ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2010Ambulante Rehabilitation: Trotz Hürden ein Erfolgskonzept

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Ambulante Rehabilitation: Trotz Hürden ein Erfolgskonzept

Dtsch Arztebl 2010; 107(14): A-634 / B-554 / C-546

Hibbeler, Birgit

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LNSLNS Der Anteil der ambulanten Rehabilitation ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Doch das Potenzial der wohnortnahen Versorgung ist noch lange nicht ausgeschöpft.

Das Prinzip „ambulant vor stationär“ hat sich in vielen Bereichen des Gesundheitswesens durchgesetzt. Eine Ausnahme bildet die medizinische Rehabilitation. So entfallen nur etwa fünf Prozent der Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen in diesem Bereich auf ambulante Behandlungen (ohne Vorsorgeleistungen). Bei der Deutschen Rentenversicherung (DRV) finden rund zehn Prozent der Rehabilitationsleistungen ambulant statt.

Die Zufriedenheit der Patienten ist in ambulanten Einrichtungen mit der in Rehakliniken vergleichbar. Foto:Vario
Die Zufriedenheit der Patienten ist in ambulanten Einrichtungen mit der in Rehakliniken vergleichbar. Foto:Vario
Dabei sind sich eigentlich alle einig, dass diese Zahlen noch gesteigert werden können. Bei der ambulanten Rehabilitation sei noch keine Sättigung erreicht, erklärte Dr. Axel Reimann, Direktor der DRV Bund beim IIR Reha-Kongress in München. Der Anteil könne bei der DRV in den kommenden Jahren auf bis zu 30 Prozent wachsen. Allerdings, so Reimann, eigne sich die ambulante Rehabilitation nicht für alle Indikationen. Gute Erfahrungen habe man in der Orthopädie gemacht. Bei onkologischen Erkrankungen hingegen sei das Herauslösen aus der häuslichen Umgebung mitunter positiv und die Akzeptanz bei den Versicherten außerdem gering.

Die ambulante Reha ist nicht nur bis zu 30 Prozent billiger als die stationäre. Die Behandlung ist der in Kliniken gleichwertig. Das geht aus Erhebungen der DRV für die Orthopädie hervor. In ambulanten Einrichtungen liege die Zahl der Therapieeinheiten je Patient sogar über der in Kliniken, wie Hubert Seiter, Vorsitzender der Geschäftsführung der DRV Baden-Württemberg erläuterte. Dabei müsse man aber bedenken, dass die Rehabilitanden im ambulanten Setting jünger seien. Bei der Patientenzufriedenheit gebe es keine Unterschiede.

Reha auf die Bedürfnisse der Patienten ausrichten
Wieso also ist der Anteil der ambulanten Rehabilitation immer noch vergleichsweise gering? Wenn diese Frage aufkommt, sieht sich die DRV immer wieder dem Vorwurf ausgesetzt, die Patienten bevorzugt in eigene stationäre Einrichtungen zu schicken. Für Seiter haben jedoch sowohl stationäre als auch ambulante Angebote ihre Berechtigung. Entscheiden müsse man nach den Bedürfnissen des Rehabilitanden. Die Wunsch- und Wahlrechte der Versicherten seien zu berücksichtigen. Die Zukunft sieht er in der Mischung – also etwa in einer stationären Auszeit, gefolgt von einer wohnortnahen Weiterbehandlung. „Ich glaube, dass sich die Kombination aus stationären und ambulanten Angeboten zum Goldstandard entwickeln wird“, sagt Seiter.

Welche Form der Rehabilitation eignet sich für einen Patienten? Die Antwort darauf sollte anhand nachvollziehbarer Kriterien erfolgen. „Wir brauchen vernünftige Assessments, um zu entscheiden, welcher Rehabilitand wo am besten aufgehoben ist“, fordert Dr. med. René Toussaint, Ärztlicher Geschäftsführer der Medica-Klinik in Leipzig, eine der größten ambulanten Rehaeinrichtungen in Deutschland.

Kooperation mit Betrieben und Ärzten vor Ort
Die Vorteile der ambulanten Rehabilitation liegen für Toussaint auf der Hand: „Die ambulanten Einrichtungen sind vor Ort und können viel besser mit den Niedergelassenen und Betriebsärzten zusammenarbeiten.“ Außerdem könnten sie Nachsorgeprogramme anbieten. Auch was die Kooperationsmöglichkeiten mit Akutkrankenhäusern angehe – zum Beispiel in Form von gemeinsamen Visiten – seien die ambulanten Zentren überlegen. Wichtig ist es nach Ansicht Toussaints, dass die Behandlungskonzepte flexibler werden. Ein Beispiel dafür sei die Rehabilitation in Intervallen. Nicht alle Patienten bräuchten drei Wochen Reha am Stück. Wo nötig, solle aber auch eine längere Behandlung möglich sein. Hierzu bestehe weiterer Forschungs- und Evaluierungsbedarf.

Die ambulante Rehabilitation habe sich bei orthopädischen Erkrankungen gut entwickelt. Potenziale sieht Toussaint aber noch in den Bereichen Kardiologie und Neurologie. Auch die Akzeptanz der ambulanten psychosomatischen Rehabilitation habe zugenommen. Ein Hindernis für die Rehabilitation sieht Toussaint im Antragsverfahren der Krankenkassen. Dieses sei zu bürokratisch.
Dr. med. Birgit Hibbeler
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