SPEKTRUM: Leserbriefe

Glosse: Antikirchlich

Rixen, Stephan

Zu der Glosse "Moral von oben" von Heinz Knapp in Heft 23/1997 ging uns eine ganze Reihe von Leserbriefen zu, von denen einige in den Heften 26/1997 und 27/1997 veröffentlicht wurden. Wir beenden die Diskussion mit der Veröffentlichung weiterer Zuschriften sowie einem Schlußwort des Autors:
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LNSLNS Gespeist von einem zeitgeistsynchronen antikirchlichen Affekt, versucht der Autor die Äußerung des Kölner Erzbischofs Kardinal Meisner in Sachen Hirntod und Transplantation als Gerede abzutun. Frei von genauer Kenntnis der Debatte übersieht der Autor dabei namentlich das Folgende:
Als Kardinal steht der Kölner Erzbischof in einem kirchenrechtlich gesicherten besonderen Treueverhältnis zum Papst. Es ist anzunehmen, daß der Kardinal in der fundamentalen Frage des menschlichen Todes nicht ohne pontifikale "Rückendekkung" gehandelt hat.
Es ist bemerkenswert, daß weder im neuen Welt-Katechismus der katholischen Kirche noch in der päpstlichen Enzyklika "Evangelium vitae" (über den Schutz menschlichen Lebens) der Hirntod erwähnt wird. Wäre er als "reales Zeichen des Todes", wie ihn der Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenz, Bischof Lehmann, qualifiziert, theologisch so unumstritten, dann hätte der Papst sich zum Hirntod gewiß in gleicher Weise geäußert. Er hat dies nicht getan.
Wie aus kurialen Kreisen verlautet, berät die "Päpstliche Akademie für das Leben" neu über die normative Bedeutung des HirntodZustands. Das kann nicht verwundern, zeigt vielmehr, daß die im katholischen Erwachsenen-Katechismus für Deutschland in der Sache bestätigte Festlegung der deutschen Bischöfe auf die Gleichung "Hirntod gleich Tod des Menschen" verfrüht erfolgt ist.
Wer sich berufen fühlt, theologische Aspekte einer politischen Entwicklung polemisch zu kommentieren, sollte die theologischen Aspekte einer konkreten politischen Lage kennen. Der Autor der mißratenen Glosse kennt sie nicht.
Stephan Rixen, Ethik-Zentrum der Universität Tübingen, Keplerstraße 17, 72074 Tübingen
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