ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2010Forschungsprojekt Med-on@ix: Telemedizin im Rettungswesen

TECHNIK

Forschungsprojekt Med-on@ix: Telemedizin im Rettungswesen

Dtsch Arztebl 2010; 107(14): A-668 / B-582 / C-574

Naß, Eric; Renno, Christian; Rörtgen, Daniel; Skorning, Max

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LNSLNS In Aachen wird ein System zur präklinischen Notfallversorgung erprobt, bei dem das Rettungsdienstpersonal vor Ort durch eine Telenotarztzentrale unterstützt wird.

Einerseits steigt in unserer alternden Gesellschaft die Anzahl von Notarzteinsätzen kontinuierlich an. Andererseits nimmt der Mangel an Notärzten so weit zu, dass in manchen Landkreisen die flächendeckende Versorgung bereits gefährdet ist. In Anbetracht der Funktionalitäten, die zum Beispiel ein privat genutztes Smartphone bietet, muss zudem die derzeit überwiegend im deutschen Rettungsdienst verwendete Informations- und Telekommunikationsstruktur (Analogfunk) als rückständig beziehungsweise nicht mehr zeitgemäß bezeichnet werden.

Eine gute Praktikabilität und hohe Zuverlässigkeit stellenbei der komplexen Systementwicklung eine große Herausforderung dar.
Eine gute Praktikabilität und hohe Zuverlässigkeit stellen
bei der komplexen Systementwicklung eine große Herausforderung dar.
Vor diesem Hintergrund entstand in Aachen ein interdisziplinäres Forschungskonsortium. Gefördert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie im Förderprogramm SimoBIT (www.simobit.de) wird unter dem Titel „Med-on-@ix“ ein innovatives telemedizinisches Unterstützungssystem für die präklinische Notfallversorgung entwickelt. Dieses ermöglicht dem ärztlichen oder nichtärztlichen Rettungsdienstpersonal vor Ort jederzeit den Kontakt zu einem erfahrenen Notfallmediziner per Telekonsultation. Zwei Rechtsgutachten, die zu Projektbeginn in Auftrag gegeben wurden, bestätigen, dass der Einsatz von Telemedizin im Rettungsdienst grundsätzlich rechtmäßig ist. Nachdem erste positive Erfahrungen im Rahmen von zwei Simulationsstudien gesammelt werden konnten, wird das Telemedizinsystem derzeit in der Stadt Aachen für die Dauer eines Jahres auf einem Notarztwagen circa 40 Stunden/Woche erprobt und evaluiert.

Kernelement des Projekts „Med-on-@ix“ bildet die Telenotarztzentrale, ein mit erfahrenen Notfallmedizinern besetztes Kompetenzzentrum. Der Telenotarzt erhält durch speziell konzipierte mobil- und medizintechnische Lösungen sämtliche Vitaldaten in Echtzeit, hochauflösende Bilder, etwa von Arztbriefen und Medikamentenlisten, sowie Videostreams vom Einsatzort beziehungsweise aus dem Rettungswagen. Außerdem stehen ihm eine Software zur leitliniengerechten Patientenbehandlung sowie der Online-Zugriff zu anderen sinnvollen Unterstützungsmöglichkeiten (wie Rote Liste, Giftnotrufzentralen) zur Verfügung. Hierdurch kann der Telenotarzt die Rettungskräfte am Einsatzort optimal unterstützen.

Durch Implementierung des Systems lassen sich die in der Praxis vielfach beklagten Schnittstellenprobleme zwischen präklinischer und stationärer Versorgung minimieren. So werden dem später angefahrenen Krankenhaus bereits vorab umfassende und systematisierte patientenbezogene Informationen durch den Telenotarzt elektronisch übermittelt. Hierdurch lässt sich ein durchgängiger Informationsfluss entlang der Rettungskette zum Wohle des Notfallpatienten gewährleisten. Gleichzeitig unterstützen das elektronische Dokumentationssystem beziehungsweise die darüber generierte Datenmenge und -qualität eine verbesserte Einsatzevaluierung und ein umfassenderes Qualitätsmanagement.

Vor allem in Gebieten mit geringer Notarztdichte vermag Med-on-@ix zur Aufrechterhaltung einer funktionierenden flächendeckenden Versorgung beizutragen. Trotz der vielfältigen Potenziale hinsichtlich der Organisation einer effizienteren und effektiveren präklinischen Versorgungsstruktur bleibt eine schnelle Umsetzung in den Regelrettungsdienst aufgrund gesundheitssystemimmanenter Hürden fraglich. Wahrscheinlicher ist eine schrittweise regionale Einführung des telemedizinischen Unterstützungssystems. Informationen: www.telenotarzt.de.
Eric Naß*, Christian Renno*
Dr. med. Daniel Rörtgen**
Dr. med. Max Skorning**

Anschrift für die Verfasser
Eric Naß, Forschungsinstitut für Rationalisierung an der RWTH Aachen, Pontdriesch 14/16, 52062 Aachen, E-Mail: christian.renno@fir.rwth-aachen.de

*Forschungsinstitut für Rationalisierung an der RWTH Aachen
**Universitätsklinikum der RWTH Aachen
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