ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/1997Lokale Peritonitistherapie: Spülbehandlung mit Taurolidin

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Lokale Peritonitistherapie: Spülbehandlung mit Taurolidin

Gabler-Sandberger, E.

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LNSLNS Die Behandlung der meist durch Organperforation hervorgerufenen sekundären Peritonitis erfordert ein umfassendes Konzept, das neben der operativen Sanierung des Herdes und gründlichen Spülung des Bauchraumes die weitere Reduktion der verbleibenden Bakterien und ihrer Toxine berücksichtigt. Die zunächst lokalisierte bakterielle Entzündung entwickelt sich zur generalisierten, lebensbedrohlichen Sepsis mit Multiorganversagen, wenn es nicht gelingt, den Prozeß der überschießenden Entzündungsreaktion mit Aktivierung zahlreicher Mediatoren und massivem Einstrom von Entzündungszellen rechtzeitig zu stoppen.
Bei intraabdominellen Infektionen sind typischerweise die Erreger beteiligt, die aus dem defekten Organ in die Bauchhöhle ausgetreten sind. Im Vordergrund stehen dabei E. coli und Bacteroides spp. Die pathogene Rolle der En-terokokken ist bislang ungeklärt. Die Kombination des Cephalosporins Cefotaxim in Kombination mit Metronidazol sowie die Dreierkombination von Cefotaxim, Ofloxacin und Metronidazol hat sich in der systemischen Antibiotikatherapie bei Abdominalinfektionen bewährt (G. J. Winkeltau, Aachen).
J. Focht und K. Nösner stellten auf dem Chirurgenkongreß in München fest, daß das zur lokalen Spülbehandlung von Körperhöhlen eingesetzte Taurolidin - ein Derivat der endogenen Aminosäure Taurin - gegenüber bakteriellen Isolaten von intraabdominellen Infektionen die niedrigste Resistenzrate aufweist. Bislang liegen keine Beobachtungen für eine sekundäre Resistenzentwicklung gegen Taurolidin vor. Taurolidin tötet auch Candida spp. ab, die in den letzten Jahren als Erreger nosokomialer abdomineller Infektionen immer mehr Bedeutung erlangt haben. Das bakterizide und fungizide Wirkspektrum von Taurolidin wird durch seine Toxinneutralisierende Wirkung erweitert.
Bakterizide
Wirkung
Die Inaktivierung der toxischen Lipopolysaccharide gramnegativer Bakterien und der Exotoxine grampositiver Bakterien ist ein wesentlicher Schritt zur Unterbrechung der Aktivierung der verschiedenen Entzündungsmediatoren, die letztlich für die tödliche, überschießende Media-torfreisetzung und das Multiorganversagen im septischen Schock verantwortlich sind (H. B. Reith, Würzburg, K. H. Staubach, Lübeck).
Taurolin Ringer® 0,5 Prozent enthält den Wirkstoff Taurolidin, das durch chemische Modifikation aus der endogenen Aminosäure Taurin gewonnen wird. Die Abtötung der Infektionserreger erfolgt relativ langsam innerhalb von 20 bis 30 Minuten. Die bakterizide Wirkung von Taurolidin wird auf eine Interaktion mit den Muramylpeptiden der Bakterienzellwand mit Übertragung von Methylolgruppen zurückgeführt. Taurolidin wird dabei zu CO2 und verschiedenen Metaboliten sowie der endogenen Aminosäure Taurin abgebaut.
Reduktion
der Zytokine
Die irreversible Schädigung der Bakterien geht nicht mit einer Freisetzung von Endotoxin aus gramnegativen Bakterien oder von Exotoxinen aus grampositiven Bakterien einher. Bereits freigesetztes Endotoxin und Exotoxine werden durch die Interaktion mit Taurolidin komplexiert und so unschädlich gemacht. Die Arbeitsgruppe von Charles A. Dinarello (Harvard-Universität, Boston) konnte belegen, daß die durch das biologisch aktive Molekül des Endotoxins, Lipid A (LPS), in Makrophagen induzierte Synthese der proinflammatorischen Zytokine Tumornekrosefaktor und Interleukin-1 durch Taurolidin in Konzentrationen von 40 bis 100 mg/l um 80 bis 90 Prozent reduziert wird. Bei Bauchinfektionen, die laparoskopisch sanierbar sind, werden ebenfalls lokale Spülmaßnahmen zur Reduktion der Infektionserreger und ihrer Toxine eingesetzt (G. Görtz). Weitere Anwendungsbereiche von Taurolin® sind die Saug-Spül-Behandlung von Pleuraempyemen (R. Bieselt, Münster) und die intraoperative Spülung des Wundbereiches bei gefäßchirurgischen Eingriffen (H. Zühlke et al.).
Von großem Interesse ist die Beobachtung von C. A. Jacobi (Berlin), der im Rattenmodell nachweisen konnte, daß Taurolidin das Angehen von Kolonkarzinomzellen und die Metastasenbildung stärker hemmt als Heparin und mit diesem eine synergistische antitumorale Wirkung entfaltet.
Dr. E. Gabler-Sandberger
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