ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2010Gesundheitsfachberufe: Bessere Versorgung durch Kooperation

POLITIK

Gesundheitsfachberufe: Bessere Versorgung durch Kooperation

Dtsch Arztebl 2010; 107(14): A-633 / B-553 / C-545

Gerst, Thomas

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Bei der Versorgung chronisch Kranker sollte es künftig mehr interprofessionelle Zusammenarbeit geben. Foto: ddp
Bei der Versorgung chronisch Kranker sollte es künftig mehr interprofessionelle Zusammenarbeit geben. Foto: ddp
Der Fachkräftemangel und der Stand der Zusammenarbeit waren Themen der 22. Konferenz der Fachberufe im Gesundheitswesen bei der Bundes­ärzte­kammer.

Möglicherweise ist dies der geeignetste Weg zu einem besseren Miteinander der Gesundheitsberufe in der ambulanten Versorgung: Am 24. April wird die Bundes­ärzte­kammer in Berlin eine interprofessionelle Fortbildungstagung veranstalten zum Thema „Versorgung des chronischen Schlag-anfallpatienten – wie können unterschiedliche Berufsgruppen zum Wohle des Patienten effektiv zusammenarbeiten?“. Ärzte, Medizinische Fachangestellte, Ergotherapeuten, Logopäden, Diätassistenten, Orthoptisten, Physiotherapeuten und Pflegeberufe werden ihre Perspektive auf dieses Krankheitsbild darstellen und sich insbesondere mit der gemeinsamen Langzeitversorgung von Schlaganfallpatienten in ihrem häuslichen Umfeld befassen.

Vorgestellt wurde diese Fortbildungsveranstaltung auf der 22. Konferenz der Fachberufe im Gesundheitswesen, zu der am 10. März Vertreter von 40 Berufsverbänden bei der Bundes­ärzte­kammer (BÄK) zusammenkamen. Ein wichtiges Thema war der Fachkräftemangel, der nicht allein die ärztliche Versorgung betrifft, sondern auch in der Pflege bereits deutlich spürbar ist. „In ländlichen Regionen bleiben Arztsitze unbesetzt, Krankenhausärzte fehlen, und in der pflegerischen Versorgung herrscht Personalknappheit bei gleichzeitig weiter steigender Arbeitsbelastung“, warnte Dr. med. Cornelia Goesmann, BÄK-Vizepräsidentin. Die Vertreter der Gesundheitsfachberufe appellierten deshalb an die Politik, die Arbeits- und Vergütungsbedingungen der Gesundheitsberufe sowie die Personalschlüssel zu verbessern, damit die Arbeitsplätze für Berufseinsteiger wieder attraktiver werden.

Weniger offensiv als in den vergangenen Jahren wurde auf der Konferenz die Forderung nach mehr Kompetenzen für die Fachberufe durch die Substitution ärztlicher Tätigkeiten laut. Etwas -ausführlicheren Diskussionsbedarf gab es anlässlich der Vorstellung des BÄK-Fortbildungscurriculums „Nicht-ärztliche Praxisassistentin“. Dergestalt fortgebildete Medizinische Fachangestellte (MFA) dürfen künftig delegierbare Leistungen bei den Patienten zu Hause erbringen. Hier wurde kritisch nachgefragt, warum man bei dem Thema Arztentlastung lediglich die MFA im Blick gehabt habe. Sinnvoller wäre es doch gewesen, im Bedarfsfall die jeweils qualifizierten Gesundheitsfachberufe hinzuzuziehen.

Schleppende Umsetzung der Modellvorhaben
Vertreter der Pflege kritisierten, dass dort, wo Praxisassistenten die Wundversorgung bei den Patienten zu Hause übernehmen, Konkurrenz zu den ambulanten Pflegediensten entstehen könnte. Die BÄK-Vizepräsidentin suchte solche Befürchtungen zu zerstreuen. Es gehe vor allem um das „direkte Reagieren auf neue Sachverhalte“, betonte Goesmann. Bei Auffälligkeiten im häuslichen Umfeld der Patienten, zum Beispiel bei Sprache oder Bewegung, müssten die jeweiligen Spezialisten hinzugezogen werden. Zudem wurde betont, dass im Rahmen der Praxisassistenz eine kontinuierliche Wundversorgung gar nicht möglich sei; diese müsse weiterhin der ambulante Pflegedienst übernehmen.

Thema der Fachberufekonferenz war auch der Stand der schleppenden Umsetzung der seit 2008 in § 63 SGB V verankerten Modellvorhaben, bei denen ärztliche Tätigkeiten auf die Physiotherapeuten und die Pflegeberufe übertragen werden sollten. Für die Pflege soll der G-BA in Richtlinien festlegen, bei welchen Tätigkeiten eine Übertragung der Heilkunde im Rahmen von Modellvorhaben erfolgen soll. Hierzu hat ein G-BA-Unterausschuss Ende 2009 die Beratungen aufgenommen. Während die Vertreter der Ärzte dort weiterhin die Substitution ärztlicher Tätigkeiten ablehnen und die Letztverantwortung auf dem Weg der Delegation beim Arzt belassen wollen, hat die Deutsche Krankenhausgesellschaft inzwischen einen Katalog von Tätigkeiten, die Angehörige der Pflegeberufe im Krankenhaus eigenverantwortlich ausüben sollen, in die Verhandlungen eingebracht.
Thomas Gerst
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