ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/1997Börsebius zu Bankenfusionen: Schöne Bräute, fette Beute

VARIA: Schlusspunkt

Börsebius zu Bankenfusionen: Schöne Bräute, fette Beute

Rombach, Reinhold

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Die Bayernhypo und die Bayerische Vereinsbank gehen zusammen. Eine Information, die sich so gelesen trocken und nüchtern anhört. Gleichwohl hat diese Meldung die Börse in Spekulationstaumel versetzt.
Die Gedankenkreisel drehten sich daraufhin immer schneller. Wenn die in München jetzt fusionieren, so die Überlegungen, dann könnte doch auch die Deutsche Bank nachlegen, oder gar die Dresdner bei den Bayern miteinsteigen, und war da nicht noch die Commerzbank, die schon lange als heißer Übernahmekandidat gehandelt wird?
Egal, welche Konstellation ausgedacht wurde, an der Börse sind seitdem eklatante Kurssprünge in Finanzwerten zu vermelden. Die Deutsche Bank sprang alleine in einer einzigen Börsensitzung um 14 Prozent nach oben, die Allianz schloß nicht minder um satte 30 Zähler auf 490 DM. Die beiden designierten Heiratskandidaten Bayernhypo und Vereinsbank brillierten mit ebenfalls markanten Zuwächsen.
Mit der Münchner Hochzeit entsteht die zweitgrößte deutsche Geschäftsbank quasi aus der Retorte, soweit die Haupt­ver­samm­lungen der beiden Institute dem zustimmen, was aber ernsthaft nicht bezweifelt werden kann. Nach der per Ende 1996 addierten Bilanzsumme von 743 Milliarden DM zeigt sich die gewaltige Dimension der Mammutfusion, lediglich die Deutsche Bank kann "nur" 143 Milliarden DM mehr in die Waagschale werfen.
Freilich soll die neue Bank nicht durch Größe auffallen, sondern durch Effizienz, oder, wie es HypoVorstandssprecher Eberhard Martini ausdrückte, als "Bank neuen Typs". Im übrigen macht die Fusion durchaus Sinn, ist gewissermaßen sogar genial. Wer in Bayern und besonders in München sah, wie dicht die Filialen der beiden Institute aufeinanderhockten, dem mag schnell einleuchten, welche Kosten sich durch eine Heirat sparen lassen, der Wegfall von Arbeitsplätzen freut die Börsianer eh.
Bei alledem wird gleichwohl leicht übersehen, daß in den Tagen vor den Bankenfusionsnachrichten die Börsenindizes zum Teil erhebliche Schwächeanfälle verzeichneten. Der Dow Jones fiel an einem Tag um 130 Punkte, und auch der DAX ging mit mehr als 80 Punkten in den Keller. Wenn auch die Börse so reagiert wie mancher potentieller Infarktpatient, der Störungen einfach nicht ernst nimmt, sollte der Anleger durchaus nicht alle Exzesse mitmachen. Wer Bankaktien im Depot hat, ich habe leider keine, kann dies durchaus als verfrühtes Weihnachtsgeschenk einbuchen. Ob als Buchgewinn oder Realzuwachs, muß jedem selbst überlassen bleiben. Börsebius
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote