiasis sehr nahe kommen. Eine Gutachtensektion ist mir bekannt, bei der ein solcher Befund im Darm als "vereinbar mit Amöbiasis" eingestuft wurde. Obwohl zu Lebzeiten spezifisch therapiert worden war, kam es zu einem positiven Bescheid.


Priv.-Doz. Dr. med. Rolf Schmauz
Postfach 1751
26857 Papenburg


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