ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2010Betablocker reduzieren die Metastasenbildung

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Betablocker reduzieren die Metastasenbildung

Dtsch Arztebl 2010; 107(14): A-630 / B-550 / C-542

EB

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LNSLNS Die Behandlung von Brustkrebspatientinnen mit Betablockern kann die Metastasierung reduzieren und somit die Überlebensrate verbessern, wie Dr. Desmond Powe (Universität Nottingham) und Prof. Dr. Frank Entschladen (Universität Witten/Herdecke) im „European Journal of Cancer“ (EJC Supplements 2010; 8(3): 188) berichten. Die Forscher haben die Krankheitsdaten von Mammakarzinom-Patientinnen analysiert und in drei Gruppen aufgeteilt: Eine Gruppe, die aufgrund von Bluthochdruck bereits mit Betablockern behandelt wurde, eine zweite, deren Hypertonie mit anderen Wirkstoffen behandelt wurde, und eine dritte ohne jegliche Antihypertonikatherapie.

Von insgesamt 466 Patientinnen nahmen 43 Betablocker ein. In dieser Gruppe bildeten sich deutlich weniger Fernmetastasen (p = 0,03) und lokale Rezidive (p = 0,003) aus. Insgesamt hatten diese Patientinnen im Vergleich mit den anderen Teilnehmerinnen der Studie ein um 71 Prozent reduziertes Risiko, an Brustkrebs zu sterben (p = 0,007; hazard ratio: 0.288). Die Ergebnisse wurden kürzlich auf der siebten Europäischen Brustkrebskonferenz (EBCC7) in Barcelona vorgestellt. „So deutliche Aussagen kommen nur bei wenigen Studien zustande“, erläutert Entschladen, „deshalb sind wir sehr neugierig, ob wir dieses Ergebnis in einer künftigen, größeren Studie und auch bei anderen Krebsarten bestätigen können.“

Frühere Laboruntersuchungen hatten bereits gezeigt, dass Betablocker gegen verschiedene Krebsarten wirksam sind. Bekannt ist auch der Mechanismus: „Tumorzellen können besonders dann gut und schnell wachsen sowie Metastasen bilden, wenn die Konzentration der Stresshormone im Körper hoch ist. Die Betablocker verhindern dann, dass die Katecholamine an den Tumorzellen andocken können. Es sei möglich, dass auch Frauen ohne Bluthochdruck auf die Behandlung mit Betablockern ansprechen, obwohl Dosis und Nebenwirkungen in klinischen Studien untersucht werden müssten, so Entschladen: „Wir müssen auch schauen, ob Betablocker als zusätzliche Therapie in vorhandene Therapien für Brustkrebs eingebunden werden können.“

Zudem gebe es einen Betablocker-Subtyp, den Beta-2-Blocker, der zwar keine blutdrucksenkende Wirkung habe, aber in Laborexperimenten ebenfalls gut antitumorös funktioniere. Bislang sei dieser aber noch nicht als Arzneiwirkstoff zugelassen. EB
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