ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2010Klassifikation: Viele Stolpersteine
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Umfänglich handelt der Autor die Entstehungsgeschichte der weithin ungeliebten und für die Versorgung des einzelnen Patienten vollkommen nutzlosen Codes ab.

Was fehlt, ist jedoch die Angabe der Beschwerdestelle, bei der auch der einzelne codierverpflichtete Arzt aus der täglichen Praxis seine Vorschläge zur Aktualisierung und Anpassung machen kann. Der Verweis auf die Ärzteverbände bringt da wenig, diese haben auch anderes und Wichtigeres zu tun, als ihre Ressourcen mit der Weiterleitung solcher Eingaben zu vergeuden. Denn weder der einzelne Arzt noch der Patient noch die Ärzteverbände haben einen direkten Nutzen von der ICD-Codierung. Dieser liegt einzig in der Vereinfachung der Abrechnung für die Kassen und in der Systematisierung für wissenschaftliche Belange! Der Nachweis eines eindeutigen Nutzens für die Patienten im Sinne der Evidence based Medicine steht meines Wissens aus. In dieser Hinsicht ist die breite Anwendung der ICD-Codierung sogar abzulehnen!

In der Praxis erheben sich immer wieder Stolpersteine. So vermisse ich für die Vielzahl der dicken Kinder und Jugendlichen die Möglichkeit, Adipositas zu verschlüsseln („ . . . nur für Patienten über 18 Jahre . . . “). Und das Mammakarzinom beim Mann mit nachfolgendem Lymphödem mag zwar 100-mal seltener als bei der Frau sein („C50.9“ beziehungsweise „I97.2 üblicherweise nur bei weiblichen Patienten abrechenbar“). Aber bei ca. vier bis 500 Neuerkrankungen/Jahr in Deutschland muss es weitaus häufiger codiert werden als zum Beispiel der Strahlenunfall (W91.9), die zehn Varianten einer Frambösie (A66.0 bis A66.9) oder einer moskitoübertragenen Enzephalitis (A83.0 bis A83.9) oder viele andere, hier praktisch nicht vorkommende Entitäten.
Dr. med. Andreas See,
35088 Battenberg-Dodenau
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