ArchivDeutsches Ärzteblatt33/1997Private Kran­ken­ver­siche­rung: Standard-Kontrollen

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Private Kran­ken­ver­siche­rung: Standard-Kontrollen

Dtsch Arztebl 1997; 94(33): A-2089 / B-1770 / C-1580

Clade, Harald

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LNSLNS Bei der Suche nach neuen Methoden zur Kostendämpfung und zur Leistungsabrechnungskontrolle wird die private Kran­ken­ver­siche­rung (PKV) immer erfindungsreicher: Bei der Jubelfeier zum 50. Geburtstag des PKV-Verbandes in Bonn wurde in einer Handlungsanleitung empfohlen, künftig die Preise der Leistungserbringer noch strenger zu kontrollieren und auf ihre Leistungsgerechtigkeit hin zu überprüfen. Der Vorstandsvorsitzende des Krösus der Branche, Dr. jur. Jan Boetius, DKV, empfiehlt, Fachgesellschaften der Ärzte und die private Kran­ken­ver­siche­rung sollten künftig ein standardisiertes externes Abrechnungsverfahren (anstelle privatärztlicher und gewerblicher Verrechnungsstellen) in Gang setzen und "ein gemeinsam kontrolliertes und gemeinsam getragenes Abrechnungsunternehmen" aufbauen. Dadurch könnten die Abwicklung von Privatliquidationen erleichtert und den Manipulationen von Fehl- und Zuhochabrechnern ein Riegel vorgeschoben werden. Zunächst wolle man dieses ominöse Projekt mit einem ärztlichen Fachverband testen, ehe man den Zuspruch aller Ärzte zu erheischen versucht.
Ausgerechnet DKV-Chef Boetius, der sonst auch gerne über Einkaufsmodelle à la Health Maintenance Organizations laut nachdenkt und sie der Politik offeriert, will die Ärzte dabei in Form einer gewerblichen GmbH in ein Boot mit der PKV bringen - quasi als Interessen- und Notgemeinschaft zur Kostendämpfung.
Daß dieses nicht ganz ohne Hintergedanken lanciert wird, darauf läßt das aktualisierte Standpunktepapier der PKV schließen. Darin wird den Versicherungen empfohlen, die Leistungsabteilungen personell zu verstärken, um die Rechnungen noch schärfer zu kontrollieren. In strittigen Einzelfällen sollen sich die Unternehmen die Ansprüche der Versicherten abtreten lassen und dann den Rechtsweg bis zur letzten Instanz durchfechten mit dem Ziel, drastisch zu kürzen und Ansprüche abzuwehren. So sollen weiter "nicht leistungsgerechte Forderungen, insbesondere bei der Wahlleistung Ein- und Zweibettzimmer" unternehmensübergreifend geprüft und gegebenenfalls die Zahlung verweigert werden. Ganz im Sinne der PKV-Spar- politik sollen künftig noch mehr die Billig-/Standardtarife propagiert werden - auch mit Hilfe von Ärzte-Sonderlisten, in denen solche Therapeuten aufgeführt werden, die die Leistungsobergrenzen und sonstige Konditionen im Rahmen solcher speziell für Senioren entwickelter Tarife beachten. Zur Abrundung des Ganzen sollen vermehrt Tarife mit Liquidationsobergrenzen entwickelt und angeboten werden. Mit den Ärzten und sonstigen Leistungserbringern soll direkt verhandelt werden, was an das "Divide et impera!" erinnert. Auch soll eine größere Differenzierung des GOÄ-Multiplikators erreicht werden. Preislisten soll es auch für die "tarifliche Absicherung der Behandlungskosten von Heil-Hilfsberufen sowie im Bereich der zahntechnischen Leistungen" geben. Frage: Wer bietet mehr, die PKV oder die GKV? Dr. Harald Clade
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